Gerichtsprozess Angeklagter gesteht Baustellenschild-Wurf auf A 27

Verden·Kirchlinteln. Der 24 Jahre alte Stefan H. hat vor dem Amtsgericht Verden zugegeben, im September vergangenen Jahres ein Baustellenschild samt schwerem Kunststofffuß auf dei A 27 geworfen zu haben. Ein 41-Jähriger hatte damals gerade noch ausweichen können.
21.05.2010, 06:00
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Von angelika siepmann

Verden·Kirchlinteln. Der 41-jährige Geschäftsführer aus Stuhr hat sich geschworen: 'Ich werde jetzt immer am 9. September meinen Geburtstag feiern.' Nur durch Glück, Zufall und seine schnelle Reaktion hat er im vergangenen Jahr nachts gegen 3.25 Uhr auf der Autobahn 27 in der Gemarkung Kirchlinteln unverletzt einen Unfall überstanden. Ein junger Mann hatte von einer Brücke ein Baustellenschild samt schwerem Kunststofffuß auf die Fahrbahn Richtung Bremen geworfen.

Seit Mittwoch muss sich der 24-jährige Stefan H. aus Klocksin bei Waren/Müritz (Mecklenburg-Vorpommern) vor dem Landgericht Verden verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt ihm gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr zur Last. Ursprünglich war der Fall beim Amtsgericht angeklagt worden. Die dortigen Richter befanden jedoch, es komme möglicherweise auch eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags in Frage und verwiesen die Sache an die Schwurgerichtskammer.

Der Angeklagte habe Leib und Leben eines Menschen gefährdet und die Absicht verfolgt, einen Verkehrsunfall herbeizuführen, sagte Staatsanwältin Regina Steinebach. Der 41-Jährige Landrover-Fahrer habe das fast genau auf der Mitte der beiden Fahrspuren gelandete Hindernis erst im letzten Augenblick wahrgenommen, sei nach rechts ausgewichen und habe mit der Beifahrerseite die Leitplanke gestreift. Das Geschehen hätte tödlich ausgehen können. Stefan H. habe außerdem mehrere Bierflaschen geworfen, so Steinebach. Zwei davon trafen nach den Ermittlungen das Aluminium-Dach des Geländewagens.

H. arbeitete damals als Melker auf einem Hof in Kükenmoor und lebte in einem Wohnmobil. Wie schon seinerzeit bei der Polizei, so hat er jetzt auch zum Prozessauftakt die ihm vorgeworfenen Straftaten zugegeben. Ein genaues Motiv nannte er auch auf mehrmalige Nachfrage der Verfahrensbeteiligten nicht. Er habe Probleme mit seiner in Armsen lebenden Freundin gehabt, räumte er ein. Zur Tatzeit sei er 'ein bisschen sauer' gewesen, erklärte er. Später hieß es, er habe sich 'mies' und 'leicht angetrunken' gefühlt.

In den Stunden vor der gefährlichen Attacke will H. insgesamt etwa sechs Flaschen Bier geleert haben. Am nächsten Vormittag gegen 11 Uhr waren bei dem Vater eines Kindes noch rund 0,24 Promille Alkohol festgestellt worden.

Das mobile Baustellenschild befand sich auf der Brücke. Samt Fuß wog es nach Schätzungen einer Polizeibeamtin, die gestern als Zeugin ausgesagte, 'ungefähr zehn bis 15 Kilo'. Das genaue Gewicht hat die Polizei dem Vernehmen nach nicht festgestellt. 'Auf jeden Fall müssen Sie ja richtig Kraft aufgewendet haben', sagte Vorsitzender Richter Volker Stronczyk zum Angeklagten. Der nickte nur und beteuerte: 'Ich wollte nicht, dass da was passiert, ich wollte niemanden verletzen.'

Bei der Polizei waren in jener Nacht innerhalb weniger Minuten gleich vier Notrufe wegen des zunächst undefinierbaren Hindernisses auf der Autobahn eingegangen. Den ersten hatte ein Smart-Fahrer aus der Nähe von Braunschweig abgesetzt. 'Ich habe im Vorbeifahren eine lange Stange mit was Schwarzem unten dran gesehen.' Die zweite Meldung kam von dem 41-Jährigen aus Stuhr. Er habe einen Schock und finanziellen Schaden erlitten, sagte der Mann, sei aber 'psychisch stabil'. Er sei ja leider auch 'kein Einzelschicksal'. Vom sogenannten Holzklotz-Fall mit tödlichem Ausgang will der Angeklagte H. nichts gewusst haben. 'Ich lese keine Zeitungen.' Der Prozess wird heute fortgesetzt.

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