Bevölkerung ist nach zwei Bränden hoch sensibilisiert Angst vor Feuerteufel in Morsum

Thedinghausen-Morsum. Seit dem 20. Juni können Dorothee und Friedrich Röpke nicht mehr ruhig schlafen, als nur wenige Hundert Meter Luftlinie entfernt rund 100 Löschkräfte mit einem Großfeuer beschäftigt waren. Laut Polizei sind beide Brände vorsätzlich gelegt worden.
29.06.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Angst vor Feuerteufel in Morsum
Von Anke Landwehr

Thedinghausen-Morsum. Seit dem 20. Juni können Dorothee und Friedrich Röpke nicht mehr ruhig schlafen. Das war der Abend, als es auf ihrer Terrasse lichterloh brannte, während nur wenige Hundert Meter Luftlinie entfernt rund 100 Löschkräfte mit einem Großfeuer beschäftigt waren. Jetzt geht die Angst vor einem Feuerteufel um. Laut Polizei sind beide Brände vorsätzlich gelegt worden.

'Die Leute sind beunruhigt', bestätigt Kreisbrandmeister Heinz-Hermann Fehling, der selbst in der Gemeinde Thedinghausen wohnt. Schon am Morgen des 20. Juni hatte es ein merkwürdiges Vorkommnis in der Lehmstraße in Thedinghausen gegeben. 'Da hat jemand Benzin auf einen gepflasterten Hof gekippt und angezündet', berichtet Fehling. Möglicherweise handele es sich um einen Dumme-Jungen-Streich. 'Der Brandbeschleuniger hat glücklicherweise nicht überall gezündet', schrieb die Freiwillige Feuerwehr Thedinghausen in ihrem Bericht. Die Bewohner konnten das kleine Feuer selbst löschen.

Unheil zuerst nicht bemerkt

Dazu hatten die Bewohner einer eben erst zum Wohnhaus umgebauten Fachwerkscheune an der Holunderstraße in Ahsen-Oetzen keine Chance mehr. Als die Feuerwehren kurz nach der Alarmierung gegen 21 Uhr eintrafen, stand das Gebäude bereits in hellen Flammen. Eine vierköpfige, junge Familie verlor ihr Zuhause.

Mitten im Einsatz kam kurz vor Mitternacht der nächste Alarm. In der Straße Zum Fleet in Morsum brannte es auf einer Terrasse. Dorothee (60) und Friedrich 'Fiedi' Röpke hatten vor dem Fernseher gesessen und nicht gemerkt, welches Unheil sich über ihnen zusammenbraute. 'Vom Wohnzimmer aus können wir die Terrasse nicht sehen', so die Hausherrin. Ein Glück: Der im Obergeschoss schlafende älteste Sohn wurde durch ein Knacken aufgeweckt und bemerkte bei einem Blick aus dem Fenster das Feuer.

Sein jüngster Bruder und ein Nachbar versuchten, es mit einem Feuerlöscher zu ersticken, Dorothee Röpke schnappte sich einen Gartenschlauch. Doch erst die Feuerwehren aus Blender, Intschede und Einste schafften es, den Brand unter Kontrolle zu bekommen.

Den Röpkes war ziemlich schnell klar, dass dort jemand gezündelt haben musste. Auf der überdachten Terrasse standen zwei Grills, aber die waren zuletzt zwei Tage zuvor beim Fleet-Fest benutzt worden. Ein Holztisch, zwölf Teakholzstühle - Dorothee Röpke: 'Die waren 30 Jahre alt und knochentrocken' -, ein Regal mit Fernseher und Stereoanlage und weiteres Mobiliar gaben dem Feuer Zunder. Glasbausteine barsten, der Außenfühler der Heizungsanlage und die Telefonleitung machten in der Hitze schlapp. 'Ich wusste nicht, dass eine Terrasse so brennen kann', sagt Dorothee Röpke und wundert sich über die Dreistigkeit des Täters. 'Der muss gesehen haben, dass bei uns noch Licht brannte.'

Ob beide Brände von ein und demselben Täter gelegt wurden, vermag die Polizei nicht zu sagen. 'Bisher steht nur fest, dass es sich in beiden Fällen um vorsätzliche Brandlegung handelt', sagt Sprecherin Monika Ewe. Am Fachwerkhaus in der Holunderstraße sei das Feuer 'an mindestens zwei Stellen' ausgebrochen; der Täter habe sich dazu 'einer Flüssigkeit' bedient. Auf welche Weise das Feuer am Fleet gelegt worden sei, 'ist noch nicht ganz klar'. Die Polizei ermittle jetzt in alle Richtungen.

Währenddessen sind die Brände in Morsum und Ahsen-Oetzen Tagesthema - auch am Sonntag, als 'Fiedi' Röpke am Sonntag seinen 68. Geburtstag feierte. Einer der Gäste war Heinz Haake, der in einem etwas abseits gelegenen Haus wohnt. 'Man wird jetzt schon etwas unruhig, wenn die Sirenen gehen', sagt der Rentner. Was noch am selben Tag erneut geschah. Die Polizei geht derzeit allerdings nicht davon aus, dass der Kellerbrand in einem Mehrfamilienhaus in der Straße Auf dem Kamp in Thedinghausen ebenfalls auf Brandstiftung zurückzuführen ist. Ein Zusammenhang mit den anderen Bränden sei nicht erkennbar, so Monika Ewe.

Die Bevölkerung indes ist mittlerweile 'hoch sensibilisiert', wie Kreisbrandmeister Fehling sagt. In der Gegend gebe es viele abgelegene und schlecht einsehbare Grundstücke. 'Die Leute gucken jetzt genau hin, ob sich jemand da herumtreibt, wo er nichts zu suchen hat.'

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+