Springreiterin muss sich vorm Amtsgericht verantworten

Anklage wegen Tierquälerei

Die Springreiterin Linn Z., Siegerin bei den Landesmeisterschaften 2011, muss sich wegen Tierquälerei vor dem Verdener Amtsgericht verantworten. Sie soll ihrem Pferd bei einem Turnier über Gebühr mit Sporen und Gerte zugesetzt habe.
15.02.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Angelika Siepmann

Die Springreiterin Linn Z., Siegerin bei den Landesmeisterschaften 2011, muss sich wegen Tierquälerei vor dem Verdener Amtsgericht verantworten. Sie soll ihrem Pferd bei einem Turnier über Gebühr mit Sporen und Gerte zugesetzt habe.

Verden. Wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz muss sich die 32-jährige Springreiterin Linn Z. seit gestern vor dem Amtsgericht Verden verantworten. Bei einem Turnier des Reitvereins Aller-Weser im Verdener Stadtwald im Mai 2012 soll die gebürtige Schwedin ihrer Schimmelstute aus Verärgerung über verweigerte Leistungen im Parcours mit Sporen und Gerte weit über das zulässige Maß hinaus zugesetzt haben.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sprach von unsachgemäßen, unkontrollierten Strafaktionen. Die Angeklagte räumte zum Prozessauftakt "Regelwidrigkeiten" im Umgang mit der 13-jährigen Hannoveranerin Graf Magna ein. "Ich weiß, dass es nicht richtig war, wie ich mich verhalten habe. Das war zwar verkehrt, hat aber trotzdem nichts mit Tierquälerei zu tun".

Sie habe sich für ihr Verhalten umgehend entschuldigt, auch beim Veranstalter. Der Reitverein Aller-Weser Verden soll dieses Schreiben zeitnah auf seiner Homepage veröffentlicht haben, hieß es. Zeugen wollen beobachtet haben, wie Z. unrechtmäßig auf die Stute einwirkte. Das Pferd hatte in der Prüfung um den "Großen Preis" einen Sprung verweigert und die Reiterin zu Fall gebracht.

Laut Aussage eines Zeugen beobachteten danach zahlreiche Zuschauer, dass die Springreiterin unverhältnismäßig auf ihr Pferd einwirkte: Etwa zehn Schläge mit der Gerte auf Kopf und Hals könnten es schon gewesen sein.

Zeugin sah Blut am Pferdebauch

Eine weitere Zeugin berichtete vom Sporeneinsatz auf dem Abreiteplatz. "Ich sah dabei auch Blut am Bauch des Pferdes". Sie sei daher zur Meldestelle des Turniers gegangen und habe die Wertungsrichter über ihre Beobachtungen informiert. Einer der Richter sei sofort losgegangen, um sich im Beisein des diensthabenden Tierarztes über die Lage zu informieren. Bei dem Pferd, das inzwischen auf einem Transporter stand, wurden angeblich keine Verletzungen festgestellt.

Amtstierärztin Martina Gouverneur, beauftragte Sachverständige des Landkreises, verwies auf die gesetzlichen Richtlinien. Sie erläuterte den Verfahrensbeteiligten, wie schmerzlich sich Gertenschläge an Hals und Kopf eines Pferdes und Hiebe mit Sporen auswirken können. "Bereits in der ersten Hautschicht sind Nervenbahnen vorhanden. Ein Pferd verspürt schon Fliegenbeine, es ist so schmerzempfindlich und sensibel wie ein Mensch". Noch bei der Begutachtung von Graf Magna eine Woche später habe sie im Bauchbereich der Stute Verschorfungen festgestellt.

Die Verteidiger der Angeklagten wollten sich gestern mit der vorläufigen Beweisaufnahme nicht zufrieden geben. Sie stellten noch weitere Beweisanträge. Unter anderem verlangen sie, dass der damalige Turnierrichter Joachim Weist in den Zeugenstand gerufen wird. Der frühere Leiter der Hannoverschen Reit- und Fahrschule in Verden war beim Turnier als Richter im Einsatz. Die Verteidigung möchte auch noch einen Experten der Tierärztlichen Hochschule Hannover hören, der sich speziell mit dem Schmerzempfinden von Pferden auskennt.

Der Prozess wird am Dienstag, 5. März, fortgesetzt.

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