Ehepaar Madinski feiert heute diamantene Hochzeit / Bewegte Vergangenheit in deutscher Kolonialsiedlung Auch schwere Zeiten gemeinsam überstanden

Verden. Vor 60 Jahren haben sich Lidvina und Vinderlin Madinski das Ja-Wort gegeben. Viel Schönes haben die Eheleute seit damals erlebt, aber auch gemeinsam schwere Zeiten überstanden. Heute feiern sie diamantene Hochzeit.
27.05.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Auch schwere Zeiten gemeinsam überstanden
Von Marius Merle

Verden. Vor 60 Jahren haben sich Lidvina und Vinderlin Madinski das Ja-Wort gegeben. Viel Schönes haben die Eheleute seit damals erlebt, aber auch gemeinsam schwere Zeiten überstanden. Heute feiern sie diamantene Hochzeit.

Das Geheimnis von sechs Jahrzehnten Ehe formuliert Lidvina Madinski sachlich: "Wenn man Nachwuchs bekommt, bleibt man auch zusammen. Schließlich wollen die Kinder ihre leiblichen Eltern und keine fremde Mutter oder einen fremden Vater um sich herum haben." Insgesamt haben die Madinskis sechs Kinder bekommen, von denen zwei bereits verstorben sind.

Bis 1999 hatte das Ehepaar in der deutschen Kolonialsiedlung Grünfeld im heutigen Kirgisistan gelebt, dann siedelte es nach Deutschland um. Gesprochen wurde in der ursprünglichen Heimat nur Plattdeutsch, auch in der Schule. In dem lediglich aus zwei Straßen bestehenden Dorf habe man sich unweigerlich kennenlernen müssen, berichten die beiden Jubilare. Nur kurze Zeit später, nachdem die beiden sich über den Weg gelaufen waren, wurde geheiratet. Das erste Kind war unterwegs.

Besonders die Anfangsjahre der Ehe seien in dem damals sowjetischen Gebiet nicht leicht gewesen. "Das Leben in dieser Zeit war nur schwer auszuhalten, weil wir als Deutsche von den Sowjets so behandelt wurden, als wären wir für das Leid der Menschen durch den Krieg verantwortlich", sagt Lidvina Madinski. Das Leben in Kirgisistan beschreiben die 85-Jährige und der 79-Jährige als "sehr hart" und mit dem heutigen Leben in Deutschland nicht vergleichbar. Vor allem im landwirtschaftlich geprägten Heimatdorf sei die Arbeit schwer gewesen. Ans Wegziehen aus dem Ort, der zu seinen besten Zeiten bis zu 350 Einwohner gezählt habe, dachten die beiden aber lange Zeit nicht. Auch einen richtigen Urlaub hätten sie nie gemacht. "Wir haben die ganzen Jahre nur in Grünfeld gelebt und gearbeitet", sagt Vinderlin Madinski. Vor 14 Jahren folgten die Kirgisistandeutschen dann ihren Töchtern nach Verden, nachdem sie sechs Jahre auf die erforderlichen Papiere hätten warten müssen. Ihre Kinder lebten zu diesem Zeitpunkt bereits viele Jahre in Deutschland. Das Einleben in die neue Heimat sei dem Ehepaar durch die Unterstützung der bereits ansässigen Verwandtschaft nicht schwergefallen. Viel unternehmen sie jedoch nicht mehr, auch nicht zu ihrer diamantenen Hochzeit.

Die Gesundheit ließe dies nicht mehr zu. Daher würden sie am liebsten zu Hause bleiben und sich von Familienmitgliedern besuchen lassen. Langeweile kommt allerdings nicht auf. Bei 27 Enkeln und Urenkeln kein Wunder.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+