Bremen und Niedersachsen planen gemeinsam Auf gute Klinik-Nachbarschaft

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und sein Bremer Amtskollege Jens Böhrnsen betonen, das sie die gemeinsame Arbeit der Krankenhäuser über die Landesgrenzen verbessern wollen.
12.02.2015, 18:39
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Tina Hayessen

Bremen ist nah und doch manchmal fern: Ein Patient aus Uphusen ist schon in ein paar Minuten auf hanseatischem Terrain – und dennoch hat er damit eine Ländergrenze überschritten, die für Krankenhausplaner eine Hürde darstellen kann.

Aber wie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und sein Bremer Amtskollege Jens Böhrnsen betonen, wollen sie die gemeinsame Arbeit verbessern. In der Aller-Weser-Klinik kann man derweil mit den bestehenden Absprachen bereits gut leben. Man wisse um seine Grenzen und Stärken und die der Nachbarn, betont die Klinikchefin.

Es war natürlich auch das aktuelle, traurige Beispiel, das Ministerpräsident Stephan Weil und Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen auf das Thema Krankenhausplanung brachte. Eine Risikoschwangere musste nachts in Bremen mehrere Adressen ansteuern, bis sie endlich von einer Entbindungsklinik aufgenommen wurde, die Platz für sie hatte.

Eine solche Odyssee dürfe nicht passieren, betonten die beiden Amtskollegen diese Woche bei einer gemeinsamen Kabinettssitzung in Bremen. Ein Ziel für die Zukunft sei eine bessere Krankenhausplanung für Bremen und das Umland. „Wir brauchen eine Versorgungsstruktur, die so ist, dass jeder das findet, was er braucht“, sagt Weil.

"Nicht gegenseitig kannibalisieren"

Das sieht Marianne Baehr, Geschäftsführerin der Aller-Weser-Klinik (AWK) in Achim und Verden, durchaus ähnlich. Patienten müssten in ihrer Umgebung jede Behandlung finden, die sie brauchen – und die Krankenhäuser entsprechend wissen, wo sie ihre Schwerpunkte setzen. „Man darf sich nicht gegenseitig kannibalisieren“, unterstreicht sie.

Den Patienten zum Zankobjekt zu machen, indem man über den Bedarf hinaus bestimmte Leistungen anbietet, schade letztlich allen Beteiligten.Wobei sie auch festhält, dass man in Achim und Verden „in seinen Möglichkeiten grundsätzlich frei“ sei. „Wie wir uns aufstellen, ist unsere Sache, aber wir müssen es so tun, dass auch der Bedarf da ist.“

Absprachen funktionieren bereits

Schon jetzt funktioniere die Absprache über Ländergrenzen hinweg nicht schlecht, versichert Baehr. Nun wirkt das kleinste Bundesland Deutschlands in Sachen Gesundheitsversorgung durchaus recht groß, blickt man aus dem direkten Umland darauf: Es gibt zahlreiche Behandlungen, die in Bremen, aber eben nicht in Achim oder Verden möglich sind.

„Wir haben zum Beispiel kein Brustzentrum, keine onkologische Behandlung“, gibt Baehr ein Beispiel. Frauen, bei denen Verdacht auf Brustkrebs besteht, seien deshalb in Bremen oder Rotenburg besser aufgehoben. Das gelte ebenso für Eingriffe der Neurochirurgie – also bei Operationen am Gehirn – oder akuten Herzinfarkten. „Das weiß auch der Rettungsdienst“, versichert Baehr, weswegen solche Fälle gar nicht erst den Umweg über Achim nehmen, sondern direkt zu den Spezialisten gefahren werden.

Jedes Haus hat andere Stärken

„Unser Ziel ist, das, was wir machen können, gut zu machen – aber eben auch zu wissen, wo unsere Grenzen sind“, erklärt Baehr. Schwerpunkte in Verden seien etwa die Gastroenterologie (Diagnose und Behandlung im Bereich Magen-Darm-Trakt) und die Kardiologie, also die Behandlung von Herzerkrankungen. In Achim sei die Geriatrie, die Behandlung von alten Menschen, inzwischen besonders stark.

Was die Krankenhausplanung angehe, seien natürlich auf Landesebene andere Menschen zuständig als sie, so Baehr. Die Ministerien seien federführend. Wobei die Krankenhäuser sowie die Leitstellen sich durchaus direkt austauschen, wenn es um einzelne Patienten geht. Komme ein Herzinfarktpatient nach Achim, frage man schnell im Krankenhaus Links der Weser oder in der Rotenburger Klinik nach, wo er aufgenommen werden kann.

"Grenze spielt keine Rolle"

„Für die Patientinnen und Patienten spielen die Landesgrenzen in der Regel bei der medizinischen Versorgung keine Rolle“, weiß man im niedersächsischen Gesundheitsministerium. Weshalb es bereits erste Schritte zur Verbesserung der gemeinsamen Klinikplanung gebe, betont Pressesprecherin Heinke Traeger.

Im Juni vergangenen Jahres seien etwa beim Regionalgespräch im Landkreis Cuxhaven – neben den Betriebsräten und Geschäftsführungen verschiedener Kliniken – auch Vertreter des Landes Bremen mit von der Partie gewesen. Auch weiterhin plane man, die Hansestadt dort einzubeziehen, wo Ländergrenzen – und damit auch Interessen – zusammenstoßen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+