DLRG im Kreis Verden

Warnung der DLRG: „Ertrinken ist ein stiller Tod“

In diesem Jahr ist in den Gewässern im Landkreis Verden noch niemand ertrunken. Aufgrund beunruhigend hoher Todeszahlen in ganz Deutschland klärt die DLRG trotzdem über die Gefahren in Gewässern auf.
21.08.2020, 16:15
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Von Antonia Blome
Warnung der DLRG: „Ertrinken ist ein stiller Tod“

Badespaß wie bei der Wasserskianlage auf dem Oyter See kann schnell brenzlig werden, wenn Schwimmer die Gefahren des Gewässers unterschätzen. Eine Schwimmweste hilft, das Risiko zu minimieren.

Björn Hake

Die Zahl der Ertrunkenen in deutschen Gewässern ist in diesem Jahr besonders hoch. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres sind in Deutschland mindestens 192 Menschen in Badeseen und anderen Gewässern ertrunken, davon 24 allein in Niedersachsen. Diese Zahlen stammen aus einer aktuellen Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die kürzlich veröffentlicht wurde.

Nach Einschätzung der DLRG sei, verstärkt durch die anhaltende Corona-Situation, für den Rest des Jahres noch mit deutlich höheren Zahlen zu rechnen. Der Grund: Kommunale Schwimmbäder müssen diesen Sommer aufgrund notwendiger Hygienekonzepte den Zugang für Badegäste deutlich beschränken. Zunehmend mehr Menschen baden und schwimmen laut der Wasserrettungsorganisation daher in unbeaufsichtigten Badeseen, Flüssen oder Kanälen.

Noch kein Vorfall im Kreis

In diesem Jahr hat die Polizeiinspektion Verden/Osterholz im Landkreis Verden noch keine Ermittlungen zur Todesursache aufgrund einer leblos in einem See oder Fluss aufgefundenen Person geführt. „Im Juli erreichte die Polizei ein Hinweis auf eine möglicherweise im Cluvenhagener See ertrinkende Person. Dieser hat sich nicht bestätigt“, fügt Pressesprecherin Sarah Humbach hinzu.

Torsten Knuppe ist technischer Leiter der DLRG-Ortsgruppe Langwedel und zeigt sich besorgt über die Statistik. „Im Landkreis Verden ist in diesem Jahr zwar niemand ertrunken, die Zahlen in ganz Deutschland sind aber durchaus erschreckend“, sagt er. „Ich kann natürlich verstehen, dass die Menschen im Sommer raus möchten, allerdings sollte man ausschließlich in bewachten Gewässern schwimmen.“

So seien in der Vergangenheit beispielsweise im Cluvenhagener See, der nicht bewacht und in dem Schwimmen verboten ist, mehrere Menschen ertrunken. „Schwimmer sollten außerdem nicht übermütig handeln und vor allem zu jeder Sekunde ein Auge auf ihre Kinder haben“, appelliert Knuppe. „Entgegen der landläufigen Meinung ist das Ertrinken nämlich ein stiller Tod, den man häufig nicht mitbekommt.“

DLRG setzt auf Herz-Massage

Die Mund-zu-Mund-Beatmung sei derweil trotz der Corona-Pandemie weiterhin erlaubt. Allerdings würden viele versuchen, diese zu umgehen und vorrangig die Herz-Druck-Massage nutzen. „Diesen Trend, der aus der USA zu uns rübergeschwappt ist, gab es allerdings schon vor der Krise“, sagt das DLRG-Mitglied. Die Herz-Massage sei ohnehin der wichtigste Aspekt der Ersten Hilfe und habe die höchste Priorität bei der Wiederbelebung.

Ansonsten würden die Mitglieder der DLRG versuchen, die Abstände einzuhalten und sie tragen Handschuhe. Im Notfall werde jedoch auf die Hygienemaßnahmen verzichtet. „Wie weit jemand gehen möchte, bleibt aber jedem selbst überlassen und der Eigenschutz geht vor“, erzählt Knuppe. Das Training finde bei der Ortsgruppe Langwedel wieder statt, allerdings unter strengen Vorschriften. So seien zum Beispiel Nichtmitglieder von der Teilnahme ausgeschlossen.

Nach Wochen der Kontaktbeschränkungen und des ruhenden Vereinslebens starteten auch die Einsatztaucher der DLRG-Ortsgruppe Verden im Juni wieder mit dem regelmäßigen Übungsbetrieb. Obgleich zunächst einige neue Regeln und Einschränkungen erlassen werden mussten, ist laut den Verdener Lebensrettern nun ein Betrieb möglich, der den strengen Anforderungen an eine erfolgreiche Infektionsvermeidung gerecht werde.

Veränderter Übungsbetrieb

Besonders die vor- und nachbereitenden Maßnahmen hätten eine maßgebliche Umstellung im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie gefordert. Dazu gehören laut der Verdener Ortsgruppe das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in möglichst allen Situationen des gemeinsamen Übungsbetriebes sowie das Einhalten des vorgeschriebenen Mindestabstandes.

Für alle Helfer, die an den Tauchgängen beteiligt sind, sei es wichtig, die Handgriffe und Prozeduren regelmäßig zu üben, damit zu jeder Zeit ein idealer und sicherer Ablauf gewährleistet werden kann. Gerade der Einsatz der Taucher erfordere schließlich einen regelmäßigen Übungsdienst, um das Zusammenspiel zwischen Tauchern und Signalmännern zu trainieren und zu automatisieren.

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