Kläranlage Verden

Bakterien sorgen für sauberes Wasser

Zweieinhalb bis drei Tage dauert die Reinigung des Abwassers. Am Ende fließt sauberes Abwasser durch einen schmalen Kanal, das in die Aller geleitet wird. Ein Besuch in der Kläranlage Verden.
11.06.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bakterien sorgen für sauberes Wasser
Von Andreas D. Becker

Ein leicht strenger Geruch liegt in der Luft, in dem großen Wasserbecken blubbert es, und nebenan vor der Nachklärung hat sich in einem Vorbecken brauner Klärschlamm abgesetzt, um den große Fliegen brummen. Am Ende des Vorgangs fließt sauberes Abwasser durch einen schmalen Kanal, das in die Aller geleitet wird. Zweieinhalb bis drei Tage dauert die Reinigung des Abwassers von der Einleitung bis zum Ende des komplexen Prozesses.

Das Abwasser stammt aus der Stadt Verden samt Ortschaften, außerdem aus Kirchlinteln und teilweise aus Langwedel – der andere Teil des Fleckens wird von der Kläranlage Achim betreut. Die Abwasser von rund 120 000 Einwohnern werden in der Anlage an der Weserstraße in Verden gereinigt, dazu kommen das Abwasser aus Industrie und Gewerbe. Insgesamt summiert sich das auf rund 2,8 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Davon stammen 40 Prozent von den Einwohnern, der Rest aus dem gewerblichen Bereich. „Wenn es der Industrie schlecht geht, dann merken wir das daran, dass weniger Abwasser anfällt“, sagt Betriebsleiter Uwe Gerdes.

Geklärt werden die Abwässer in zwei Stufen. Die mechanische Vorreinigung befreit sie von Sand und anderen Feststoffen, die ausgesiebt werden. Erst durch einen Rechen, dessen Löcher kleiner als drei Millimeter sind. Dann kommt ein Sandfang, in dem sich Sand absetzt. In der dritten Stufe, der Flotation, wird das Abwasser mit Druckluft versetzt. „Dadurch werden die festen Stoffe aufgetrieben, die entstehende Schlammschicht wird abgeleitet“, beschreibt Gerdes den Vorgang.

Anschließend folgt die biologische Hauptreinigung. Im Belebungsbecken reinigen Mikroorganismen unter Sauerstoffzufuhr das Abwasser. Das Nachklärbecken dient danach dazu, die Bakterien wieder zu entfernen. Der sogenannte Belebtschlamm wird entfernt, der Hauptstrom wird ins Belebungsbecken zurückgeleitet. Der restliche Schlamm kommt in Faulbehälter, wo spezielle Bakterien die Substanz in Klärgas umwandeln: Dieser besteht aus Methan und Kohlendioxid. Mit dem Klärgas wird das betriebseigene Blockheizkraftwerk (BHKW) betrieben, das Strom und Wärme liefert. Der Klärschlamm bleibt 25 bis 30 Tage im Faulbehälter und wird anschließend von der Landwirtschaft als Dünger weiterverarbeitet.

Laut Gerdes fallen davon rund 4000 Tonnen pro Jahr an. „Der Schlamm ist sehr hochwertig, er besteht aus Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor und ist ein guter Dünger“, sagt der Betriebsleiter. Für die Abnahme erhalten die Landwirte eine Aufwandsentschädigung.

Im Laufe der Jahrzehnte – die Kläranlage wurde 1964 gebaut und mehrfach erweitert – hat sich das Behandlungsverfahren nicht grundlegend geändert. Allerdings wurde anfangs nur Kohlenstoff abgebaut, heute auch Stickstoff und Phosphor, da diese Stoffe die Gewässer belasten würden. „Das Volumen des Belebungsbeckens hat sich mittlerweile verzehnfacht“, so Gerdes. Problematische Stoffe wie Antibabypillen, Hormone, Medikamente seien zwar Belastungen fürs Wasser, in Niedersachsen seien diese Stoffe aber nur in geringen Mengen nachweisbar und würden nicht zusätzlich herausgefiltert. Auch Mikrokunststoffe könnten wegen ihrer geringen Größe nicht entfernt werden. „Diese Stoffe gehören nicht ins Abwasser, hier sind die Hersteller gefordert“, sagt Gerdes.

Das Blockheizkraftwerk auf dem Gelände ist 2013 in Betrieb gegangen. Pro Jahr erzeugt es rund 2,4 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr und damit 75 Prozent des Eigenverbrauchs der Kläranlage. „Das entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 6000 Haushalten pro Jahr“, sagt Gerdes. Ursprünglich habe man mit 1,4 Millionen Kubikmetern Klärgas zum Betrieb des BHKW gerechnet. Tatsächlich sind es nur 900 000 Kubikmeter. „Das war ein Fehler in der Gasmengenmessung“, räumt der Betriebsleiter ein. Trotzdem sei die Anlage wirtschaftlich. Die 3,1 Millionen Euro teure Investition habe sich nach acht bis neun Jahren amortisiert. Und mit der entstehenden Wärme werden nicht nur die Faulbehälter, sondern auch die Büros beheizt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+