Literatur Balsam für die Seele

Geschichten, Gedichte und Emotionen: Sigrid Beuss hat ihr zweites Buch geschrieben. Am 10. Juni stellt sie es während einer Matinee in ihrer Tanzschule vor.
25.04.2018, 10:50
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Balsam für die Seele
Von Jörn Dirk Zweibrock

Verden. Es kommt aus dem Kopf, fließt durch die Seele, läuft durch die Arme und geht direkt in die Finger. So oder so ähnlich lässt sich der kreative Schaffensprozess einer Sigrid Beuss beschreiben. Stichwort Schreiben – geboren wurde die Autorin nach eigener Aussage schon mit der Feder in der Hand. „Meine Großmutter hat mir schon früh Lesen und Schreiben beigebracht, deshalb habe ich mich in der Schule immer gelangweilt“, erinnert sich die heutige Borstelerin an ihre Zeit als Abc-Schützin in Landesbergen (Kreis Nienburg). Mit zehn Jahren hat sie ihr erstes Gedicht geschrieben, es handelte von einem Engel. Ihre schönsten Geschichten, Gedichte und Emotions – Englisch für Gefühle – hat Sigrid Beuss nun in einem neuen Buch verewigt. „I feel it my way“ lautet der Titel.

Auf dem knallroten Cover ist eine Frau mit schwarzem Kurzhaarschnitt abgebildet. Die dunklen Haare sind genauso so typisch für Sigrid Beuss wie ihre Liebe zum Schreiben. Die hat sie während ihres Sprachstudiums (Englisch und Französisch) in Hannover und ihres Fernstudiums an der Axel-Andersson-Akademie in Hamburg sogar noch perfektioniert. Weil sich die Seele nun einmal in der Kunst ein Kleid sucht, greift die Seniorchefin der Tanzschule Beuss immer wieder zum Füllfederhalter, bringt ihre Gedanken mit schwarzer Tinte zu Papier. „Ich schreibe meistens nach dem Unterricht, manchmal sogar im Stehen“, verrät sie. Sigrid Beuss ist eine scharfsinnige Beobachterin. Manchmal sind es Gesprächsfetzen aus der Unterhaltung mit ihren Schülern, manchmal eben auch andere Dinge, die sich immer wieder aufs Neue dazu inspirieren, mit Worten zu jonglieren.

Das Gedicht „Stöckelschuhe“ hat sie schon für ihre Tochter geschrieben, als diese noch eine Teenagerin war. „Kleines, neugieriges, lebenshungriges Mädchen. Du möchtest schnell erwachsen werden und auf Stöckelschuhen gehen. Aber auch diese Gangart will gelernt sein. Pass auf, dass Dir nicht ein Absatz bricht. Dann musst Du durchs Leben humpeln.“ Viele Schauspieler, viele Musiker, ja eigentlich jeder Künstler kennt das Gefühl, wenn er nach dem Auftritt in ein ganz tiefes Loch fällt. Diese Momente kennt auch Sigrid Beuss nur allzu gut. Verstummt die Musik, leert sich das Parkett, schließt sich die Tür, beginnt sie zu schreiben. Dass Melancholie auch etwas Magisches hat, zeigt sich daran, dass in diesen Augenblicken ihre besten Geschichten, ihre besten Gedichte und ihre besten Emotions entstehen.

„Das Leben ist eine Tragödie für jene, die fühlen“, zitiert Sigrid Beuss in diesem Kontext gerne Oskar Wilde. Nicht umsonst zieren die Sinnsprüche vieler bekannter Persönlichkeiten ihr 134 Seiten starkes Buch. Garniert von umso mehr eigenen Geschichten, Gedichten und Emotions. Vor zehn Jahren hat die Borstelerin schon einmal einen Gedichtband herausgebracht. In ihrem neuen Buch dürfen sich Literatur-Freunde unter anderem auf das Geheimnis von Tante Sophies Truhe und eine lustige Seefahrt freuen. Besagte Truhe gab es früher wirklich in Landesbergen, bloß die Leiche darin, die hat Sigrid Beuss erfunden. Keine bloße Fiktion, sondern dem echten Leben entsprungen ist hingegen die Geschichte auf See. „Mein Mann und ich haben früher auf einem jugoslawischen Schiff Tanzunterricht gegeben. Als mir beim Hüpfen plötzlich das Haarteil herunter gefallen ist, habe ich es Jürgen kurzerhand auf den Kopf gesetzt und das ganze Schiff hat sich gebogen vor Lachen.“

Sigrid Beuss liebt nicht nur die Literatur, die Sprache, das Schreiben, Lesen und den Tanz – sie pflegt auch ein Liebesverhältnis zu ihrem Kochlöffel. Mit dem sie Freiherr von Knigge zu seiner Zeit hundertprozentig eins übergebraten hätte. „Der wollte den Frauenzimmern doch tatsächlich verbieten, aus der Literatur ein Handwerk zu machen“, gerät Sigrid Beuss immer noch in Rage, wenn sie daran denkt. Ihr rotes Büchlein „I feel it my way“, gestaltet und gedruckt im Haus der Werbung, ist ab sofort im Verdener Buchhandel erhältlich.

Sigrid Beuss stellt es am Sonntag, 10. Juni, bei einer gemeinsamen Matinee mit Rolf Zepp in ihrer Tanzschule vor. Die Veranstaltung aus der Reihe „Literatur auf dem Parkett“ beginnt um 10.30 Uhr. Zepp schlüpft dann erneut in die Rolle von Entertainer Frank Sinatra, musikalisch begleitet von Ben Hohls.

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