Unfälle im Landkreis Verden

Viele Verursacher flüchten

Während die Zahl der Unfälle im Landkreis Verden 2020 insgesamt gesunken ist, stieg das Verhältnis von registrierten Unfällen zu Unfallfluchten an. Bei einem Fünftel der Unfälle flüchteten die Verursacher.
19.04.2021, 16:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Viele Verursacher flüchten
Von Elina Hoepken
Viele Verursacher flüchten

Bei einem Fünftel der Unfälle im Landkreis Verden flüchteten im Jahr 2020 die Verursacher.

Udo Meissner

Landkreis Verden. Das Fahrrad hat als Fortbewegungsmittel im Corona-Jahr 2020 einen regelrechten Boom erlebt. Viele Menschen schwingen sich mittlerweile lieber aufs Rad, anstatt ins Auto zu steigen. Doch im Straßenverkehr kann es auf dem Zweirad auch durchaus gefährlich werden. An den 3792 registrierten Verkehrsunfällen im Landkreis Verden im Jahr 2020 waren insgesamt 256 Zweiräder beteiligt. Dabei handelte es sich in 135 Fällen um Fahrräder und in 74 Fällen um Pedelecs. Das geht aus der Verkehrsunfallstatistik 2020 der Polizeiinspektion Verden/Osterholz hervor. „Dass die Nutzerinnen und Nutzer von zweirädrigen Fahrzeugen tendenziell im Falle eines Verkehrsunfalls eher verletzt werden als Nutzerinnen und Nutzer mehrspuriger Fahrzeuge, geht auf den schwächeren Schutz zurück“, erklärt die Polizei. Von 274 beteiligten Zweiradfahrern im Landkreis Verden wurden insgesamt 191 verletzt - 155 von ihnen leicht, 35 schwer und einer sogar tödlich. Das entspricht einem Anteil von rund 70 Prozent.

Die Beteiligung von Pedelecs bei den Unfällen ist laut Polizei im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. „Dennoch ist beim Benutzen dieser Fahrzeuge besondere Vorsicht geboten, da sie bei gleichem Kraftaufwand oftmals schneller geführt werden als Fahrräder.“ Das führe zu Verkehrssituationen, bei denen gerade Pedelec-Fahrer von anderen Verkehrsteilnehmern nicht erwartet werden. Die Verkehrsüberwachung in Bezug auf Zweiradfahrer wird daher auch in diesem Jahr von der Polizeiinspektion Verden/Osterholz weiter schwerpunktmäßig fortgesetzt. Es werden beispielsweise Geschwindigkeitsmessungen an Wochenenden stattfinden, die insbesondere auf Motorradfahrer ausgerichtet sind.

Schwerpunktkontrollen für Zweiräder

Auch Fahrräder und Pedelecs werden mit Schwerpunktkontrollen in den Fokus genommen. Dabei wird zum einem der ordnungsgemäße Zustand der Räder überprüft, aber auch das richtige Verhalten im Straßenverkehr. Das Befahren von Radwegen in falscher Richtung durch Radfahrer ist beispielsweise eine häufige Unfallursache. Aber auch das Fehlverhalten von anderen Verkehrsteilnehmern gegenüber Radfahrern soll überwacht werden. Bereits jetzt werden verschiedene Präventionsaktionen für Zweiradfahrer angeboten: Flächendeckend im Landkreis Verden durchgeführte Fahrradprüfungen in den Grundschulen und regelmäßige Kontrollen der Beleuchtung im Rahmen der Schulwegsicherung helfen Kindern, sicher zur Schule kommen. Eine Problematik im Zusammenhang mit sogenannten E-Scootern im Straßenverkehr ist bisher im Landkreis Verden nicht festzustellen. 2020 wurden fünf Verkehrsunfälle mit diesem Fahrzeug registriert.

Während die Zahl der Unfälle im Landkreis Verden, wie berichtet, insgesamt gesunken ist, stieg das Verhältnis von registrierten Unfällen zu Unfallfluchten jedoch im Vergleich zum Vorjahr um knapp 1,5 Prozent - auch wenn die Zahl der Unfallfluchten mit 775 Fällen (2019: 928) auf ein Zehnjahrestief sank. Bei gut 20 Prozent aller gemeldeten Unfälle, also bei fast jedem fünften Fall im Landkreis Verden, flüchteten die Verursacher. Die Aufklärungsquote bei diesen Straftaten stieg auf gut 46 Prozent, 2019 lag sie bei gut 45 Prozent. Auch die Anzahl der bei Unfällen mit verletzten Personen geflüchteten Fahrern stieg auf 50 Fälle (2019: 44) an.

Weniger alkoholisierte Fahrer

Gesunken ist im vergangenen Jahr indes die Zahl der alkoholisierten Fahrer, die bei Verkehrskontrollen oder als Unfallbeteiligte entdeckt wurden. Im Jahr 2020 wurden insgesamt 163 alkoholisierte Personen ertappt (2019: 201 Personen). Hiervon waren 44 Personen an einem Unfall beteiligt (2019: 61 Personen). Die Zahl der festgestellten Fahrten unter dem Einfluss von Rauschmitteln ist 2020 gestiegen. 240 Fahrer standen in einer Polizeikontrolle unter Drogeneinfluss, 2019 waren es 20 weniger. Davon wurden 14 Fahrer in einem Rauschzustand in Unfälle verwickelt. Christina Kappenberg, Leiterin Einsatz in der Polizeiinspektion, stellt fest, dass das Entdeckungsrisiko für berauschte oder alkoholisierte Fahrer im Landkreis Verden stetig angestiegen ist. „Die Polizei hat flächendeckend Beamtinnen und Beamte speziell geschult, die nun zielgerichtete Kontrollen durchführen können. Auch in Zukunft werden wir daran anknüpfen und das Dunkelfeld weiter verringern.“

Einen großen Stellenwert hat neben den Kontrollen bei der Polizeiinspektion Verden/Osterholz auch das Thema Prävention, um den Hauptunfallursachen sowie den Gefahren und Risiken im Straßenverkehr zu begegnen. Mithilfe vieler einzelner Projekte werden nicht nur die unterschiedlichen Altersgruppen von der Vorschule bis zum Seniorenalter angesprochen, sondern es finden auch die Besonderheiten durch unterschiedliche Fahrzeuge Berücksichtigung. Angeboten werden unter anderem das Fahrschulprojekt, Fahrsicherheitstrainings für Fahranfänger, Pedelec-Training und Verkehrssicherheitstage.

Aufgrund des Umfangs der Verkehrsunfallstatistik gab es in der Sonnabend-Ausgabe bereits einen Artikel zu dem Thema.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+