Wohltätigkeitsaktion Gulasch für den guten Zweck

Die Auszubildenden von Wolfgang Pade haben die Tafelkunden bekocht. Das Dessert hat die Stadt Hoya beigesteuert.
02.02.2021, 12:40
Lesedauer: 2 Min
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Gulasch für den guten Zweck
Von Jörn Dirk Zweibrock

Es reiche einfach hinten und vorne nicht. „Ich arbeite zwar, muss aber aufstocken“, erzählt die Tafelkundin und zückt ihren Tafelausweis. An diesem Mittag steht etwas ganz Besonderes auf dem Speiseplan, und zwar Gulasch vom Ibérico-Schwein mit Gewürzreis. Ist es eigentlich eine Überwindung für sie, zur Tafel zu gehen? „Nein, das ist für mich inzwischen so normal wie Einkaufen gehen, so brauche ich mir die Lebensmittel wenigstens nicht im Supermarkt zu kaufen“, sagt die Tafelkundin aus Hoya und geht mit ihrem eingefrorenen Lunchpaket nach Hause. Der heimische Küchentisch ist längst gedeckt.

In der Vergangenheit hat der Verdener Koch Wolfgang Pade des Öfteren die Verdener Tafelkunden bekocht, nun sind also die Kunden aus der Grafenstadt an der Reihe. In Hoya gibt es eine Ausgabestelle der Nienburger Tafel. Auf dem Kino-Parkplatz an der Deichstraße kontrolliert Beate Möller-Dumschat die Liste mit den Anmeldungen für diese besondere Charity-Aktion, während Hoyas Bürgermeisterin Anne Sophie Wasner (SPD) am Ausgabetisch kräftig mit anpackt. „Nehmen Sie zum Nachtisch noch ruhig etwas Joghurt mit“, sagt sie zu dem jungen Mann, der sich das Essen von Pade bereits abgeholt hat. „Wie wäre es mit Zitrone? Da kommt doch gleich etwas Urlaubsstimmung auf.“ Für die Gemeinschaftsaktion des Vereins „Hafensänger und Puffmusiker“ und des Kochs Pade wurde auch die Stadt Hoya mit ins Boot geholt. „Wir haben uns für ein Dessert aus der Molkerei Asendorf entschieden, weil wir den Tafelkunden auch einen wertigen Nachtisch bieten wollen“, betont Wasner und bedient auch schon die nächste Tafelkundin.

Oliver Wolf, Vorsitzender des in mehreren Landkreisen aktiven Vereins, beobachtet die ganze Szenerie mit strahlenden Augen aus dem Hintergrund. Wieder einmal hat Schriftführerin Petra Schulenburg ganze Arbeit geleistet. Sie koordiniert die Benefiz-Veranstaltungen des Vereins. „62 Tafelkunden haben sich für heute telefonisch angemeldet“, rechnet Vereinsmitglied Beate Möller-Dumschat vor. Wie gut, dass Wolfgang Pade in seinem Lieferwagen gleich 72 eingeschweißte Portionen Schweinegulasch verstaut hat, so bleibt wenigstens noch ein bisschen Luft nach oben.

„Viele Tafeln klagen momentan über zu wenig Ware“, erzählt der Koch aus Verden. Weil sein Restaurant Corona-bedingt wieder schließen musste, hat er nicht lange gezögert und seine Tiefkühltruhe für die Menschen, die nicht ganz so auf der Sonnenseite des Lebens stehen, geplündert. Aber nicht nur das – mit der wohltätigen Aktion beschäftigt er auch seine aktuell insgesamt vier Auszubildenden. Jan Hundsdörfer aus Achim ist einer von ihnen und mittlerweile schon im dritten Lehrjahr. Der angehende Koch ist froh, dass er so Gelegenheit hat, prüfungsrelevante Themen aus dem Lehrbuch nachzukochen. „Das Fleisch vom Ibérico-Schwein hat einen leicht nussigen Geschmack. Das liegt daran, dass sich das Tier von Eicheln ernährt“, erläutert der junge Weserstädter und hat gleich noch einen Kochtipp für zu Hause parat: „Ein gutes Schweinegulasch braucht Zeit, deswegen das Fleisch mindestens drei Stunden lang garen lassen.“

„Meine Azubis haben mich während der Krise sehr unterstützt. Das rechne ich ihnen hoch an. Mit dieser Aktion möchte ich ihnen einfach etwas zurückgeben und trotz Pandemie gewährleisten, dass ihre Ausbildung weitergeht“, sagt Pade. Den Testlauf für die Ablegung der praktischen Prüfung vor der Bremer Handelskammer hat sein Azubi-Quartett in Hoya jedenfalls bestanden.

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