Dieses Jahr werden gute Erträge erwartet / Rund 60 polnische Arbeiter sind auf der Plantage in Otersen im Einsatz Beste Bedingungen für die Heidelbeeren

Kirchlinteln-Otersen. Kühle Tage, immer mal wieder Regen, dunkle Wolken am Himmel - das klingt nicht nach dem Wetter, das wir Menschen uns für die Sommermonate wünschen. Für die Heidelbeere sind dies allerdings Bedingungen, die sie prächtig wachsen lassen. Ein Supersommer also für die Plantagenbetreiber, die jetzt reiche Ernte einfahren.
21.07.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stephan holste

Kirchlinteln-Otersen. Kühle Tage, immer mal wieder Regen, dunkle Wolken am Himmel - das klingt nicht nach dem Wetter, das wir Menschen uns für die Sommermonate wünschen. Für die Heidelbeere sind dies allerdings Bedingungen, die sie prächtig wachsen lassen. Ein Supersommer also für die Plantagenbetreiber, die jetzt reiche Ernte einfahren.

"Duke" und "Blue Crop" heißen die beiden Sorten, die Michael Scharein in Otersen anbaut. Der Landwirt, der sich auf den biologischen Anbau spezialisiert hat, erwartet in diesem Jahr gute Erträge. "Die Beeren haben sich gut entwickelt und eine gute Größe erreicht", sagt er.

Im Jahre 2006 zum Beispiel sah das ganz anders aus. Damals mussten die Heidelbeersträucher mit enormen Wassermengen versorgt werden, weil eine Hitzewelle über Deutschland hereingebrochen war. Viele Pflanzen waren entweder vertrocknet oder so gestresst, dass sie das Wachstum verweigerten. "Die Ernte fiel damals um etwa ein Viertel geringer aus als üblich", erinnert sich Scharein.

Davon kann in dieser Saison keine Rede sein. Bereits seit zwei Wochen ernten die überwiegend polnischen Arbeiterinnen und Arbeiter die großgewachsenen Früchte. Um die Arbeit auf der Plantage bewältigen zu können, sei er auf die Mithilfe der Polen angewiesen, sagt Scharein. In den kommenden Tagen werden weitere Arbeitskräfte in Otersen eintreffen. Mittlerweile gebe es Saisonarbeiter, die bereits in der dritten Generation zum Pflücken kämen, so der Landwirt.

Gegenwärtig sind etwa 60 polnische Erntehelfer vor Ort. Ihre Aufgabe besteht nicht nur im Pflücken der Beeren. Die Früchte müssen auch nach Güte sortiert, gewogen und abgepackt werden. Abnehmer sind diverse Naturkostläden ebenso wie große Lebensmitteleinzelhändler. "Die Auftragslage ist gut", freut sich der diplomierte Agrarwirt, der ein europaweit anerkanntes Zertifikat vorweisen kann.

Um die zwei Tonnen Heidelbeeren werden täglich gesammelt und verarbeitet. Der Anbau nach Biolandrichtlinien bedeutet, dass sie weder mit chemischen Spritzmitteln noch mit chemischem Dünger in Berührung kommen. "Wir achten außerdem darauf, dass die Artenvielfalt um die Plantage herum erhalten bleibt", merkt Scharein an. Pflanzen um die Beerensträucher herum dürften wachsen. Und um Schädlinge wie die Frostspannerraupe in Schach zu halten, hat Scharein 80 Vogelkästen in seinen Plantagen aufgehängt. "So bekämpfen wir auf natürliche Weise einen Schädling, der uns sonst um den Ertrag bringen würde", sagt der Biobauer.

Scharein hat festgestellt, dass die Verbraucher zunehmend an Erzeugnissen aus ökologischem Anbau interessiert sind. "Wir sind froh, dass die bewusste Ernährung bei den Konsumenten angekommen ist und die Menschen immer öfter nach Bio-Produkten greifen", sagt er. Der Plantagenbesitzer ist davon überzeugt, dass sie gesünder sind als konventionell erzeugte Lebensmittel. "Weil wir eben keine Chemie einsetzen, die Spuren im Körper hinterlassen."

Scharein erwähnt Mastbetriebe, in denen Tieren der schnellen Aufzucht wegen Antibiotika verabreicht würden. Beim Verzehr nehme der Mensch dieses Stoffe in sich auf, was ihm langfristig schaden könne. Klar, dass der Landwirt um solche Lebensmittel einen großen Bogen macht.

Die Heidelbeersaison auf seiner Plantage dauert noch bis September an. Dann werden auch die Blaubeeren abgeerntet sein und es sei an der Zeit für Pflegemaßnahmen. Überzählige Triebe werden entfernt, biologischer Frostschutz aufgetragen, und die Sträucher werden bei Bedarf weiter bewässert. Für den Landwirt ist klar: "Um gute Beeren hervorzubringen, sind keine chemischen Eingriffe notwendig. Wir bekommen zwar einen geringen Prozentteil Geld mehr für unsere Bio-Qualität, aber der wird auch wieder in unsere Heidelbeeren reinvestiert, damit die Qualität stets auf einem hohen Niveau bleibt."

Während die meisten Menschen hoffen, dass es doch noch einen Sommer gibt, der diesen Namen verdient, ist Scharein mit den gegenwärtigen Witterungsverhältnissen sehr zufrieden. "Bloß keine große Hitze", sagt der Landwirt und blickt zufrieden auf einen wolkenverhangenen Himmel.

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