Corona-Krise im Landkreis Verden

Betretungsverbote für Rückkehrer

Die Zahl der Corona-Infizierten im Landkreis Verden ist am Donnerstagnachmittag auf sechs Menschen angestiegen. Der Landkreis und speziell die Gemeinde Oyten haben nun Vorkehrungen getroffen.
12.03.2020, 18:42
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Betretungsverbote für Rückkehrer
Von Kai Purschke
Betretungsverbote für Rückkehrer

Für die Kreismusikschule gilt ebenso wie für die Kreisvolkshochschule und andere Gemeinschaftseinrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeeinrichtungen nun ein Betretungsverbot für Reiserückkehrer aus den Corona-Risikogebieten.

Jonas Kako

Mittlerweile sind im Landkreis Verden (Stand: Donnerstagnachmittag) nach Angaben der Kreisverwaltung sechs Menschen mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) infiziert. Zuletzt waren ein Mann sowie zwei Frauen aus dem Südtirolurlaub zurückgekehrt und wiesen Symptome auf. Aber: „Sämtliche Coronavirus-Patienten zeigen nur leichte Krankheitssymptome und befinden sich in häuslicher Quarantäne“, heißt es aus dem Kreishaus. Die Patienten sind allesamt im Erwachsenenalter und leben im Nordkreis des Landkreises Verden. Das Gesundheitsamt des Landkreises ermittele zurzeit intensiv die möglichen Kontaktpersonen der Erkrankten.

Außerdem ordnet der Landkreis an, dass Rückkehrer aus Coronavirus-Risikogebieten „in den ersten 14 Tagen nach ihrer Rückkehr weder Veranstaltungen noch Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen, Veranstaltungen und Pflegeeinrichtungen betreten dürfen“. Das Betretungsverbot gelte auch für die Kreisvolkshochschule und Kreismusikschule. Dieses Betretungsverbot gilt explizit auch fürs Rathaus und alle anderen Einrichtungen in Oyten, wie die Gemeindeverwaltung am Abend erklärt hat. Das Rathaus ist darüber hinaus für die Bevölkerung generell tabu und wird ab Montag, 16. März, nur noch in Ausnahmefällen zugänglich sein. Ebenso schließt die Gemeindebücherei am Montag. „Leider mussten wir uns auch entscheiden, bestimmte Leistungen einzuschränken“, sagte Bürgermeistern Sandra Röse. Dem Vernehmen nach sind Bürger aus Oyten unter den Corona-Infizierten.

Die Verwaltung betont, dass Anliegen telefonisch oder per E-Mail zu klären sind und das Rathaus nur aufgesucht werden solle, wenn es sich nicht vermeiden lasse. „In diesen Fällen sind Mitarbeiter in den Räumen der Gemeindebücherei anzutreffen“, heißt es aus dem Rathaus. Für Fragen der Oytener Bürger rund um das Coronavirus sei die Telefonnummer 0 42 07 / 91 40 22 geschaltet.

Auflagen für Veranstalter denkbar

Inwieweit es weitere Einschnitte im täglichen Leben geben wird, kann derzeit auch das Gesundheitsamt nicht wissen. Unterdessen haben viele Veranstalter mit Verweis auf die Infektionsgefahr ihre Veranstaltungen abgesagt (siehe nebenstehenden Bericht). Ohnehin untersagt sind Großveranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als Tausend Besuchern – der Landkreis hat nun dazu mitgeteilt, dass er nun eine Stabstelle für (Sport-)Veranstaltungen eingerichtet hat, in der zunächst zwei Mitarbeiter die Veranstalter aus dem Kreisgebiet sowie die Gemeinden beraten. „Das Gesundheitsamt wird Auflagen erarbeiten, die bei der Durchführung zu beachten und einzuhalten sind“, erklärte Sprecher Ulf Neumann.

Das bedeutet: Kein Veranstalter hat die Pflicht, seine Veranstaltung beim Landkreis anzumelden und sie genehmigen zu lassen, aber er soll das Beratungsangebot nutzen. Denn wie Gesundheitsamtsleiterin Jutta Dreyer anmerkt, könne die potenzielle Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus nicht einzig von einer Besucherzahl abhängig gemacht werden, auch spielten die Nähe der Besucher zueinander oder die Raumbelüftung eine Rolle. „Wenn eine fernmündliche Beratung nicht ausreicht, schaut sich die Stabstelle auch die Gegebenheiten vor Ort an“, sagte Ulf Neumann. Allerdings sei generell zu berücksichtigen, dass die neue Organisationseinheit nun erst ihre Arbeit aufnimmt und tagesaktuell die Entwicklungen rund um den Coronavirus beobachtet werden müssen. Mit den Städten und Gemeinden sei der Kreis im stetigen Austausch, sie melden ihre Veranstaltungen an die Kreisverwaltung.

Auch für Kreisverwaltung Neuland

Diese unterstreicht, dass der jeweilige Veranstalter die Verantwortung trage und selbst abschätzen müsse, inwieweit seine Form der Veranstaltung einer Eindämmung des Virus und der Gesundheit der Besucher zuträglich ist. „Um Abstände einzuhalten, könnte auch nur jeder zweite Stuhl besetzt werden“, nennt Neumann ein Beispiel. Er weiß allerdings auch, dass mit kommerziellen Veranstaltungen immer auch die Kostenfrage verbunden ist. Der Landkreis Verden könne Auflagen bestimmen, wie das Aushängen von Schildern, dass sich krank fühlende Menschen der Veranstaltung fern bleiben mögen. „Wir tasten uns da auch ran“, erklärte Neumann, dass die Kreisverwaltung nun Neuland betritt, was eine solche Situation angeht und daher noch nicht alles geklärt sein könne.


Veranstalter sollen sich für eine Beratung per E-Mail an die neue Stabstelle unter folgender Adresse wenden: veranstaltungen-corona@landkreis-verden.de.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+