Ausstellung in Kirchlinteln Bilder gegen das Vergessen

"Wider das Vergessen" lautet der Titel einer Ausstellung im Lintler Krug über das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Befreiung Kirchlintelns durch britische Truppen.
10.05.2017, 11:27
Lesedauer: 2 Min
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Von Ivonne Wüsthof

"Wider das Vergessen" lautet der Titel einer Ausstellung im Lintler Krug über das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Befreiung Kirchlintelns durch britische Truppen.

Die Schwarzweißfotografien, die auf den Anschauungstafeln im Kultursaal des Lintler Kruges abgebildet sind, wirken verstörend. Sie zeigen Portraits von Soldaten, Gräber, zerbombte Häuser und tote Menschen.

Aus heutiger Perspektive mögen diese Szenen vielleicht surreal erscheinen. Doch vor etwas mehr als 70 Jahren waren sie bittere Realität. Denn die Bilder zeigen das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Befreiung Kirchlintelns durch englische Soldaten.

Organisiert von der Kirchlintelner SPD

Neben den erschreckenden Fotografien konnte die Kirchlintelner SPD, welche die Ausstellung mit dem Titel „Wider das Vergessen“ organisiert hat, auch Originaldokumente und Aussagen von Zeitzeugen recherchieren, um mit ihnen Schritt für Schritt die letzten Tage des Kriegsendes in der Gemeinde für zwei Tage zu rekonstruieren.

Neben vielen Einzelschicksalen, wie die des 17-jährigen Soldaten Ernst-Bodo Löhr, der am 16. April 1945 während des Angriffes der Panzerartillerie bei Kirchlinteln durch Schüsse in Kopf und Brust starb, oder das von Marie Meyer, die einen Tag vorher bei einem Luftangriff in Luttum schwer verletzt und von der Besatzung eines britischen Kettenfahrzeugs umgehend in ein Nienburger Krankenhaus gebracht wurde, dort jedoch ihren Verletzungen erlag. Auch das dunkle Kapitel Armsens, das Schicksal der sowjetischen und polnischen Zwangsarbeiterinnen und ihrer Kinder, wurde in der Ausstellung thematisiert.

An vieles kann sich auch noch Walter Thies erinnern, der zu der Zeit neun Jahre war. Einige Ereignisse sind ihm noch lebhaft in Erinnerung: Wie ein benachbartes Ehepaar mit wehender weißer Fahne den britischen Truppen entgegenging, und wie die Soldaten, nach Ende der Kampfhandlungen gemeinsam mit seiner Familie am Küchentisch saßen und die Bevölkerung mit Schokolade und anderen wichtigen Gütern versorgten. Auch dass viele Kirchlintelner die sogenannte „Befreiung“ als Zusammenbruch erlebt haben, ist ihm noch deutlich bewusst. „Man kann nicht genug tun, um zu erzählen, was passiert ist“, ist Thies überzeugt.

"Erinnerungskoffer"

Mit ein paar einleitenden Worten über die Erinnerungsarbeit eröffnete SPD-Vorsitzender Hermann Meyer die Ausstellung. Er mahnte, dass das Geschehene nicht vergessen werden dürfe, da der Kampf gegen das rechte Spektrum immer noch andauere. Reinhard Egge vom Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ warf die Frage auf: „Wie können wir das Kriegsende heute vermitteln?“ Mit dabei hatte er seinen sogenannten „Erinnerungskoffer“, aus dem er einige Gegenstände zog, darunter den wohl letzten sozialistischen Hammer und die letzte sozialistische Sense auf deutschem Boden, und einige Anekdoten dazu erzählen konnte. „Wie gehen wir heute damit um, den jungen Menschen den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen zu vermitteln? Für sie ist der Prager Frühling so weit weg wie Karl der Große“. Daher sei es gerade so wichtig, dass neben dem Geschichtsunterricht in den Schulen auch Ausstellungen wie diese einen großen Beitrag zur Erinnerungsarbeit und gegen das Vergessen leisten müssen.

Dem stimmte auch Hermann Vinke zu, der neben seiner journalistischen Arbeit auch als Autor einige Sachbücher zur Geschichte der NS-Zeit für Jugendliche herausgegeben hat. Vinke selbst hat noch einige prägende Erinnerungen an das Ende des Zweiten Weltkrieges, bei der sein älterer Bruder durch Granatsplitter in einem Laufgraben ums Leben kam. Und auch in seinem späteren Leben wurde er stets mit der Geschichte konfrontiert. Umso besorgter blickte er in die Zukunft und die erneut aufkommenden populistischen und rechten Strömungen. Auch über die AfD, die er als „Tarnorganisation der Neonazis“ bezeichnete, fand Vinke deutliche Worte.

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