Experten warnen vor Zeckenstichen / Parasiten im Kreis Verden aufgrund des milden Winters besonders aktiv Biss mit Folgen

Landkreis Verden. Sie haben acht Beine, zwei Kieferklauen, einen Saugrüssel, sind gerade mal drei Millimeter groß – und gehören zu den gefährlichsten Tiere in Deutschland: Zecken. Sie können auf Menschen Krankheitserreger übertragen, die eine Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns, die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), oder Borreliose auslösen.
07.07.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Biss mit Folgen
Von Onno Kutscher

Sie haben acht Beine, zwei Kieferklauen, einen Saugrüssel, sind gerade mal drei Millimeter groß – und gehören zu den gefährlichsten Tiere in Deutschland: Zecken. Sie können auf Menschen Krankheitserreger übertragen, die eine Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns, die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), oder Borreliose auslösen. „Aufgrund des milden Winters, den wir hatten, sind die Zecken im Landkreis Verden dieses Jahr besonders aktiv“, weiß Bezirksförster Udo Papenheim. „Wenn es nicht kalt genug ist, dann vermehren sich die Parasiten sehr stark.“

Entwarnung für den Landkreis Verden gibt es aber aus medizinischer Sicht. „Unsere Region gilt nicht als Zecken-Warngebiet“, sagt Bernhard Krüger, Amtsarzt beim Landkreis Verden. „Mir sind hier keine Fälle von FSME bekannt.“ In Süddeutschland sei die Situation sehr viel prekärer. „Wenn man dort lebt oder Urlaub macht, ist eine Impfung empfehlenswert“, so der Amtsarzt. FSME greift das zentrale Nervensystem an und kann bei schwerem Verlauf zu Langzeitschäden wie Lähmungen der Extremitäten oder auch Hörverlust führen.

Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts sind aber auch nördliche Regionen betroffen. Unter anderem sind die Nachbar-Landkreise Nienburg und Rotenburg Gebiete, in denen bereits vereinzelt FSME-Erkrankungen aufgetreten sind.

Körper regelmäßig untersuchen

Bernhard Krüger rät daher dazu, Zeckenbisse nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Wenn man sich viel in der Natur aufhält, sollte man seinen Körper regelmäßig untersuchen und die Parasiten dann schnell entfernen. Je früher desto besser“, sagt Krüger. Die Gefahr, an Borreliose zu erkranken, sei auch im Kreis Verden gegeben. Die Erkrankung kann sehr unterschiedliche Symptome verursachen. An der Stelle des Zeckenbisses kann sich nach Tagen bis Wochen eine ringförmige Rötung ausbilden, deren Durchmesser zunimmt. Im weiteren Verlauf kommt es manchmal zu Nervenschmerzen, Lähmungen, Entzündung von Hirnhäuten aber auch des Rückenmarks und peripherer Nerven. Eine Impfung gibt es nicht.

Udo Papenheim hält sich als Bezirksförster in Verden regelmäßig im Wald und auf Wiesen auf. „Gefühlt würde ich sagen, dass die Zecken-Population in den vergangenen 30 Jahren im Kreis Verden stark angestiegen ist“, so der Bezirksförster. „Früher war es eine absolute Seltenheit, von einer Zecke gebissen zu werden. Mittlerweile ist das normal.“ An einem Tag habe er schon einmal 13 Zecken von seinem Körper entfernen müssen.

Die große Hitze der vergangenen Tage hat laut Papenheim für eine leichte Entspannung gesorgt, da viele Zecken ausgetrocknet seien. „Heiße Sommertage mögen sie überhaupt nicht.“ Aber auch er meint, dass man eine Zecke schnellstmöglich entfernen müsse. Er räumt zudem mit dem Mythos auf, dass Zecken von Bäumen fallen. „Sie krabbeln auf Wiesen, Sträuchern und im Unterholz und gelangen von dort auf ihre Wirte.“ Um dem vorzubeugen, empfiehlt Papenheim, bei Waldspaziergängen lange Hosen und festes Schuhwerk zu tragen. Außerdem sei das Tragen von heller Kleidung sinnvoll, denn darauf können Zecken schneller entdeckt werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+