Fachkräftemangel

Brücke zur Wirtschaft

Der Verein Emforce bietet In der Kirchlintler Oberschule am Lindhoop am 8. März wieder eine Berufsorientierungsmesse an. Mehr als 30 Unternehmen aus dem Landkreis Verden haben sich dafür angemeldet.
26.02.2018, 17:37
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jörn Dirk Zweibrock
Brücke zur Wirtschaft

Fliegende Funken: Einmal in der Woche hospitieren die Jugendlichen von der Kirchlintler Schülerfirma Lindworx beim Bendingbosteler Fahrzeugbauer.

Fotos: Björn Hake

Einmal in der Woche tauschen Mathis Drewes (16) und Michel Meyer (15) ihre Schulbücher gegen die Flex und das Schweißgerät. Die beiden Zehntklässler sitzen dann nicht etwa gemütlich in der Oberschule am Lindhoop im Klassenzimmer, sondern gehen in Bendingbostel malochen. Die Firma Schutz Fahrzeugbau kooperiert bereits seit Jahren mit der Abteilung Happy Metal von der Schülerfirma Lindworx. Lehrer und Abteilungsleiter Henning Feyen weiß, dass aus den Schnuppernachmittagen in der Vergangenheit schon etliche Praktika geworden sind. „Früher sind die Väter aus den Nachbardörfern einfach zu uns in die Firma gekommen und haben nach einer Lehrstelle für ihre Jungs gefragt“, erinnert sich Geschäftsführer Jens Schutz. Gut, das Handwerk hat zwar heute immer noch goldenen Boden, aber die, die sich noch dafür interessieren sind inzwischen wirklich rar gesät. Umso wichtiger ist es mittlerweile für Schutz, seine Firma zu präsentieren.

Klar, dass er bei der gemeinsam vom Verein Emforce – Schule trifft Wirtschaft – und der Kirchlintler Oberschule am Lindhoop veranstalteten Berufsorientierungsmesse wieder mit dabei ist. An seinem Stand in der Schulmensa stellt Jens Schutz am Donnerstag, 8. März, ab 8 Uhr das Berufsbild Fahrzeugbaumechaniker vor. Über 30 Unternehmen aus dem gesamten Landkreis Verden haben sich für die schulinterne Berufsbörse unter der Schirmherrschaft von Dörte Liebetruth (Landtagsabgeordnete) angemeldet. „Von kaufmännischen Berufen, über die Ausbildung in der Verwaltung, Jobs im Handwerk bis hin zum sozialen Bereich ist alles vertreten“, freut sich Emforce-Vorsitzender Helmut Rothermel. Die Polizeiinspektion Verden/Osterholz habe sich ebenso für die Ausbildungsplatzbörse angemeldet wie die Bundeswehr aus Rotenburg. Eingeläutet wird die Veranstaltung bereits am Vorabend, 7. März, mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion. Sie beginnt um 19 Uhr und steht unter dem Motto „Zählt nur noch das Abitur? – Chancen und Möglichkeiten einer Ausbildung“. „Auf dem Podium sitzen an diesem Abend Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verbänden. Auch Kirchlintelns Bürgermeister Wolfgang Rodewald, selbst Emforce-Mitglied, nimmt daran teil“, erläutert Rothermel.

Der Verein Emforce wurde 2007 ins Leben gerufen. Seine Mitglieder haben sich auf die Fahnen geschrieben, Jugendlichen eine Orientierung bei der Berufswahl zu geben und Kontakte zur heimischen Wirtschaft zu knüpfen. Zehn Wirtschaftspaten begleiten die Schüler aus den Klassen 8 bis 10 derzeit während der letzten drei Jahre ihrer Oberschulzeit. Lehrer wie Kirchlintelns langjähriger Konrektor Werner Triebel engagieren sich ebenso im Verein wie Ruheständler oder andere Freiwillige. „Wir verstehen uns dabei als Bindeglied zwischen Schule und Wirtschaft“, hebt Rothermel diese im Landkreis Verden einmalige Zusammenarbeit hervor. Natürlich komme den Wirtschaftspaten dabei ihre umfangreiche Berufs- und Lebenserfahrung zugute. So unterstützt der Brunsbrocker, der ursprünglich aus der Möbelindustrie kommt, die Teenager beispielsweise bei der Lehrstellensuche im Internet, hilft ihnen beim Bewerbung schreiben und stellt mit ihnen Vorstellungsgespräche nach. „Ich habe von der Zusammenarbeit mit den Wirtschaftspaten nur profitiert. Dank ihnen habe ich meinen Traumberuf entdeckt und schließlich auch den richtigen Ausbildungsplatz gefunden“, sagt ein ehemaliger Schüler der Kirchlintler Lindhoop-Schule.

Finn Bleckwedel (19) und Finn Pansegrau (21) machen dagegen schon eine Ausbildung zum Fahrzeugbaumechaniker in Bendingbostel. „Wir stellen vom einfachen Kippfahrzeug über Feuerwehrautos bis hin zu Kühlfahrzeugen für die Lebensmittelindustrie und Seilwinden-Laster für Ölbohrgesellschaften alles her“, erklärt Jens Schutz. Er hat beobachtet, dass die Auszubildenden inzwischen immer älter werden und es heutzutage mit einem schlechten Hauptschulabschluss immer schwieriger für sie wird, die Berufsschule zu bestehen. Denn gerade für den Beruf Fahrzeugbaumechaniker seien natürlich auch gute Kenntnisse im Fach Mathematik erforderlich. Wie viele andere Ausbildungsbetriebe auch, empfiehlt der Geschäftsführer des Bendingbosteler Unternehmens den Jugendlichen, zuerst ein Praktikum von Minimum zwei Wochen im Betrieb zu absolvieren. Für das Engagement der Wirtschaftspaten um Helmut Rothermel und Werner Triebel findet er nur lobende Worte: „Sie haben bereits zu einer Zeit, als es noch genügend Auszubildende gab, den drohenden Fachkräftemangel erkannt.“ Grundlage der Zusammenarbeit sei das Vertrauensverhältnis, verrät Rothermel, dass er manchmal sogar eine Whatsapp von seinen Schülern bekomme.


Infos zur Berufsorientierungsbörse in der Oberschule am Lindhoop gibt es auch unter der Internetadresse www.emforce.de.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+