Homeoffice im Landkreis Verden

Ein Arbeitsmodell mit Zukunft

Die Corona-Krise geht für viele Unternehmen Hand in Hand mit der Arbeit in den eigenen vier Wänden. Einige Arbeitgeber im Landkreis Verden sehen im Homeoffice eine Chance für flexibleres Arbeiten.
07.08.2020, 15:33
Lesedauer: 3 Min
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Von Antonia Blome
Ein Arbeitsmodell mit Zukunft

Laut einiger Geschäftsführer im Verdener Kreisgebiet ist das Homeoffice eine Möglichkeit, Familie und Beruf zu vereinen.

Sebastian Gollnow/dpa

Landkreis Verden. Die Corona-Krise scheint sich als Katalysator für mobiles Arbeiten erwiesen zu haben: Gezwungenermaßen mussten in den vergangenen Monaten viele Arbeitnehmer ihre Sachen packen und das Büro in die eigenen vier Wände verlegen. Obwohl das Homeoffice laut einiger Unternehmen im Landkreis Verden manche Arbeitsprozesse nicht adäquat ersetzen kann, scheint das Modell vielerorts neue Perspektiven für die Zukunft zu schaffen.

Bei Vitakraft in Achim ist die Entscheidung, im Homeoffice zu arbeiten, laut Unternehmenssprecher Dieter Meyer im März gefallen. „Die Umstellung wurde anstatt in einzelnen Schritten zügig und umfangreich vorgenommen", erzählt er. Die Vernetzung und die Ausstattung der Mitarbeiter mit Laptops seien erstaunlich reibungslos abgelaufen. „Die Online-Kommunikation, zum Beispiel über Skype, hat schnell funktioniert und es gab keine größeren Störungen im Geschäftsablauf“, zeigt sich Meyer zufrieden. Das Team habe die Veränderungen rasch akzeptiert und effektiv weiter gearbeitet. Etwa 80 Prozent der Mitarbeiter im Verwaltungsbereich befänden sich derzeit noch immer im Homeoffice.

Auch viele Angestellte des Thedinghauser Unternehmens Elektro Knief arbeiten nach wie vor von zu Hause. Das Team bleibe zum Beispiel über morgendliche Skype-Konferenzen in Kontakt. „Alles hat problemlos geklappt, denn bereits vor der Corona-Krise haben unsere Mitarbeiter teilweise im Homeoffice gearbeitet“, erzählt Geschäftsführerin Birgit Knief. Das seien vor allem Angestellte gewesen, die einen weiten Anfahrtsweg zur Firma hätten. „Allerdings war das nur ein- bis zweimal die Woche der Fall und nun bleiben die Mitarbeiter längerfristig zu Hause.“

Anita Freitag-Meyer, Geschäftsführerin der Verdener Keks- und Waffelfabrik Hans Freitag, ist mit dem Thema Homeoffice noch nicht so vertraut wie ihre Kollegin aus dem Nordkreis. „Vorher hatten wir nicht all zu viel Erfahrung mit dem Arbeiten von zu Hause“, lässt sie wissen. Dazu sei es höchstens im Notfall gekommen, wenn zum Beispiel Frauen zu Hause bei ihren kleinen Kindern hätten bleiben müssen.

Derzeit arbeite ein Teil der Angestellten in der Firma. „Wir hatten zu Beginn A- und B-Teams, die Hälfte blieb also zu Hause und der Rest arbeitete in der Firma“, gibt die Keksfabrikantin einen Einblick in die vergangenen Monate. Das Arbeiten von zu Hause sei eine sehr positive Erfahrung gewesen, das Team habe wie immer eng kooperiert und es sei noch mehr Vertrauen geschaffen worden.

„Für Mitarbeiter, die kleine Kinder zu Hause haben, war es durch das Homeoffice einfacher, Familie und Beruf zu vereinen“, erzählt die Verdener Unternehmerin. „Aus der privaten Perspektive sind die Arbeitszeiten natürlich flexibler“, stimmt auch Dieter Meyer von Vitakraft zu. Für die Mitarbeiter des Achimer Unternehmens sei es aber auch eine Umstellung gewesen, da diese durch die Büroatmosphäre und das dort vorhandene Equipment geprägt seien. „Durch das neue Umfeld mit Familie und Kindern ist sicherlich die ein oder andere Schwierigkeit entstanden, die Prozesse liefen jedoch trotzdem störungsfrei ab“, informiert Meyer weiter über die neue Erfahrung mit Homeoffice.

Nach einer gewissen Zeit würden bei Keks Freitag viele zurück in die Firma wollen. „Einige Dinge wie die Verkostungsrunden kann man nicht ersetzen, da muss man wirklich gemeinsam in den Keks beißen“, erzählt die Geschäftsführerin schmunzelnd. Birgit Knief fehlt insbesondere „der persönliche Kontakt und Austausch, der vor allem über einen längeren Zeitraum von großer Bedeutung ist“. Nun werde abgewartet, wie sich die Corona-Krise vor allem in Bezug auf die Reiserückkehrer entwickele. Ziel in der Thedinghauser Firma sei vorerst noch nicht, die Büros wieder vollständig zu besetzen.

Die Verdener Keks- und Waffelfabrik werde das Thema Homeoffice laut der Geschäftsführerin derweil auf jeden Fall weiter begleiten. „Ich bin da sehr offen und für jeden, der es braucht, sind nun die technischen Möglichkeiten vorhanden, um von zu Hause zu arbeiten“, informiert Freitag-Meyer über ihre Zukunftspläne.

Ein Präventionsteam von Vitakraft setze sich derweil wöchentlich zusammen, um die Corona-Krise zu bewerten und die Verhaltens- und Hygieneregeln in der Achimer Firma zu überprüfen. „Ende August werten sie die Situation neu und schätzen ein, ob es schrittweise zurück in die Büros gehen oder ob das Homeoffice prolongiert werden soll“, kündigt der Unternehmenssprecher an. Die vergangenen Monate hätten das Team von Vitakraft auf jeden Fall dazu angetrieben, Arbeitsprozesse moderner zu gestalten und sich durch die Erfahrungen, die jetzt gesammelt würden, für die Zukunft zu wappnen.

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