DJs in der Corona-Krise

Eine Branche liegt auf Eis

Trotz der Lockerungen sind die meisten Events aufgrund der Corona-Krise noch immer auf Eis gelegt. Je länger die Krise anhält, desto mehr fürchten DJs im Landkreis Verden um ihre Existenz.
19.08.2020, 16:22
Lesedauer: 3 Min
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Von Antonia Blome
Eine Branche liegt auf Eis

Andre Röbke (rechts) aus Oyten legt als DJ unter dem Künstlernamen Andrew Robbixen auf.

Björn Hake

Von Sängern über Gitarristen bis hin zu Schauspielern hat die Corona-Krise Menschen aus der Veranstaltungsbranche in den vergangenen Monaten besonders schwer zu schaffen gemacht. Und noch immer fürchten DJs aus Oyten, Verden und Bremen um ihre Existenz. „Es gibt keine Veranstaltungen mehr, sondern nur Kleinkram“, erzählt Andre Röbke aus Oyten, der unter dem Namen Andrew Robbixen als Diskjockey auftritt. Vor der Corona-Krise hat er im Oytener Bolingo beispielsweise das Projekt „Bowling mit den besten DJs“ ins Leben gerufen, das nun auf Eis gelegt ist.

Außerdem waren einige andere Auftritte, zum Beispiel beim Himmelfahrt-Open-Air in Daverden, geplant und mussten abgesagt werden. Thorsten Siemer aus Bremen, der als DJ Toddy auch bei Veranstaltungen im Landkreis Verden auflegt, hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „Ich bin seit über 20 Jahren hauptberuflicher DJ und hatte im März von heute auf morgen keinen Job mehr“, sagt er. „Davor war ich drei- oder viermal die Woche unterwegs und konnte gut von meiner Tätigkeit leben.“

Beschränkung auf Livestreams

Andre Röbke beschränkt sich für dieses Jahr derweil auf Livestreams, die er zum Teil selbst gestaltet. „Ich sitze zurzeit zwischen zwei Stühlen“, verrät der Oytener. Obwohl Menschen in seiner Branche davon leben, dass Leute sich treffen und gemeinsam Spaß haben, sei es richtig, die Veranstaltungen abzusagen. Allerdings hätten DJs mehr Hilfspakete erhalten sollen, zumal große Firmen viel finanzielle Unterstützung erhalten würden.

Nun sei die Zukunft vorerst ungewiss. „Vieles ist noch unklar, zum Beispiel, wer haften muss, wenn es bei einer Veranstaltung trotz des Hygienekonzepts zu einem Corona-Ausbruch kommt“, ruft Röbke in Erinnerung. Das elektronische Musikfestival Ferdinands Feld fand in diesem Jahr zum Beispiel in kleinem Rahmen mit etwa 200 Gästen statt. „Das ist ein Plus-Minus-Null-Geschäft und soll genau wie die Livestreams eher dafür sorgen, dass man nicht in Vergessenheit gerät.“

Dem stimmt Christian Walther der als Saxofonist, Schauspieler und DJ unter seinem Künstlernamen Chris Kawa bekannt ist, zu. „Man kann von Livestreams nicht leben und sie ersetzen keinen Liveauftritt, können aber helfen, im Gespräch zu bleiben“, sagt der Verdener. Künstler wie er hätten es während der Corona-Krise außerdem besonders schwer, da die Unterhaltungsbranche bei den Lockerungen ganz am Ende stehe. „Soforthilfen der Regierung sind an zahlreiche Bedingungen geknüpft, die viele Solokünstler nicht erfüllen“, erzählt er.

Appell an die Politik

Sein Kollege Thorsten Siemer appelliert daher: „Die Politik muss dieses System überdenken, da sonst bald viele Soloselbständige kaputt gehen werden.“ In der Krise steckt laut Christian Walther allerdings auch eine Chance. Man dürfe nicht auf externe Hilfe hoffen, sondern müsse selbst kreativ werden und sich mit anderen Künstlern vernetzen. So hat der Verdener, wie er sagt, in letzter Zeit vermehrt Straßenmusik gemacht, um den Menschen auch in der Krise ein Stück weit Kultur zu bieten. Außerdem spielt der Saxofonist nach eigenen Angaben nun viel im kleinen Rahmen, bei Sektempfängen, standesamtlichen Trauungen oder in Restaurants.

Im DJ-Bereich sei es derweil ernüchternd, dass viele Menschen bereit bis zum Jahresende alle Veranstaltungen abgesagt hätten. „Es freut einen dann aber natürlich, dass umso mehr Anfragen für das kommende Jahr eingehen“, lässt der Künstler wissen. Sein Appell an jeden einzelnen Bürger: „Haltet euch an die Spielregeln und veranstaltet keine Corona-Partys.“

Dramatische Lage

Dramatisch sei die Lage insbesondere für kleine Clubs, Diskotheken und Theater. „Wenn da nicht geholfen wird, wird es vieles davon bald nicht mehr geben“, prognostiziert Walther. Auf die Folgen der Corona-Krise für die Veranstaltungswirtschaft sollte insbesondere die Night of Light hinweisen. Im Rahmen der Aktion wurden im Juni in mehr als 200 deutschen Städten Eventlocations, Spielstätten, Gebäude und Bauwerke erleuchtet, um auf die Probleme vieler Kulturschaffender aufmerksam zu machen (wir berichteten).

Thorsten Siemer hat ebenfalls an der „Night of Light“ teilgenommen und hält die Aktion für ein sehr wichtiges Zeichen, um auf die Not der Veranstaltungsbranche hinzuweisen. Die Veranstaltungsbranche müsse in dieser schwierigen Zeit schließlich für sich selbst kämpfen. Der DJ ist außerdem Teil des Bündnisses „Alarmstufe Rot“, das sich aus verschiedenen Initiativen und Verbänden der deutschen Veranstaltungswirtschaft zusammensetzt. Am 9. September findet eine Demonstration auf den Straßen Bremens statt, bei der Mitglieder der Veranstaltungsbranche verschiedene Forderungen an die Politik übergeben.

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