Kirchen in der Corona-Krise

Kirche erreicht die Menschen digital

Die Zeit der Kontaktsperre überbrückten viele Kirchengemeinden im Verdener Kreisgebiet mit digitalen Angeboten. Einige Gemeinden können sich vorstellen, auch weiterhin digital präsent zu bleiben.
27.05.2020, 16:15
Lesedauer: 3 Min
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Von Antonia Blome
Kirche erreicht die Menschen digital

In der Laurentiuskirche in Achim startet der persönliche Konfirmandenunterricht ab Juni unter Hygieneauflagen wieder.

FOCKE STRANGMANN

Ob Andachten auf Youtube oder digitale Schnitzeljagden – Kirchengemeinden im Landkreis Verden sind zu Zeiten der Corona-Krise neue Wege gegangen, wo alte nicht mehr möglich waren. Persönliche Gottesdienste und der Konfirmandenunterricht sind zwar bereits wieder erlaubt, doch vielerorts lassen die Kirchengemeinden Vorsicht walten und führen die digitalen Angebote vorerst fort. Diese stoßen nämlich auf großen Anklang.

Der Superintendent des Kirchenkreises Verden, Fulko Steinhausen, beschreibt die Situation: „Wir dürften wieder mit dem Konfirmandenunterricht starten, allerdings besteht eine große Zurückhaltung.“ Vor einigen Wochen wurde die Erlaubnis ausgesprochen, den Unterricht unter Auflagen wieder aufzunehmen. „Da waren wir ziemlich überrascht, schließlich durften einige der Konfirmanden noch gar nicht wieder zur Schule.“

Wöchentliche Aufgaben

Die Konfirmanden der Laurentiuskirche in Achim erhalten vorerst wöchentliche Aufgaben, die ein geschlossenes Thema behandeln, wie Pastor Ulrich Wilke erzählt. Digitale Formate seien für die Zukunft aber keine Alternative zu der persönlichen Begegnung. „Der Konfirmandenunterricht ist für viele so attraktiv, weil man sich trifft und sehen kann“, erzählt Wilke. Im Juni starte daher wieder der normale Konfirmandenunterricht. Zu diesem gehörten dann ein strenger Hygieneplan, feste Sitzplätze sowie das Tragen von Mundschutz.

„Digital ist vieles möglich, doch man merkt schnell, wie schön es ist, sich zu sehen“, stimmt Superintendent Steinhausen zu. Gerade jetzt werde deutlich, dass die Kirche von der Gemeinschaft und der Begegnung lebe. Besonders die Freizeiten seien für die Konfirmanden von großer Bedeutung. Allerdings sei es natürlich immer gut, gerüstet zu sein, um bei der nächsten Infektionswelle schnell agieren zu können. Und auch nach der Corona-Pandemie wolle der Kirchenkreis Verden als Ergänzung zur persönlichen Begegnung im Netz präsent bleiben.

Link zu einem Film

Digitale Aufgaben erhalten auch die Konfirmanden der Kirchengemeinden westlich der Weser in Blender, Intschede, Oiste, Thedinghausen und Riede. „Die Konfirmanden bekommen jeden Sonntag einen Link zu einem Film zugeschickt, den wir selbst produziert haben“, teilt Kreisjugendwart Joachim Bruns mit. Dieses freiwillige Angebot unter dem Namen „Perlen des Glaubens“ bestehe bis zu den Sommerferien, persönlicher Unterricht finde bis dahin nicht statt. In erster Linie gehe es nun darum, trotz der Distanz den Kontakt zu den Konfirmanden zu halten.

Die Konfirmanden nehmen das Angebot unterschiedlich an, einige würden etwas zurück schicken. „Die Eltern finden es toll, dass es das Angebot gibt“, erzählt Bruns. Die Kirchenkreis-Jugendkonventsitzungen finden nun als Videokonferenzen statt. „Besonders in Hinblick auf den Umweltschutz ist es denkbar, solche Konferenzen auch zukünftig digital abzuhalten.“ Diesen Sonntag habe es außerdem im Rahmen des „wandernden Gottesdienstes“ einen digitalen Jugendgottesdienst auf Youtube gegeben. „Ich kann mir vorstellen, dass wir auch weiterhin kurze digitale Formate für Menschen anbieten, die nicht den Weg zum persönlichen Gottesdienst machen möchten.“

Digitale Challenges

Die Kirchengemeinde Wittlohe geht zu Zeiten der Corona-Krise ähnliche Wege. „Die Konfirmanden setzen sich hauptsächlich aus der Handy-Generation zusammen. Das haben wir ausgenutzt und bieten ihnen derzeit kleine digitale Challenges über das Smartphone an“, gibt Pastor Wilhelm Timme einen Einblick in die derzeitige Situation. Daneben setzt die Kirchengemeinde seit der Kontaktsperre verstärkt auf Videogottesdienste, die im Netz veröffentlicht werden. Die Beteiligung sei groß, etwa 50 Menschen würden die Gottesdienste regelmäßig ganz anschauen.

Für den Pastor ist diese Resonanz verständlich: „Der Vorteil ist, dass sich die Menschen den digitalen Gottesdienst jederzeit ansehen können, während dieser sonst nur in einem bestimmten Zeitfenster stattfindet." Viele Nutzer hätten sich bereits geäußert und „möchten, dass das digitale Angebot weitergeführt wird“. Doch trotz des großen Echos sei der Aufwand, der mit der Produktion des Materials einhergehe, zu groß. Der zwölfte und letzte Videogottesdienst findet an Pfingsten statt. Danach werde sowohl der persönliche Konfirmandenunterricht als auch der Gottesdienst der Kirchengemeinde Wittlohe weitergeführt.

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