Taxibranche Nachts steht der Motor still

Durch die Corona-Pandemie haben die Taxiunternehmen im Landkreis Verden immer weniger Fahrgäste. Das Hauptgeschäft bilden derzeit die Krankenfahrten. Am Wochenende und nachts herrscht dagegen Flaute.
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Von Philipp Zehl

Der Lockdown im Frühjahr dieses Jahres hat die Taxibranche zum Stillstand gezwungen. Von den einen auf den anderen Tag brach den Beförderungsunternehmen damals die Einnahmequelle weg. Während sich in den vergangenen Wochen der Tagesbetrieb wieder einigermaßen normalisiert hat, leiden die Taxifahrer nun besonders nachts und am Wochenende unter dem teilweisen Lockdown.

Viele haben zwischenzeitlich beispielsweise ihre Fahrzeuge mit Plexiglasscheiben ausgestattet, die sowohl die Fahrer als auch die Fahrgäste schützen sollen.

„Die Situation schlägt wieder ins Gegenteil um“, erzählt Karin Kahrs, Inhaberin des gleichnamigen Verdener Taxiunternehmens. Die Nächte und die Wochenenden seien sehr ruhig. „Die Krankenfahrten sind allerdings mehr geworden“, hat Kahrs beobachtet.

Aufgrund der erhöhten Anzahl hat das Taxiunternehmen vormittags fünf bis sieben Autos im Einsatz – nachmittags reduziert sich die Anzahl hingegen. „Die Nachtschichtfahrer sind in Kurzarbeit“, erklärt sie. Hinsichtlich der Maskenpflicht im Taxi ist der Chefin aufgefallen, dass die Fahrgäste dafür sensibilisiert sind. „Manchmal bitten auch die Fahrgäste den Fahrer, eine Maske aufzuziehen. Der Bitte kommen die Fahrer dann nach“, erzählt Karin Kahrs und ergänzt, dass die Fahrer bisher nicht verpflichtet sind, während der Fahrt eine zu tragen. Bei der Maskenpflicht handele es sich lediglich um eine Empfehlung, erläutert ihr Mann Hartmut Kahrs.

Hinsichtlich der nächtlichen Beförderungspflicht sind die Taxiunternehmen bisher auf keinen Konsens mit dem Landkreis Verden gekommen. „Wir müssten beantragen, davon befreit zu werden, und dies mit aktuellen Zahlen belegen“, erklärt Karin Kahrs. Es sei lange diskutiert worden, weil es aus Sicht der Taxiunternehmen keinen Sinn mache, die Beförderungspflicht nachts aufrechtzuerhalten. Manche Nächte habe ihr Unternehmen nicht einen einzigen Gast. Aus diesem Grund kooperiert Taxi Kahrs beispielsweise mit dem Verdener Taxiunternehmen Köhler. „Wir haben uns zusammengetan und wechseln uns bei den Nachtfahrten ab“, erzählt Kahrs weiter, „zudem sind unsere Angestellten auch bereit, Bereitschaftsdienst zu leisten“.

In den vergangenen Wochen habe das Unternehmen nach neuen Lösungen gesucht, die allerdings jede Woche aufgrund der neuen Verordnungen überarbeitet werden müssten. Auch die Soforthilfe habe man damals direkt in Anspruch genommen und einmalig 15 000 Euro erhalten. „Diese decken die monatlichen Kosten aber nicht“, betont Karin Kahrs.

Ihre Aussagen teilt auch Olaf Köhler, Geschäftsführer des gleichnamigen Taxiunternehmens: „In der Nachtschicht ist nicht mehr wirklich etwas zu tun“, sagt er. Dementsprechend sei am Wochenende mittlerweile nur ein Fahrzeug im Einsatz. In der Woche seien hingegen tagsüber mehrere Autos auf den Straßen des Landkreises unterwegs.

„Wir haben einige Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt“, erzählt Köhler, der in dritter Generation das Verdener Taxiunternehmen führt. Seine Fahrer hätten bislang keine Maskenverweigerer erlebt. „Die meisten Fahrgäste halten sich vorbildlich daran. In den Fahrzeugen sind auch Trennscheiben vorhanden und Fahrgast und Fahrer tragen Maske." Der Beifahrersitz bleibe jedoch stets leer.

„Die Soforthilfe konnten wir gar nicht in Anspruch nehmen, weil über 50 Prozent der Gesamtkosten Lohnkosten sind„, erklärt Köhler, der insgesamt 80 Angestellte hat. Für viele Taxiunternehmen sei dies somit nicht das richtige Hilfsprogramm. Dagegen hat Köhler positive Erfahrungen beim Beantragen des Kurzarbeitergeldes gemacht: „Die Anträge wurden schnell bearbeitet.“ Für Silvester werde sein Taxiunternehmen vorsorglich jedoch keine vorherigen Reservierungen annehmen.

Auch die Unternehmen im Verdener Nordkreis, wie beispielsweise in Achim, spüren die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich. "Gebessert hat sich die Situation nicht. Es ist eher schlechter geworden, weil die Wochenenden wegfallen“, erzählt Petra Schierloh vom gleichnamigen Taxiunternehmen aus Achim. Während in der Woche alles gut laufe, sei es am Wochenende jedoch das komplette Gegenteil. In der Woche verzeichnet das Taxiunternehmen, das insgesamt 16 Angestellte hat, wie die Verdener Kollegen vermehrt Krankenfahrten.

„Wir hatten schon Kurzarbeit, aber im Moment geht es noch“, sagt Schierloh weiter, „derzeit sind elf Fahrzeuge tagsüber unterwegs“. Gegen Abend werde es dann ruhiger. Um der Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken, hat das Unternehmen die Taxi-Flotte mit Plexiglasscheiben zwischen Vorder-und Rücksitz ausgestattet, um Fahrer und Fahrgast zu schützen. „Die haben wir sofort besorgt“, betont Schierloh.

Auch ihre Kunden verhielten sich vorbildlich. „Unsere Fahrgäste halten sich 100 Prozent an die Richtlinien – bisher gab es keine Probleme“, erklärt Schierloh. Alles laufe reibungslos. Dazu gehöre auch das eigenständige Desinfizieren der Sitze durch die jeweiligen Fahrer. Dagegen ließen die Fördergelder des Bundes zunächst auf sich warten. „Vier Monate hat es gedauert, bis der Antrag bearbeitet wurde“, ärgert sich die Achimerin.

Diese Erfahrung hat auch Nicole Hoppe, Inhaberin des Aller-Weser-Taxis aus Achim, gemacht: „Wir konnten die Soforthilfe in Anspruch nehmen, das hat aber gedauert.„ Die anfallenden Kosten seien mit Rücklagen des Unternehmens gedeckelt worden, sodass sich derzeit keiner der 25 Angestellten des Unternehmens in Kurzarbeit befinde. Wie bei den anderen Taxiunternehmen auch, bilden tagsüber Kranken- und Schülerfahrten das Tagesgeschäft. Hoppe: „Als der erste Lockdown war, war so gut wie nichts. Danach lief es. Jedoch bemerkt man jetzt, dass nachts immer mehr Menschen zu Hause bleiben.“ Während vor Corona am Wochenende fünf bis sechs Autos unterwegs waren, um die Kneipengänger nach Hause zu bringen, sind derzeit maximal zwei Fahrer im Einsatz. Übrigens kein Problem, wenn die Fahrgäste einmal ihre Maske vergessen – für diesen Fall hält Hoppe im Taxi welche bereit.

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