Geschäfte seit Dienstag zu „Es geht um unsere Existenz“

Seit Dienstag sind die Tore von Einzelhandelsgeschäften, die nicht der Grundversorgung dienen, geschlossen. Die Regelung sorgt für Betroffenheit unter den Beschäftigten.
18.03.2020, 12:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Antonia Blome

Bund und Länder gehen anhand neuer Vorschriften gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus vor. Supermärkte und Geschäfte, die für die Grundversorgung notwendig sind, bleiben geöffnet. Andere Einzelhandelsgeschäfte sind dagegen seit diesem Dienstag vorerst geschlossen. Für die betroffenen Berufstätigen im Landkreis Verden scheint die neue Regelung vor allem eines zu bedeuten: einen Ausnahmezustand.

Bücherfreunde können aufatmen, denn zum Angebot der Bücherkiste in Riede gehört laut Inhaberin Katrin Göstemeyer auch weiterhin ein Bestell-, Abhol- und Lieferservice. Die Buchhandlung beschäftige ausschließlich Teilzeitkräfte, die noch immer arbeiten und Bücher ausgeben würden. Viele Kunden hätten vor der neuen Sperre Bücher bestellt und würden das Geschäft nun nicht betreten dürfen. Daher können Kunden ihre Bücher ab jetzt vor der Buchhandlung abholen. Vor dem Geschäft können Bestellungen auf Zetteln hinterlassen werden.

Aufruf zur Unterstützung

Sobald die im Vorfeld bestellten Bücher abgeholt worden sind, rechnen die Mitarbeiter der Buchhandlung laut Katrin Göstemeyer mit einem Einbruch des Umsatzes. Um dem entgegenzuwirken, weist die Geschäftsführerin die Kunden auf den Online-Bestelldienst der Buchhandlung hin. Dieser sei mittlerweile auch versandkostenfrei. „Für Menschen wie uns geht es zurzeit um die Existenz, deswegen rufe ich immer wieder dazu auf, örtliche Buchhandlungen zu unterstützen“, betont die Geschäftsführerin.

Zum vorerst letzten Mal stellte der Jeansladen Modetreff in Oyten seine Dienste am Dienstag zur Verfügung. „Wir haben noch Auswahlen ausgegeben und Änderungen vorgenommen“, teilt Inhaberin Brigitte Stelljes mit. Nun beschäftige sie und ihre Kolleginnen aber die Frage, wie es fortan weitergehe. Möglichkeiten wie Kurzarbeit stünden nun zur Diskussion. Ziel der Inhaberin sei dabei stets, ihre Mitarbeiterinnen weiter zu beschäftigen. Bisher habe die Coronakrise auf sie stets weit entfernt gewirkt. „Nun fühlen wir uns wie ins kalte Wasser geworfen“, erzählt Brigitte Stelljes. Diese ansonsten verkaufsstarke Saison werde nun durch die Zwangsschließung verschenkt.

Mitarbeiten bauen Überstunden ab

Ungewiss in die Zukunft blicken laut Rolf Böning auch die Mitarbeiter des Modehauses Böning in Langwedel. Das Ladengeschäft sei geschlossen, hinter den Kulissen würden die Arbeiten aber weitergehen. „Wir beschäftigen noch einige wenige Kollegen, die im Dienstleistungsbereich tätig sind“, erzählt der Geschäftsführer des Modehauses. Die Frage sei nun, ob der Zustand mehrere Wochen oder sogar noch länger anhalten werde. „Mitarbeiter, die wir nicht weiter beschäftigen können, nehmen vorerst Resturlaub oder bauen Überstunden ab“, berichtet er.

Michaela Strube, Pressesprecherin für Dodenhof, beschreibt die dortige Lage: Seit Montag würden in Posthausen die Arbeiten auf Hochtouren laufen. Geöffnet bleiben weiterhin die Genießerwelt, Apotheken, Post und die Gastronomie der Genießerwelt. Dass die restlichen Geschäfte geschlossen werden würden, das hätte die Belegschaft stark vermutet. „Als es hieß, die Regelung gelte schon um am frühen Morgen des nächsten Tages, waren wir aber alle überrascht“, teilt Michaela Strube mit.

Individuelle Lösungen

Von den Verwaltungsmitarbeitern seien nun viele im Homeoffice beschäftigt. Einige Mitarbeiter würden derzeit im Supermarkt aushelfen. Andere seien wiederum dazu aufgerufen worden, ihre Überstunden abzubauen. Das komme vor allem Eltern mit jungen Kindern gelegen. „Die Lösungen sind sehr individuell und auf unsere Mitarbeiter angepasst“, teilt Michaela Strube mit.

Iris Söllner leitet das Modegeschäft Iris in Thedinghausen. „Wir wissen noch nicht, wie es weitergeht, wir befinden uns im Ausnahmezustand“, sagt sie. Zurzeit seien die Mitarbeiter damit beschäftigt, das Geschäft von außen für den Frühling zu dekorieren. „Wir versuchen, uns über die nächsten Wochen zu beschäftigen und sind auch weiterhin per Telefon für unsere Kunden erreichbar“, erzählt sie. Die neue Regelung für den Einzelhandel sei für Iris Söllner ausbaufähig: In kleinen Geschäften könne man die Ansteckungsgefahr anders als in Einkaufszentren auch anhand strikter Sicherheitsvorschriften statt einer Schließung minimieren.

+++Der Text wurde um 12.45 Uhr aktualisiert+++

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