Schulpraktika im Kreis Verden

Die Krux mit den Praktika

Die Schulen im Landkreis Verden rechnen wegen der zum Teil bereits im Oktober anstehenden Schülerpraktika in den Betrieben mit corona-bedingten Absagen von Firmen oder haben sie schon erhalten.
13.09.2020, 14:38
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Philipp Zehl
Die Krux mit den Praktika

Wegen der Corona-Pandemie und der mit ihr einhergehenden Beschränkungen winken Firmen im Kreis Verden bereits ab, wenn es um die nun anstehenden Schulpraktika geht. Andere Betriebe wiederum gehen gelassen mit der Situation um. Dennoch legen sich die Schulen bereits Alternativen zurecht.

Christoph Schmidt/DPA

Das Ziel jeder Schule ist es, die Schüler während der schulischen Laufbahn optimal auf den späteren Bildungsweg vorzubereiten. Aus diesem Grund sind Schulpraktika ein wichtiger Bestandteil der schulischen Ausbildung. Mit ihnen können die Jugendlichen erste und gleichzeitig wichtige Einblicke in die spätere Arbeitswelt gewinnen. Während in den vergangenen Jahren die Suche für die Schulpraktika, die zum Teil bereits im Oktober anstehen, nahezu reibungslos verlief, stellt die Corona-Pandemie sowohl die Lehrkräfte und ihre Zöglinge als auch die Unternehmen in diesem Jahr vor Probleme.

Vor zwei Wochen tagte der Bildungsverbund Schule-Beruf des Landkreises Verden, wo auch das Thema Praktikumsplätze der Schüler zur Sprache kam, erzählte Christian Piechot, Schulleiter des Verdener Campus. Dabei seien die Alternativen diskutiert worden, die man den Mädchen und Jungen anbieten könne. „Normalerweise sind die Praktikumswochen einmal im Herbst und einmal im Frühjahr, sodass sich nichts überschneidet. Aufgrund der aktuellen Lage haben wir das angesetzte Praktikum im Herbst ebenfalls ins Frühjahr verschoben“, erzählt Piechot. Dies habe zur Folge, das im Frühjahr enormer Bedarf an Plätzen bestehen werde. „Eng wird es auf jeden Fall“, erklärt Piechot, da man nicht abschätzen kann, ob alle Betriebe aufgrund der Corona-Pandemie Schülerpraktikanten aufnehmen.

„Die Betriebe im Landkreis sind allesamt sehr aufgeschlossen. Bislang hat sich kein Betrieb quergestellt“, lobt Piechot die Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Unternehmen. Die Schüler des Verdener Campus sind in den vergangenen Jahren sowohl in Handwerksbetrieben als auch in großen Firmen im Kreis, etwa bei Mars, untergekommen.

Vermehrt Probleme

„Wir haben unterschiedliche Arten von Praktika“, erzählt Norbert Mäteling, stellvertretender Schulleiter der Berufsbildenden Schulen in Verden (BBS). Dies ist auf die verschiedenen Schulformen zurückzuführen, die in den BBS vorkommen. „Zum Beispiel besteht das gesamte Schuljahr der Fachoberschule Klasse 11 aus drei Praxis- sowie zwei Unterrichtstagen“, erklärte Mäteling. Dabei treten jedoch aufgrund der momentanen Lage vermehrt Probleme auf, Praktika zu finden. Auch bei der Fachoberschule Gestaltung der BBS sei es zunehmend schwieriger, Praktikanten unterzubekommen. „Bei den Friseuren heißt das, wenn ein Praktikant im Raum ist, kann sich ein Kunde weniger im Salon aufhalten“, nannte Mäteling ein Beispiel.

Die Praktikumsfindung der Schüler im Norden des Landkreises Verden wird durch die Corona-Pandemie stark beeinflusst, sodass die Schulen alternative Möglichkeiten bieten. „Verlegen können wir den Zeitraum unseres Praktikums nicht, da dieser mit anderen Schulen abgesprochen ist und wir auch Rücksicht auf die Betriebe nehmen müssen“, erklärte Stefan Krolle, Schulleiter des Cato-Bontjes-van-Beek-Gymnasiums (Cato) in Achim. Rund ein Drittel des elften Jahrgangs habe momentan einen Praktikumsplatz vorzuweisen. „Das Praktikum findet in den zwei Wochen nach den Herbstferien statt. Bei besonderen Berufsfeldern gewähren wir den Schülern auch Praktikumszeiten außerhalb der vorgesehenen zwei Wochen“, verriet Krolle.

Die Schüler, die keine Praktikumsstelle haben, werden im Rahmen der Berufsorientierung in der Schule versorgt. Dabei werden neben verschiedenen Berufen auch Studiengänge von Ex-Schülern des Cato vorgestellt. „Beispielsweise studiert ein ehemaliger Schüler Wasserwirtschaft. Dieser Studiengang wird den meisten Leuten heutzutage nichts sagen, aber das Themenfeld gewinnt immer mehr an Bedeutung“, erzählte Krolle. Das Cato versuche auch Praktikumsplätze innerhalb der Ferien zur Verfügung zu stellen, die die Schüler in Absprache mit ihren Eltern antreten können. So haben Schüler schon in der Pathologie oder in der Verfahrenstechnik einen Platz ergattern können. Mit Problemen rechnet auch die Gudewill-Schule in Thedinghausen. „Die ersten Anfragen und Absagen bezüglich Praktikumsplätze gibt es bereits“, erzählt Andreas Haulick von der Oberschule. Durch Corona seien viele Betriebe und Einrichtungen vorsichtiger geworden. Beispielsweise sei es derzeit nicht mehr möglich, Praktikanten in Arztpraxen oder in Krankenhäusern unterzubringen.

„Es ist schwieriger als in den vergangenen Jahren“, erklärt Haulick. Und: „Momentan ist es untersagt, Praktika bis zu den Herbstferien durchzuführen.“ Die Schüler der Gudewill-Schule haben bis November Zeit, sich einen Platz zu suchen. Danach wird Bilanz gezogen, wie viele Jugendliche eine Praktikumsstelle gefunden haben. „Solange es geht, versuchen wir, alles anzubieten. Alternativ ist in Planung, dass wir Vertreter aus Firmen in unsere Schule einladen“, informierte Haulick.

Firmen kommen in die Schule

Und wie reagieren die Firmen? „Wir haben unsere Kapazitäten etwas verkleinert. Dennoch können sich die Schüler weiter auf einen Praktikumsplatz bewerben“, erzählte Vanessa Beste von Desma in Achim. Passend zu den angebotenen Ausbildungsberufen, wie Elektroniker, Mechatroniker sowie Industriemechaniker, können die Schüler ein Praktikum im Betrieb absolvieren und in das Arbeitsleben reinschnuppern. „Es geht langsam los. Die ersten Bewerbungen kommen rein.“

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+