Online-Firmenbefragung im Kreis Verden

Verlierer, aber auch Profiteure

Mehr als 60 Prozent von knapp 300 Unternehmen im Kreis Verden beklagen einen Umsatzrückgang wegen der Corona-Pandemie, aber jeder zehnte Betrieb konnte seine Umsätze sogar steigern.
13.11.2020, 15:21
Lesedauer: 2 Min
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Verlierer, aber auch Profiteure
Von Kai Purschke
Verlierer, aber auch Profiteure

Mehr als die Hälfte von knapp 300 befragten Unternehmen im Landkreis Verden beklagt einen Umsatzrückgang wegen der Corona-Pandemie (Symbolbild).

Björn Hake

Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Unternehmen im Landkreis Verden aus erster Hand zu erfahren, hat die Wirtschaftsförderung die Betriebe online befragt. Dazu hat sie im September rund 1200 Unternehmen angemailt, knapp 300 Fragebögen kamen zurück. Nun wurden die Ergebnisse in einer Videokonferenz vorgestellt, an der unter anderem Vertreter der Kreishandwerkerschaft, der IHK, des Unternehmensverbands Rotenburg-Verden und der Agentur für Arbeit teilgenommen haben.

Wie Landrat Peter Bohlmann in seiner Begrüßung überraschend ausführte, „ist die Steuerkraft des letzten Quartals 2019 im Vergleich mit den ersten drei Quartalen dieses Jahres um ein Prozent gestiegen – ohne Corona-Hilfen“. Das sei eine „sehr positive Richtung“, hielt er fest. Aber auch, wenn in mehreren Monaten die Pandemie medizinisch ausgestanden sein sollte, müsse man sich auf eine wirtschaftliche Krise einstellen.

Ute Schwetje-Arndt, die zusammen mit Tina Thierbach die Befragung für die Wirtschaftsförderung ausgewertet hatte, präsentierte das Zahlenmaterial. Die Firmen, die das geliefert haben, umfassen Soloselbstständigen ebenso wie Betriebe mit mehr als 250 Angestellten aus allen Branchen. Wobei von den 287 Firmen allein 78 dem Handwerk angehören. Ante Brekenfeld, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser resümierte: „Das Handwerk könnte insgesamt mit einem leichten blauen Auge durch die Krise kommen“. Wenngleich es branchenabhängig negative Ausschläge gibt – als Beispiele nannte er die Friseure, die während des ersten Lockdowns nicht arbeiten durften und auch jetzt nur bei engeren Platzverhältnissen im Schichtbetrieb arbeiten und nicht jeden Stuhl besetzen können. Die Fleischer hätten im Cateringbereich enorme Verluste gehabt und auch die Kfz-Branche zählt er zu den Verlierern. „Durch das viele Homeoffice, kamen keine Kilometer mehr zustande“, erzählte Brekenfeld. Die Leute hätten ihre Autos also nicht mehr reparieren oder gar ersetzen müssen.

Dass sich ihre Geschäftslage durch Corona verschlechtert hat, gaben 92 Prozent der Betriebe im Gastgewerbe zu Protokoll und annähernd genauso viele waren es im Bereich Kunst und Kultur – beim Handel und beim Handwerk immerhin jede zweite Firma. In den meisten Wirtschaftszweigen gab es aber auch vereinzelt Unternehmen, die profitiert haben, im Industriebereich jedes zehnte. 64 Prozent aller Betriebe beklagen einen Umsatzrückgang, darunter sieben Firmen, die mehr als 75 Prozent ihres Umsatzes eingebüßt haben. Generell jedes zehnte Unternehmen konnte seinen Umsatz steigern.

Rückgang der Nachfrage, erhöhter Arbeits- und Kostenaufwand, eingeschränkte Öffnung, Logistikengpässe und Personalausfall wegen Kinderbetreuung hatten je nach Branche große Auswirkungen auf die Firmen. Von denen mussten 20 Personal abbauen und 15 sind von einer Insolvenz bedroht, aber 36 meldeten einen Auftragsanstieg und elf Firmen haben Personal eingestellt. Der Krise begegneten die Betriebe mit Abbau von Überstunden und Resturlaub, Homeoffice und Aufgabenumorganisation. Während 99 Firmen keine Beratungs- und Unterstützungsleistungen in Anspruch nahmen, bekamen 89 Betriebe Kurzarbeitergeld, 76 Firmen Corona-Zuschüsse von Bund und Land.

André Deimer von der Agentur für Arbeit ging auf die Situation der Jugend ein. Seinen Worten nach gibt es im Vergleich zum Vorjahr derzeit sogar 47 Jugendliche weniger, die unversorgt sind – an Azubi-Stellen gibt es 2,6 Prozent und im Einzelhandel 15 Prozent mehr Stellen. „In der Gastronomie ist das Stellenangebot fast gleichbleibend“. Jedoch gibt es bei den Gebäudereinigern und Autohäusern „einen erheblichen Rückgang“ an Plätzen für Auszubildende.

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