Reisbüros in Corona-Zeiten

Autourlaub liegt im Trend

Obwohl das Verreisen wieder möglich ist, leiden Reisebüros im Landkreis Verden nach wie vor unter der Corona-Krise. Bei den wenigen Kunden sind aber vor allem Eigenanreisen zur Ost- und Nordsee beliebt.
09.08.2020, 17:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Antonia Blome
Autourlaub liegt im Trend

Keine leichte Zeit für Reisebüros: Kerstin Senol vom Reisebüro Oyter Reisewelt kann trotz Stornierungswelle noch lächeln.

Björn Hake

Mit den Temperaturen steigt in diesem Sommer bei vielen Reiselustigen auch das Fernweh. Nachdem die Reisewarnung nicht über den Juni hinaus verlängert wurde, ist es wieder möglich, unter Einschränkungen Urlaub zu machen. Doch trotz dieser Option sehen sich viele Reisebüros im Landkreis Verden wegen der Corona-Krise noch immer vor eine Belastungsprobe gestellt. „Bei uns läuft es wie fast überall, wir haben hauptsächlich Stornierungen und kaum Einnahmen“, erzählt zum Beispiel Kerstin Senol, die das Reisebüro Oyter Reisewelt gemeinsam mit ihrem Ehemann Hüseyin Senol führt.

Dem stimmt Rieke Kühl vom Reisebüro Kühl in Langwedel zu: „Die Situation ist durchwachsen, es ist noch lange nicht wie vor der Corona-Krise, und die Arbeit ist nicht kostendeckend.“ Von den Buchungen seien in diesem Sommer etwa 70 Prozent im Vergleich zu der Zeit vor der Corona-Krise weggefallen. „Es wird wahrscheinlich noch viele Insolvenzen geben und einige Reisebüros werden ihre Tätigkeit nicht wieder aufnehmen können“, wirft Kühl einen Blick in die Zukunft.

Frank Schmätjen, Inhaber des Reisebüros Menke in Achim, sieht die Situation ebenfalls realistisch. „Selbst, wenn wir einen Impfstoff haben, muss dieser erst verteilt werden und ich rechne daher frühestens im Jahr 2022 mit einem normalen Betrieb in der Reisebranche“, prognostiziert er. Sobald es den Impfstoff gebe, sei aber sicherlich mit einem großen Ansturm auf die beliebten Hotels zu rechnen. Einige Menschen haben laut Kerstin Senol bereits jetzt kurzfristig eine Autoreise zur Ost- oder Nordsee gebucht. Die Alpen seien derzeit ebenfalls besonders beliebt.

Dass Eigenanreisen derzeit im Trend liegen, bestätigt auch Rieke Kühl. „Allerdings sind dadurch auch viele Orte überfüllt und deutsche Regionen mussten schon gesperrt werden“, warnt die Reiseberaterin vor einem Urlaub mit dem Auto. „Ich bin zurzeit ein großer Fan von dem Ausland, denn dort hat man seine Ruhe und kann ungestört Urlaub machen.“ Empfehlenswert sei vor allem eine Reise nach Portugal. Beliebt sei außerdem Griechenland, da dort nur wenige Corona-Fälle bekannt sind. „Viele haben allerdings auch Angst davor, nach ihrem Urlaub 14 Tage in Quarantäne zu müssen, obwohl diese Regelung nur bei Risikogebieten gilt“, ruft Senol in Erinnerung. Ihre Kunden, die unterwegs seien, hätten sich allerdings zufrieden über ihre Reise gezeigt und alles laufe reibungslos ab. „Für nächstes Jahr buchen die Menschen noch keine Urlaube, sondern warten erst einmal ab“, erzählt sie außerdem. Viele Stammhotels der Reisenden hätten zudem noch gar nicht geöffnet. Die Preise für Urlaub würden derweil konstant bleiben, da in den Zielgebieten ebenfalls keine Einnahmen kommen würden. Geheimtipps hat die Reiseberaterin auch auf Lager: „Für alle, die nicht fliegen wollen, ist die polnische Ostseeküste eine gute Idee.“ Alle anderen könne es zum Beispiel auf die griechische Insel Rhodos verschlagen.

Begeben sich Menschen mit Fernweh zu Zeiten der Corona-Krise eigentlich vermehrt ins Internet, um Reisen zu buchen? „Tatsächlich wollen viele eher weg vom Online-Buchen und legen in dieser unsicheren Zeit viel Wert auf einen persönlichen Gesprächspartner und guten Service“, klärt Kühl über die Präferenzen vieler Reiselustiger auf. Bisher seien ihre Kunden in ganz Europa unterwegs und sehr zufrieden gewesen. Insgesamt könne man trotz der Corona-Krise wieder sehr gut verreisen, wenn auch unter neuen Bedingungen. „Im Urlaub geht es den meisten darum, sich zu erholen und das kann auch mit einem Mund-Nasen-Schutz funktionieren“, findet sie. Kunden, die im nächsten Jahr verreisen wollen, sollten nach Angaben der Reiseberaterin in jedem Fall frühzeitig buchen, um erhöhten Preisen zu entgehen.

Laut Frank Schmätjen machen sich viele in diesem Sommer auch einfach den Garten schön und verbringen die Urlaubszeit zu Hause. „Die Menschen versuchen derzeit, das Beste aus der Situation zu machen“, erzählt er. Reiseveranstalter seien derweil sehr kulant und würden ihren Kunden kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten und viel Unterstützung bieten. „Wir haben die Corona-Krise in Deutschland relativ gut im Griff und man kann unter Einhaltung der Hygienevorschriften durchaus wieder Urlaub machen“, findet auch er. Die Reiserückkehrer seien derzeit natürlich ein großes Thema, doch bis jetzt habe sein Team nur verantwortungsbewusste Kunden kennengelernt und es sei im Reisebüro noch kein Corona-Fall bekannt geworden. „Es ist allerdings begrüßenswert, wenn sich Reiserückkehrer testen lassen können“, sagt Schmätjen. „Zusammen mit der Einhaltung der Hygienevorschriften handelt es sich dabei um einen Baustein, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.“

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