Schulentlassungen

Abschlussfeiern mal anders

Nach Home-Schooling und Prüfungen auf Abstand können sich Schüler nun über ihren Abschluss freuen. Gefeiert wurden die Entlassungen im Landkreis Verden auf die unterschiedlichsten Arten.
03.07.2020, 16:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Antonia Blome
Abschlussfeiern mal anders

Ghali Mhanna (rechts) von der Liesel-Anspacher-Schule erhält im Rahmen eines Autokorsos sein Zeugnis.

Björn Hake

Endlich auf der Zielgeraden angelangt: Viele Jugendliche im Landkreis Verden beenden in diesem Jahr ihre Schullaufbahn. Doch während man beim Abschluss normalerweise an Mädchen in langen Abendkleidern und Jungen in Anzügen, Gruppenfotos und eine gemeinsame Feier denkt, müssen sich die Schulabgänger in diesem Jahr mit einer ganz neuen Situation zurechtfinden. Aber obwohl die Corona-Pandemie keine herkömmlichen Abschlussfeiern zulässt, tun Schulen im Kreisgebiet ihr Bestes, um die Jugendlichen feierlich zu verabschieden.

An der Integrierten Gesamtschule (IGS) Oyten etwa wurde an diesem Donnerstag eine den Richtlinien entsprechende Abschlussfeier ausgerichtet. „Wir teilten die insgesamt etwa 140 Schulabgänger und veranstalteten zwei Feiern auf dem Außengelände der Schule“, erzählt Schulleiterin Maria Schmidt. Die Abschlussprüfungen der Jugendlichen seien gut abgelaufen, allerdings sei viel mehr Platz als normalerweise genutzt worden. Allein für die Deutschprüfungen hätten die Prüflinge 20 Räume belegt. „Schüler, die der Risikogruppe angehören, haben einzeln in einem Raum ihre Prüfungen geschrieben.“

In den vergangenen Monaten hätten alle Beteiligten vorbildlich an einem Strang gezogen. „Für viele Kollegen war es ein ganz schöner Spagat zwischen der Betreuung der eigenen Kinder, dem Homeoffice sowie dem persönlichen Unterricht“, verrät die Schulleiterin. Insgesamt habe man in diesem Jahr aber gemerkt, wie solidarisch die Kollegen und wie verständnisvoll die Eltern der Schüler seien. Doch auch der Nachwuchs selbst habe sich bemüht und fleißig am Home-Schooling teilgenommen. Nach den Sommerferien strebe das Land Niedersachsen wieder Normalbetrieb an. Für das Kollegium der IGS Oyten bedeuten die Ferien jedoch keineswegs eine Pause: Da im neuen Schuljahr zum ersten Mal Schüler der 13. Klasse die Einrichtung besuchen, seien die Lehrer nun mit Anpassungen und Vorbereitungen beschäftigt.

Christian Piechot, Leiter der Verdener Campus-Schule, erzählt: „Wir sind im Landkreis die Schule mit den meisten Abschlussschülern und das schlägt sich nieder.“ Der Abschluss der rund 250 Abgänger wurde nicht in Schichten, sondern im Rahmen einer großen Veranstaltung gefeiert. Veranstaltungsort war die Verdener Aller-Weser-Halle, in der sich laut Piechot bis zu Tausend Menschen versammeln können. „Es nahmen leider nicht alle Schüler teil, da sie oder Verwandte der Risikogruppe angehören“, bedauert er. Damit auch die Eltern der Jugendlichen an dem Ereignis teilhaben konnten, wurde die Feier per Livestream im Internet übertragen.

„Trotzdem ist die Situation traurig und es tut mir unheimlich leid für die Schüler, dass sie diesen wichtigen Moment in ihrem Leben nicht normal feiern können“, spricht Piechot sein Mitgefühl aus. Positive Seiten habe die Corona-Krise für das Team der Verdener Campus-Schule allerdings auch gehabt. „Wir setzen ohnehin stark darauf, dass die Schüler selbstorganisiert arbeiten und die vergangenen Monate haben uns darin noch bestärkt.“ Es sei außerdem deutlich geworden, dass der Job der Lehrer darin bestehe, den Kindern etwas beizubringen. „Diesen Kerngedanken sollte man im Kopf behalten und merken, dass Lernen auf vielen unterschiedlichen Wegen möglich ist.“

Das Kollegium der Liesel-Anspacher-Schule in Achim hat sich derweil für die Zeugnisübergabe etwas ganz Besonderes ausgedacht. „Der Erlass, dass Entlassungsfeiern stattfinden können, kam erst vor einer Woche und wir konnten so schnell keine feierliche Veranstaltung organisieren“, erzählt die kommissarische Konrektorin Tineke Prigge. Durch die sozialen Medien seien die Lehrkräfte schließlich auf sogenannte „Corona-Drive-Bys“ aufmerksam geworden.

Nach diesem Vorbild fuhren die Mitarbeiter diesen Freitag im Rahmen eines Autokorsos zu den Schülern und händigten ihnen ihre Zeugnisse aus. „Wir hatten erst überlegt, zu jedem nach Hause zu fahren, aber jetzt versammelten sich die Schüler in kleinen Gruppen an verschiedenen Orten“, schildert Prigge. „Wir konnten die Entlassung der Jugendlichen zwar nicht feierlich machen, aber wenigstens besonders sollte sie sein.“

An der Oberschule am Goldbach in Langwedel fanden an einem Tag drei Veranstaltungsfeiern statt. „Musik ist kaum erlaubt, dabei sind unsere Abschlussfeiern sonst immer sehr musikalisch“, sagt Schulleiter Rolf Bartels. Trotzdem kam es zu kurzen Ansprachen von ihm, dem Bürgermeister sowie den Klassenlehrkräften. Die Schüler durften außerdem zwei Personen mitnehmen. Die vergangenen Monate seien für alle Beteiligten eher durchwachsen gewesen. Die Schere zwischen den Jugendlichen habe sich während der Corona-Krise insbesondere beim Home-Schooling deutlich gezeigt.

„Vor allem Schüler, die eher bildungsfern sind, haben nicht so sehr auf das Home-Schooling geachtet und teilweise nichts gemacht“, erzählt Bartels. In den vergangenen Monaten habe die Schule zwar viel digitale Kompetenz erlangt, doch es seien auch Dinge verloren gegangen. „Die Normalität der Begegnung und der sozialen Interaktion ist nicht mehr da und viele Schüler hatten erst einmal Probleme, als es wieder in den persönlichen Unterricht ging.“ Nun geht es für das Kollegium allerdings an eine ganz andere Herausforderung: In den Ferien zieht die Oberschule hoffentlich endlich in ihr neues Gebäude.

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