Feuerwehrhäuser geschlossen

Das Risiko minimieren

Die Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Verden treffen genauso wie die Polizei Vorkehrungen, um auch während der Corona-Pandemie die Einsatzbereitschaft weiter sicherstellen zu können.
16.03.2020, 15:59
Lesedauer: 3 Min
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Das Risiko minimieren
Von Elina Hoepken
Das Risiko minimieren

Die Feuerwehrhäuser sind derzeit geschlossen und werden nur im Falle eines Einsatzes geöffnet.

Björn Hake

Arbeitsdienste, Ausbildungsveranstaltungen, Dienstversammlungen, Übungen: Der Alltag bei der Freiwilligen Feuerwehr beinhaltet mehr als nur den Einsatz im Ernstfall. Doch genau dieser Alltag muss in Zeiten der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus hinterfragt werden. Das haben die Feuerwehren im Landkreis Verden nun getan und sich zu einem weitreichenden Schritt entschlossen. Bereits am vergangenen Freitag hatte Andreas Brandt, Bürgermeister des Flecken Langwedel, mitgeteilt, dass alle Veranstaltungen der örtlichen Feuerwehren für die nächsten Wochen abgesagt werden.

Und auch bei der Achimer Feuerwehr hat man sich nun zu diesem Schritt entschieden. Das Stadtkommando der Feuerwehr Achim habe alle Dienste bis zum 3. April abgesagt, bestätigt Stadtbrandmeister Frank Boblat auf Nachfrage. Der Einsatzbetrieb sei von dieser Regelung selbstverständlich nicht betroffen und die Sicherheit der Bürger weiterhin gewährleistet. Über diese Regelung habe es eine Abstimmung auf Landkreisebene gegeben. „Das Wichtigste ist für uns, dass wir die Einsatzbereitschaft aufrecht erhalten können“, erklärt Boblat den Schritt. Ab sofort sollen also weder Versammlungen noch andere Dienstveranstaltungen stattfinden. Auch die regelmäßigen Übungen sind zunächst bis zum 3. April abgesagt worden. „Die Kameraden treffen nur noch im Einsatzfall aufeinander.“

Öffnung nur bei Einsätzen

Auch die Feuerwehrhäuser seien nur noch bei Einsätzen geöffnet. All das seien Präventionsmaßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern beziehungsweise zu verlangsamen. Schließlich könnte eine Infektion unter den Einsatzkräften weitreichende Folgen haben. „Nur ein bestätigter Verdachtsfall könnte eine ganze Feuerwehr lahmlegen“, sagt Boblat. Das beachte man zukünftig auch bei der Alarmierung der Kameraden. „Wir versuchen, so wenig Personal wie möglich in den Einsatz zu schicken, um eine Ansteckung untereinander zu minimieren.“ Außerdem werden die Einsatzkräfte bei der Alarmierung in zwei Gruppen aufgeteilt. Fest stehe aber, dass für den Fall, dass eine Wehr für einen Einsatz nicht ausreichend besetzt sein sollte, Unterstützung durch die angrenzenden Wehren sicher sei.

„Mittlerweile gibt es eine Reihe von Verhaltensregeln, Empfehlungen und Anweisungen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verzögern. Den Feuerwehren, als Teil der „kritischen Infrastruktur“ gilt dabei ein besonderes Augenmerk“, sagt auch Kreisbrandmeister Hans-Hermann Fehling. Städte und Gemeinden hätten – wie etwa Achim und Langwedel – bereits im eigenen Wirkungskreis Richtlinien für ihre Feuerwehren erlassen. Auch die Kreisausbildung, sowie Dienstbesprechungen, Veranstaltungen und Versammlungen an der Feuerwehrtechnischen Zentrale werden laut Fehling bis zum 19. April ausgesetzt. „Einheiten und Fachbereiche stellen bis auf Weiteres alle allgemeinen dienstlichen Übungen, Veranstaltungen und Versammlungen ein.“

Pläne werden entwickelt

Bei der Polizeiinspektion Verden/Osterholz verlässt man sich für den Ernstfall auch auf die Unterstützung von anderen Dienststellen oder aus anderen Dienstzweigen. „Aktuell besteht unsere Einsatzbereitschaft noch uneingeschränkt“, sagt Pressesprecherin Sarah Humbach. „Wir entwickeln im Hintergrund allerdings natürlich auch schon Pläne, wie sich die einzelnen Dienststellen unterstützen können.“ Auch wenn mehrere Mitarbeiter unter Quarantäne gestellt werden müssten, sei in der Verdener Polizeiinspektion ein geregelter Ablauf möglich.

Im Verdener Landgericht und dem Achimer Amtsgericht läuft der Betrieb derzeit noch weiter wie gewohnt. „Gerichtsverhandlungen und Termine finden nach Entscheidung der jeweils zuständigen Richter sowie Rechtspfleger statt. Ladungen zu Gerichtsverhandlungen und Terminen haben weiterhin Gültigkeit und sind zu befolgen, wenn die Betroffenen keine anderslautende Mitteilung vom Gericht erhalten“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Gerichte bitten Besucher jedoch mit Rücksicht auf die eigene Gesundheit und die der Mitmenschen zu prüfen, ob ein Anliegen außerhalb einer Verhandlung vor Ort vorgebracht werden soll, weil es dringend ist und keinen Aufschub duldet, oder ob es auch schriftlich eingereicht werden kann.

„Beim Landgericht Verden, dem Amtsgericht Verden und der Staatsanwaltschaft Verden bestehen nicht nur für außergewöhnliche Ausnahmefälle wie die Ausbreitung des Coronavirus weitreichende Zuständigkeits- und Vertretungsregelungen, die auch gegenwärtig gelten und eine geordnete Rechtsprechung und Rechtspflege gewährleisten“, heißt es in der Mitteilung. Es sei jedoch nicht ausgeschlossen, dass weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus notwendig werden.

Elf Infizierte im Kreisgebiet

Im Landkreis Verden sind nach neusten Meldungen derzeit elf Personen mit dem Coronaviurs infiziert (Stand Montagmorgen). Bei den drei neuen Fällen handelt es sich um eine Frau, die Kontakt zu einem Corona-Infizierten aus dem Landkreis hatte, einen Mann, der aus dem Urlaub in einem Skigebiet zurückgekehrt war, und eine weitere Frau, bei der die Infektionskette derzeit noch unklar ist. Alle drei Personen stammen aus dem Nordkreis und befinden sich nach Angaben des Landkreises in häuslicher Quarantäne.

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