Familienhebammen

Dem Instinkt vertrauen

Viel Unsicherheit ist bei unerfahrenen Müttern im Spiel. Nicht immer reicht der Rat von Verwandten. Hilfe finden Frauen im Landkreis Verden bei den Familienhebammen.
22.06.2018, 17:57
Lesedauer: 2 Min
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Von Marie Lührs
Dem Instinkt vertrauen

Die Familienhebammen im Landkreis Verden helfen jungen Familien, leichter in die Elternrolle hineinzufinden (von links): Elke Seemann, Dorothee Schlüter, Anke Siebert, Valentina Gross und Birgit Ditzfeld sowie Barbara Dedekind von der Koordinierungsstelle Netzwerk Frühe Hilfen.

Landkreis Verden

Seit fünf Jahren gibt es für Schwangere und unerfahrene Mütter im Landkreis Verden ein besonderes Angebot. Sie können kostenlos eine Familienhebamme zur Rate ziehen, die sie auf Wunsch bis zum ersten Geburtstag des Kindes unterstützt. Das Angebot kommt an, bilanziert der Landkreis nun. Die Betreuungszahlen steigen Jahr für Jahr.

Mit zwei Familienhebammen und zwei Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen, die aufbauend auf ihrem Ursprungsberuf eine zweijährige Zusatzausbildung absolvierten, ging es 2013 los. Die Aufgaben einer Familienhebamme unterscheiden sich deutlich von denen ihres normalen Pendants. „Die Familienhebammen helfen jungen Familien, leichter in die Elternrolle hineinzufinden. Sie geben ihnen Sicherheit im Umgang mit ihrem Kind und befähigen die Eltern dazu, die Signale des Kindes zu verstehen und entsprechend auf ihre Bedürfnisse reagieren zu können“, erklärt Barbara Dedekind von der Koordinierungsstelle Netzwerk Frühe Hilfen im Fachdienst Jugend und Familie des Landkreises. Bei der Geburt selbst sind die Familienhebammen nicht dabei, auch die Nachsorge der Mutter, fällt nicht in ihren Bereich. Der ist nämlich vornehmlich psychosozialer Natur, erläutert Dedekind. Die Bindung zwischen Eltern und Kind zu stärken sei eine der Aufgaben.

Minderjährige Mütter, Eltern von Frühchen, Frauen mit Wochenbettdepressionen oder jene, denen eine Mehrlingsgeburt bevorsteht, sind es typischerweise, die den Rat einer Familienhebamme dankend annehmen. Das Angebot stehe allerdings generell allen Frauen offen, versichert Dedekind. Ohne Antragsverfahren, niedrigschwellig und kostenlos sei die Hilfe, die die inzwischen fünf Mitarbeiterinnen im Landkreis leisten.

Viele Frauen seien im Umgang mit ihren Kindern unsicher – gerade, wenn es das erste ist, erklärt Dedekind. „Viele Frauen müssen erst lernen, auf ihr Bauchgefühl zu hören.“ Denn der Instinkt gebe eigentlich vieles vor. „In der Tierwelt funktioniert das auch.“ Gerade kurz nach der Geburt sei bei Menschen jedoch die Unsicherheit groß. Viele Mütter suchen dann im Internet nach Rat oder werden von anderen Frauen mit Vorschlägen überhäuft. Dagegen habe der natürliche Instinkt einer Mutter kaum eine Chance. „Es gibt einfach viele Leute, die jungen Müttern reinreden“, moniert Dedekind. „Wir wollen die Mütter stärken.“

Vom Bekanntwerden der Schwangerschaft bis zum ersten Geburtstag des Kindes stehen die Familienhebammen den Frauen zur Seite. „Bei minderjährigen Müttern ist auf Wunsch auch eine Betreuung bis zur Volljährigkeit möglich“, ergänzt Dedekind. Grundsätzlich kann sich jede Frau, die sich unsicher fühlt, an die Familienhebammen wenden.

Das Angebot ist Teil der Bundesinitiative der Frühen Hilfen und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell unterstützt. Seit 2017 ergänzt eine fünfte Fachkraft das Team, denn der Bedarf steigt stetig an. Waren es 2014 noch 59 Familien, die eine Betreuung in Anspruch nahmen, nutzen bereits drei Jahre später 92 Familien das Angebot. Aktuell werden etwa 55 Familien im Landkreis Verden von den Familienhebammen betreut. Die Familienhebamme begleitet die Familie in ihrem häuslichen Umfeld und bezieht dabei die Stärken der Familie und Möglichkeiten im Umfeld mit ein. „Unser Angebot wird gut angenommen. Es ist die wertschätzende und fürsorgliche Art der Familienhebammen, die den Familien in dieser Phase Kraft und Zuversicht geben“, berichtet Dedekind. Auch die Väter seien bei der Arbeit ein wichtiger Ansprechpartner. „Viele Männer rufen auch für ihre Frauen an. Wir haben immer beide im Blick.“

Eltern, die die Hilfe der Familienhebammen in Anspruch nehmen wollen, können sich unter 04231/15671 mit Barbara Dedekind vom Fachdienst Jugend und Familie in Verbindung setzen. Weitere Informationen gibt es außerdem unter www.landkreisverden.de/familienhebammen.

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