Daniel Bergmann will Lokomotivführer werden und ist als Auszubildender ein Exot Den Kindheitstraum erfüllt

Verden. Mit dieser Berufsbezeichnung wäre Jim Knopf wohl nie berühmt und ein Star in der Augsburger Puppenkiste geworden: Als Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport hätte er es wohl nie ins Kinderprogramm geschafft. „Jim Knopf, der Lokomotivführer“ klingt da nicht nur griffiger, sondern auch nach dem ersten Berufswunsch der meisten Jungen.
21.09.2016, 00:00
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Den Kindheitstraum erfüllt
Von Andreas Becker

Verden. Mit dieser Berufsbezeichnung wäre Jim Knopf wohl nie berühmt und ein Star in der Augsburger Puppenkiste geworden: Als Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport hätte er es wohl nie ins Kinderprogramm geschafft. „Jim Knopf, der Lokomotivführer“ klingt da nicht nur griffiger, sondern auch nach dem ersten Berufswunsch der meisten Jungen. So einen Wunsch hat auch der Verdener Daniel Bergmann gehabt, und im Gegensatz zu den meisten anderen hat der 19-Jährige ihn in die Tat umgesetzt.

Seit zwei Jahren absolviert Bergmann eine Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst – nein, zum Lokführer. Drei Jahre umfasst die Ausbildung insgesamt, eine Mischung aus Berufsschule, etlichen Lehrgängen zu bestimmten Themen sowie den praktischen Aspekten des Berufs. Der Verdener arbeitet bei der Verden-Walsroder Eisenbahn (VWE), die ausschließlich in der Region und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde unterwegs ist. Trotzdem wird Bergmann dazu ausgebildet, später die großen Loks zu fahren. „Das ist auch mein Ziel, den großen Führerschein zu machen“, sagt der Auszubildende, der gerade mit gutem Ergebnis die Qualifikation zum Rangierbegleiter abgelegt hat.

Mit der Suche nach jungen Leuten, die den Traum, Lokführer zu werden, wahr machen wollen, hatte die VWE vor drei Jahren begonnen. Eine Beteiligung an der Ausbildungsplatzbörse der Berufsbildenden Schulen sollte helfen. Mit überschaubarem Erfolg, wie der stellvertretende Geschäftsführer Henning Rohde sagt: „Die Resonanz war gering. Wir hatten keine einzige Bewerbung.“ Die Ursache führt er auf den großen Wandel in dem Beruf zurück. Heutzutage sei ein physikalisches und technisches Verständnis Voraussetzung, zudem gebe es eine Vielzahl von Bestimmungen und Verordnungen, die der Eisenbahner kennen müsse. So werden in der Ausbildung nicht nur die technischen Aspekte zum Bau von Fahrzeugen und Infrastruktur vermittelt, sondern auch Fragen des Betriebsverfahrens, der Zugsicherungssysteme und Sicherheit des Eisenbahnsystems, die Teil des europäischen Regelwerks sind. Außerdem gibt es Informationen zum Einkauf, zur Instandhaltung sowie zu rechtlichen Grundlagen. Denn Lokomotivführer können nicht einfach losfahren, sie sind für ihre Fahrzeuge zuständig und müssen vor dem Start eine umfassende Überprüfung der Technik und Sicherheit vornehmen.

„Junge Leute, die den Beruf ergreifen wollen, sind Exoten und werden von den Unternehmen gesucht“, erzählt Henning Rohde. Bei Daniel Bergmann hat es letztlich über ein Schulpraktikum bei der VWE funktioniert. „Da habe ich einen guten Überblick über viele Bereiche bekommen und konnte sogar auf einer großen Lok mitfahren“, erzählt der ehemalige Realschüler. Und Spaß gemacht hätten die zwei Wochen auch. „Das Ausbildungsverhältnis ist für beide Seiten ein Glücksfall“, sagt auch Henning Rohde. Er führt den umfassenden Wandel in dem Beruf und die zahlreichen Regelungen auf die Folgen der Bahnreform 1993 zurück. Vorher habe es zahlreiche Staatsbahnen in Europa gegeben, jede mit einer eigenen Betriebs-, Lok- und Signaltechnik. Nach der Marktöffnung habe es einen Wettbewerb auf der Schiene gegeben, aber auch umfassende Regelungen für einen Bahnbetrieb über die Landesgrenzen hinweg. „Das Anforderungsprofil an den Lokführer hat sich komplett gewandelt. Früher mussten sie an der Grenze absteigen“, erklärt Rohde.

Die große Fahrt, für Daniel Bergmann ist sie noch Zukunftsmusik. Als frisch geprüfter Rangierbegleiter koppelt er Wagen an, gibt Rangierzeichen und arbeitet zusammengefasst als „Erfüllungsgehilfe des Lokomotivführers“, wie es Henning Rohde beschreibt. Als nächste Lehrgänge stehen Grundlagen der Dieseltechnik auf dem Programm, dann die verschiedenen Führerscheine. Über eine Arbeitsstelle nach seiner Abschlussprüfung macht sich Bergmann keine Sorgen. „Lokführer werden immer gesucht.“

Mehr Infos über diesen und andere Berufe gibt es auf der Ausbildungsplatzbörse, die am Dienstag, 27. September, 16.30 Uhr, in den BBS eröffnet wird. Weitere Tage sind am 28. und 29. September, 8.30 bis 12.30 Uhr.

„Das Anforderungsprofil hat sich komplett gewandelt.“ Henning Rohde, VWE
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