Neuer Eigentümer will Räumlichkeiten für Privatfeiern anbieten / Betrieb im Schützenhof geht weiter Der 'Alte Krug' ist jetzt zu mieten

Verden-Walle. Als Gaststätte hat der 'Alte Krug' in Walle ausgedient, trotzdem soll dort wieder gefeiert werden können. Der neue Eigentümer Niels Duhn will den Saal, das Gastzimmer und eventuell auch das Kaminzimmer für private Feste vermieten. Ein paar hundert Meter weiter wird der 'Schützenhof' zunächst unverändert weitergeführt.
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Der 'Alte Krug' ist jetzt zu mieten
Von Anke Landwehr

Verden-Walle. Als Gaststätte hat der 'Alte Krug' in Walle ausgedient, trotzdem soll dort wieder gefeiert werden können. Der neue Eigentümer Niels Duhn will den Saal, das Gastzimmer und eventuell auch das Kaminzimmer für private Feste vermieten. Ein paar hundert Meter weiter wird der 'Schützenhof' zunächst unverändert weitergeführt.

Beide Häuser waren zwangsversteigert worden. Den Schützenhof kaufte Albert Duhn aus Oyten-Bassen gemeinsam mit seinem gleichnamigen Sohn, den Krug erwarb Enkel Niels. Der 25-jährige Kraftfahrzeugmeister betreibt inzwischen das Autohaus, das von seinem Großvater gegründet worden war und der ihn auch bei Immobilienkäufen berät. Mit dem Krug hat der junge Mann bereits sein fünftes Renditeobjekt erworben.

Eine geschäftstüchtige Familie also, die schnell Nägel mit Köpfen macht. Nachdem er den Zuschlag für den Krug erhalten hatte und die Formalitäten erledigt waren, rückte Niels Duhn mit seinen Leuten an, um in dem seit vier Jahren leer stehenden Gebäude aufzuräumen. Vor der Zwangsversteigerung hatte er es nicht von innen gesehen und staunte nun über zweierlei: Wie schnell ein ungenutztes Haus Schaden nehmen kann und wie topp sich der Krug dennoch in einigen Bereichen präsentiert. Das gilt vor allem für den Saal. Die Kegelbahn dagegen ist hinüber. In der einfach gearbeiteten Decke hatte sich Wasser gesammelt, die Holzbahnen waren ruiniert und sind bereits herausgerissen worden.

Was aus dem langgestreckten Anbau wird, hält Niels Duhn sich noch offen. Vorstellbar seien Büros im vorderen Bereich mit der eigentlichen Kegelbahn als Lagerraum. 'Aber ich weiß nicht, ob es dafür Bedarf gibt.' Ebenso denkbar sei es, Wohnungen daraus zu machen oder diesen Gebäudekomplex abzureißen und die so gewonnenen 2000 Quadratmeter als Bauland zu verkaufen. 'Würde ich machen', sagte Ortsbürgermeister Friedel Plenge, mit dem Duhn sich gestern traf.

Das Gespräch hatte unmittelbare Folgen. Nicht nur, dass Plenge Duhns Pläne für Saal und Gastraum gut hieß - er nannte auch gleich einen möglichen Geschäftspartner. Ein Telefonat, und der Handel war perfekt: Wird bei Saalvermietungen für Geburtstags- und andere Feiern Schankpersonal benötigt, hat Duhn einen Dienstleister an der Hand. 'Ich gehe davon aus, dass wir im Dezember/Januar an den Start gehen können', erklärte der junge Geschäftsmann munter.

Die gute Botschaft für Raucher: Sie müssen nicht vor die Tür gehen, um ihrem Laster zu frönen. Für sie will Duhn den Gastraum reservieren, der nur durch einen Gang vom Saal getrennt ist. Barschränke und Tresen bleiben. 'Da kann man dann vielleicht auch mal einen gepflegten Whisky trinken.' Der Ortsbürgermeister war sicher, das Duhns Konzept aufgehen wird. Als die Kirche ihren Gemeinderaum in Walle aufgegeben und vorübergehend für Privatfeste vermietet habe, sei da ständig was los gewesen. 'Ich habe selbst gestaunt, wie stark das in Anspruch genommen worden ist.'

Auf die Vereine könne Duhn nämlich nicht zählen, erklärte Plenge. Die hätten alle ihre eigenen Räume. Zudem werde der alte Gymnastikraum zum Dorfgemeinschaftssaal, in dem unter anderem die Theaterabende des Heimatvereins stattfänden. 'Aber er wird nicht für private Feiern vermietet', beteuerte der Ortsbürgermeister. Und er fügte hinzu, wie schade es wäre, wenn der hübsche Kaminraum im Krug nicht mehr benutzt würde. Sinnierte Duhn: 'Vielleicht könnten wir ihn für Konfirmationen und Feiern älterer Leute anbieten.'

Wer auch immer im Krug feiern will - die Küche wird nicht zur Verfügung stehen. Gestern waren Duhns Heinzelmännchen dabei, die diversen Geräte auf Hochglanz zu polieren. Falls nicht ein Catering-Unternehmen oder ein Pizza-Service die Küche pachten will, soll die Einrichtung komplett verkauft werden.

Während Friedel Plenge und Niels Duhn durch die Räume wanderten, entdeckten sie in einem Bilderrahmen an der Wand ein altes Dokument: Möglicherweise handelt es sich dabei um die Schankerlaubnis aus dem Jahr 1621. Der Krug, berichtete Plenge mit einigem Stolz, sei bis zur Aufgabe der älteste Gasthof im Landkreis Verden gewesen.

Jünger ist der Schützenhof. Wie Albert Duhn senior gestern sagte, sei er mit den Betreibern überein gekommen, dass sie ihn noch mindestens bis zum nächsten Frühjahr weiterführten. Er persönlich habe auch nichts dagegen, wenn sie den Schützenhof über diesen Zeitraum hinaus pachteten. Allerdings müsse das Haus modernisiert werden. So verfügten die Hotelzimmer zwar über Duschen, aber nicht über Toiletten.

Sprach er und verschwand, einen Zollstock in seinem Blaumann versenkend. Niels Duhn: 'Ich bin froh, dass ich meinen Großvater an meiner Seite habe.'

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