Domfestspiele Verden

Der Regisseur hat immer recht

Seit Tagen proben die Darsteller in Echtzeit - frisiert, geschminkt, verkabelt und kostümiert. Sie fiebern der Premiere am 14. Juli schon entgegen.
13.07.2017, 10:29
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Dirk Zweibrock
Der Regisseur hat immer recht

Im Salon: Friseurmeisterin Katja Welke macht Schauspieler Christoph Plünnecke die Haare schön.

Björn Hake

Jens Sarrasch begutachtet sich im Spiegel. Die Frisur sitzt. „Bei den Domfestspielen spiele ich den Arendt Müller, einen Bauern“, erzählt der Hobby-Schauspieler aus Blender und fährt mit der Hand noch einmal kurz über sein Haupt. Friseurmeisterin Katja Welke aus Westen hat ganze Arbeit geleistet, das ergraute Haar in Windeseile auf einen bis zwei Zentimeter gestutzt. „Hans wollte das so. Er wollte, dass ich bei Jens Kahlschlag mache“, betont der weibliche Figaro. Sie ergänzt: „Was der Regisseur will, das wird eben auch gemacht.“

In der Tat, Regisseur Hans König hat eine feste Vorstellung davon, wer bei den Verdener Domfestspielen wie auszusehen hat. Seit Sonntagabend proben die Darsteller nun schon in Echtzeit auf dem Platz, sind verkabelt, frisiert, geschminkt und natürlich auch voll kostümiert. „Alles gut, alles schön, alles im Zeitplan“, fasst eine glückliche Gabriele Müller zusammen. Die Intendantin der Verdener Domfestspiele fiebert der Premiere an diesem Freitag um 20 Uhr sehnsüchtig entgegen, hofft, dass dann alles genauso glatt über die Bühne geht wie bei den Außenproben der vergangenen Tage.

Selbst um den dunklen Lidstrich unter den Augen kommt Sarrasch nicht herum. „So kommen meine Augen besser zur Geltung“, findet der Mann im wallenden Baumwoll-Oberteil. Bereits zum fünften Mal wirkt er bei den Verdener Domfestspielen mit, möchte das bunte Spektakel im Schatten der Kathedrale nicht mehr missen.

„Den Pony weg und ein bisschen zottelig“, so wünscht sich Jung-Schauspielerin Malina Ziemann aus Langwedel hingegen ihre Festspiel-Frisur. Kein Problem für die Friseurmeisterinnen Katja Welke und Hilke Rumpf. In ihrem langen Rock mit der Schürze drüber harrt die junge Dame geduldig auf dem Friseurstuhl aus, wartet darauf, dass ihr Pony langsam unter der hellen Haube verschwindet, sich die langen Strähnchen allmählich in Wellen legen. „Ich bin zum ersten Mal bei den Domfestspielen dabei. Ist schon aufregend, eine echte Herausforderung, schließlich müssen wir mit einfachen Mitteln etwas zaubern“, erzählt Katja Welke, während sie geschickt mit der Lockenmaschine hantiert. Paolo Artisi hat die Maske schon hinter sich, von Ingrid Zwanzig und ihren fleißigen Schmink-Feen hat er sich blass tünchen lassen. Die roten Lippen stechen aus seinem fahlen Gesicht regelrecht hervor. In Kutte und Sandalen macht der junge Verdener eine richtig gute Figur, auch das Mikro haben ihm die Maskenbildnerinnen schon mit einem transparenten Pflaster aufs Antlitz geklebt. „Hier rechts trage ich meinen Mikrofon-Port“, erklärt der verkabelte Nachwuchs-Darsteller.

Im Container, in dem die Maske untergebracht ist, herrscht derweil Hochbetrieb. Masken-Chefin Ingrid Zwanzig (Gyhum) streichelt Darsteller Christian Hoffmann (Martfeld) sanft mit der Zahnbürste über den Flaum. „Ich schminke ihm den Bart rötlich-braun“, erläutert sie. Diese Farbkombination ist ihr bestens vertraut, schließlich hat sie doch schon den Störtebeker für die Lätare-Spende jahrelang ins richtige Licht gerückt. Mit Theaterschminke, einer speziellen Fettschminke, modelliert die Schminkfee dem Hünen mit der Naturkrause anschließend Schatten und Fältchen aus dem Gesicht weg. „Das soll so sein“, verteidigt sich Hoffmann beim Blick auf sein langes Baumwollhemd. Die braunen Teeflecken seien vom Regisseur gewünscht. „Hans König hat das letzte Wort. Wir machen, was er sagt“, pflichtet ihm auch Ingrid Zwanzig bei. Die Rolle des Bartholomäus ist selbst für eine erfahrene freischaffende Maskenbildnerin wie sie eine echte Herausforderung. Weil? „Wir müssen ihm das Gesicht schief schminken.“

20 Minuten Schminken, zehn Minuten Umziehen – Schmied Cord Heuer sitzt gerade im Wollgewand im Nachbar-Container. Dort lässt er sich seelenruhig von den Kostümfeen Helga Scherdin und Katrin Ellmers betüdeln. Kniebundhose an, Lederschürze umgelegt, samtenes Käppchen auf dem Kopf, fertig ist seine Bühnenfigur.

Wenige Minuten später macht Regisseur Hans König in der Kulissenstadt folgende Ansage: „Wir proben heute das erste Mal mit Licht.“ Er mahnt die Darsteller zur Vorsicht, schließlich sollen die hölzernen Treppen nach Einbruch der Dunkelheit sicher von ihnen erklommen werden. Die Schauspieler beherzigen dies, denn: Der Regisseur hat immer recht. Und falls doch mal etwas passieren sollte – kein Problem. „Dann springt eben unsere Regie-Assistentin Birgit Scheibe ein. Die hat jede Rolle drauf“, schwärmt Schauspieler Michael Bauckner.

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