Kommunalwahl in Kirchlinteln

Der Tausendsassa tritt nicht mehr an

25 Jahre war Friedel Koch (SPD) Ortsvorsteher von Armsen, 30 Jahre saß er im Rat der Gemeinde Kirchlinteln. Zum 31. Oktober endet seine Amtszeit als Ortsvorsteher und Ratsherr, und der 72-jährige Koch kandidiert nicht mehr.
30.08.2016, 00:00
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Von Jörn Dirk Zweibrock

25 Jahre war Friedel Koch (SPD) Ortsvorsteher von Armsen, 30 Jahre saß er im Rat der Gemeinde Kirchlinteln. Zum 31. Oktober endet seine Amtszeit als Ortsvorsteher und Ratsherr, und der 72-jährige Koch kandidiert nicht mehr.

Ein Vierteljahrhundert lang war Friedel Koch Ortsvorsteher von Armsen, drei Jahrzehnte lang hat er im Rat der Gemeinde Kirchlinteln gesessen. Doch nun ist endgültig Schluss – zum 31. Oktober endet seine Amtszeit als Ortsvorsteher und Ratsherr, der 72-jährige Koch kandidiert nicht mehr. Doch was hat das dienstälteste Gemeinderatsmitglied Kirchlintelns dazu veranlasst, seinen Rückzug zu erklären, seine Kandidatur nicht erneut in den Ring zu werfen? „Wenn man Kommunalpolitik macht, dann muss man es richtig tun und dafür im Gegenzug auch jede Menge Freizeit opfern“, sagt der gebürtige Frankenfelder. Seine bessere Hälfte Gertrud ergänzt lachend: „Mit Friedel geht im Herbst dann auch seine Büroleiterin in Pension.“ Stimmt – Gertrud Koch hat immer die Telefonanrufe für ihren Mann entgegengenommen, ihm all die Jahre den Rücken frei gehalten, ihn tatkräftig bei seinem Einsatz für Armsen unterstützt.

Urlaub ohne Terminkalender

Armsen, das war Friedel Koch, und Friedel Koch war Armsen. Verständlich, dass es die vierfachen Großeltern nun etwas ruhiger angehen wollen, ab November endlich einmal „Urlaub ohne Terminkalender“ machen können. Ohne stets darauf achten zu müssen, ob nicht gerade ein hoher Geburtstag oder eine Goldene Hochzeit ansteht, den politischen Sitzungskalender nicht zu vergessen. Stichwort Gremien: Erst war Friedel Koch Vorsitzender des Schulausschusses, später dann Vorsitzender des Fachausschusses für Brandschutz und Ordnungsangelegenheiten. Stimmt – das Amt des zweiten stellvertretenden Bürgermeisters der Gemeinde Kirchlinteln hat er ja auch noch bekleidet, darüber hinaus hatte er ein Kreistagsmandat inne.

Vor 50 Jahren eingeheiratet

„Als ich hier vor 50 Jahren eingeheiratet habe, gab es in Armsen noch Kopfsteinpflaster. Haupt- und Nebenstraßen konnte man damals gar nicht voneinander unterscheiden, also bin ich anfangs immer erst auf einem Bauernhof gelandet, wenn ich meine Zukünftige besuchen wollte“, muss Friedel Koch beim Anekdotenerzählen schmunzeln. Wohl wahr – viel hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in Armsen getan. Das Holperpflaster ist von der Bildfläche verschwunden, der Ort an die Abwasserversorgung angeschlossen. „Derzeit gibt es keine freien Bauplätze mehr in Armsen, doch die Nachfrage nach Bauland ist groß“, schreibt der scheidende Ortsvorsteher seinem Nachfolger gleich ins Stammbuch, die Ausweisung neuer Baugebiete zu forcieren.

Erst hat Koch beim Bund angeheuert, anschließend eine Verwaltungslaufbahn eingeschlagen. Viele Jahre lang war er Personalratsvorsitzender beim Bremer Versorgungsamt. Ein Meilenstein in seiner Amtszeit als Ortsvorsteher sei neben dem Radwegebau (Lutten-Armsen und geplante Verlängerung nach Nedden) auch die Aufnahme Armsens in die Dorferneuerung gewesen. Sie habe maßgeblich zur Entwicklung des Ortes beigetragen, ist Koch noch immer stolz, wenn er vom Bau des Dorfgemeinschaftshauses (DGH) erzählt. Vor nunmehr zehn Jahren hat er der Jugend ein Refugium unter dem Dach des neuen DGH verschafft. Tränen vergießt Armsens langjähriger Ortsvorsteher allerdings beim Gedanken an die Schließung der Sparkasse und des Kaufladens. Wünschenswert wäre auch, wenn der geplante Radweg von der Dorfmitte bis zur Landesstraße 160 bald gebaut würde, betont der Tausendsassa vom Kattensteert.

Auszeichung für Flüchtlingsarbeit

Vergangenes Jahr wurde er übrigens beim Tag des Ehrenamts von Bundesministerin Manuela Schwesig für seinen Einsatz in der Flüchtlingsarbeit ausgezeichnet. Für die Gemeinde Kirchlinteln sieht Koch die Errichtung eines Bahnhaltepunktes an der Kreepener Straße als elementar wichtig an. Auch Ganztagsgrundschulen in Luttum und Bendigbostel „wären schön“, ebenso ein Krippen-Neubau in Kirchlinteln. „Heute führen wir sachliche Diskussionen im Rat, früher ging es dort immer hoch her“, erinnert sich das dienstälteste Ratsmitglied Kirchlintelns an insgesamt vier Bürgermeister, die es „überlebt“ hat. Stellt sich nur die Frage, wer künftig die Armser Verkehrsinseln sauber macht und mit Blümchen bestückt, wenn sich Friedel Koch „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ in den politischen Ruhestand verabschiedet.

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