Fusion Der Trend geht zum Hybrid-Kunden

Die Volksbank Aller-Weser verschmilzt ihre Filialen in Etelsen und Morsum ab Herbst mit den Geschäftsstellen in Langwedel und Thedinghausen. An den betroffenen Standorten verbleibt ein SB-Center.
04.05.2018, 16:46
Lesedauer: 3 Min
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Der Trend geht zum Hybrid-Kunden
Von Jörn Dirk Zweibrock

Die Volksbank Aller-Weser dünnt ihr Filialnetz im Landkreis Verden weiter aus. Nachdem die Filialen in Walle und Blender bereits zu Jahresbeginn mit den nahegelegenen Geschäftsstellen in Langwedel und Morsum "fusioniert" haben, trifft es nun die beiden Standorte in Etelsen und Morsum. Während der Vertreter-Versammlung am Donnerstag wurden die Genossen darüber informiert, dass zum 30. September dieses Jahres auch diese beiden Filialen von der blau-weiß-orangen Landkarte verschwinden. Gut, nicht ganz, sie werden in ein SB-Center umgewandelt. Bedeutet, Geldautomat und Kontoauszugsdrucker verbleiben vor Ort. Die betroffenen Mitarbeiter werden dagegen ab dem 1. Oktober in den nächstgelegenen Geschäftsstellen in Langwedel und Thedinghausen eingesetzt. Neben den beiden Filialen im Verdener Kreisgebiet trifft es auch die Filialen Bücken und Wietzen im Nachbarlandkreis Nienburg. Während Bücken mit Hoya verschmilzt, müssen sich die Bankkunden aus Wietzen künftig nach Marklohe oder Asendorf orientieren.

"Weil wir mehr Einlagen als Kredite haben, leiden wir momentan genauso wie der normale Sparer", betont Vorstandsmitglied Stefan Ullmann. Auch seine Vorstandskollegen, Wolfgang Dreyer und Elmar Eich, können nicht voraussehen, wann die Zinsen langsam wieder steigen. "Für 2018 rechnen wir mit einer Million Euro weniger Zinserträgen", prognostiziert Dreyer. Neben der anhaltenden Niedrigzins-Phase und der zunehmenden Regulierung auf dem Finanzmarkt muss sich die Volksbank Aller-Weser natürlich auch mit den Folgen des demografischen Wandels und der Digitalisierung auf das Kundenverhalten auseinandersetzen.

Prognosen besagen, dass künftig nur noch rund ein Viertel der Kunden persönlich in den Geschäftsstellen vorbeischauen und gut 15 Prozent ausschließlich digital unterwegs sind (Online-Banking). "Die Anzahl der sogenannten Hybrid-Kunden, die beides nutzen, nimmt dagegen auf 60 Prozent zu", erläutert das Vorstands-Trio.

Auf diese Entwicklungen reagieren die Verantwortlichen bereits seit 2015 mit einer "Doppel-Strategie". Einerseits sind Geschäftsstellen zusammengefasst und erweitert worden, andererseits hat die Bank das Online-Angebot und das Kunden-Servicecenter erheblich aufgewertet. "Uns muss jetzt der Spagat zwischen Persönlich und Digital gelingen", erklärt Vorstand Elmar Eich.

Kürzlich haben sich auch die neuen Regional- und Kundenbeiräte der Volksbank Aller-Weser konstituiert. "Wir finden es sehr charmant, nun einmal aus Kundensicht zu erfahren, welche Erwartungen sie eigentlich an ihre Bank haben. Diese dritte Meinung ist uns sehr wichtig", erklärt Elmar Eich. Und Wolfgang Dreyer ergänzt: "Der direkte Dialog mit den Kunden bietet uns beispielsweise die Chance, ein Feedback darüber zu erhalten, was an unserer Banking-App noch verbessert werden könnte." Auch die digitale Filiale, in der die Kunden beispielsweise via WhatsApp mit ihrem persönlichen Bankberater kommunizieren können, soll stetig ausgebaut werden.

Während der Vertreter-Versammlung in der Stadthalle Verden informierte der Vorstand darüber, dass sich die Anzahl der Mitglieder aktuell um 744 auf insgesamt 16 079 erhöht habe. An die Teilhaber der Volksbank Aller-Weser wurde in diesem Jahr eine Dividende in Höhe von fünf Prozent ausgeschüttet. Für ihre 60-jährige Mitgliedschaft wurden gerade Heinrich Klinker (Blender) und Helmut Rode (Wietzen) ausgezeichnet.

Das Geldinstitut beschäftigt aktuell 154 Mitarbeiter und neun Auszubildende. Die Bilanz-Summe kletterte in 2017 auf insgesamt 731,2 Millionen Euro. Nachfolger des langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Fritz Lühmann (Hoya) wurde Gerd Meyer aus Marklohe im Kreis Nienburg. Neben Lühmann ist auch Heinz Hermann Maack (Langwedel) aus dem Kontroll-Gremium ausgeschieden. In den Aufsichtsrat wiedergewählt wurden hingegen Alexander Grantz (Verden), Harald Hoops (Dörverden) und Hans-Henning Meyer (Kroge). Seit einem Vierteljahrhundert sitzt dagegen schon Jürgen Wilkens (Ahsen-Oetzen) im Aufsichtsrat der Volksbank Aller-Weser.

Die geplante Fusion mit den Volksbanken aus Nienburg und Steyerberg zur großen Regionalbank Niedersachsen Mitte war im vergangenen Jahr überraschend auf der Zielgraden gescheitert.

Nach der "Schließung" der Geschäftsstellen in Etelsen und Morsum unterhält die Volksbank Aller-Weser dann ab Herbst neben den beiden Hauptstellen in Verden und Hoya noch insgesamt sieben weitere Geschäftsstellen. Im Landkreis Verden sind das Dörverden, Kirchlinteln, Langwedel und Thedinghausen. "In Deutschland gibt es seit jeher eine Tendenz zum Over-Banking, so dass die kleineren Filialen schon immer latent auf dem Prüfstand gestanden haben", erläutert Elmar Eich. Ob es binnen zehn Jahren noch in jedem Grundzentrum eine Bank-Filiale gibt, kann das Vorstands-Trio zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht voraussagen.

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