Trockenheit Der Wasserspiegel sinkt

Die Anwohner des Mühlenteichs in Dauelsen befürchten eine ökologische Katastrophe und Fischsterben in dem Gewässer. Hoher Nährstoffgehalt ist ein weiteres Problem.
07.07.2018, 10:00
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Der Wasserspiegel sinkt
Von Andreas Becker

Verden-Dauelsen. Seit die Halse durch die Trinkwasserförderung so gut wie trocken ist, speist sich der Mühlenteich in Dauelsen ausschließlich durch Regen und die Einleitung von Oberflächenwasser von der Hamburger Straße. Und das ist ein Problem, wie die stellvertretende Ortsbürgermeisterin Bärbel Rater (Grüne) beklagt. Denn durch die Trockenheit der vergangenen Wochen und Monate sei der Wasserspiegel bedenklich gesunken. "Wir hatten vor drei Jahren ein großes Fischsterben, weil der See durch den niedrigen Wasserpegel umgekippt ist. Viele tote Fische mussten entsorgt werden. Einige Tiere konnten durch Umsetzen in Wasserbehälter gerettet werden", erinnert sie sich und befürchtet, dass in diesem Jahr ein ähnliches Szenario bevorsteht.

An diesem Morgen haben sich etliche besorgte Anwohner am Mühlenteich versammelt, die um "ihr" Gewässer fürchten. Sie fordern von den Behörden allerdings nicht nur einen kurzfristigen Rettungseinsatz für Mühlenteich und Fische, sondern auch ein Konzept, wie das Gewässer langfristig gerettet werden kann. "Die Probleme bestehen seit etwa zehn Jahren", sagt Hans-Jürgen Klose. So extrem sei es fast in jedem Sommer, berichtet Sabine Patzer-Janßen (CDU), ebenfalls stellvertretende Ortsbürgermeisterin. Alleine 2017 sei die Situation wegen des vielen Regens nicht so schlimm geworden.

Beim Ortstermin wird deutlich, wie niedrig der Wasserstand bereits geworden ist. Große Teile des Uferbereichs sind bereits zu sehen, weil der Teich immer trockener wird. "Etwa ein bis zwei Meter Ufer sind durch die Trockenheit bereits frei", schätzt Bärbel Rater. Zudem sind weite Teile der Wasserfläche durch den hohen Nährstoffgehalt von einer Schicht aus Algen und sonstigen Schwebeteilchen überzogen. Darunter litten nicht zuletzt die Fische, weil sich das Wasser aufheize und der Sauerstoffgehalt abnehme.

Heikler Zustand

Um den heiklen Zustand des Mühlenteichs langfristig zu verbessern, wollen die Dauelser die Stadt Verden mit ins Boot holen und haben deshalb eine Anfrage an Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) gestellt. Der Ortsrat fragt unter anderem, welche Maßnahmen seitens der Stadt geplant seien, um der erneut akuten Gefährdung des Mühlenteichs und des Regenrückhaltebeckens durch Austrocknung, verbunden mit Folgeproblemen für das Fischvorkommen und den alten Baumbestand, entgegenzuwirken? Mittlerweile, so Rater, sei bei der Lösung des Problems auch die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises beteiligt.

Deren Leiterin, Silke Brünn, sagt auf Anfrage, dass der Landkreis zwar nicht direkt zuständig sei, da es sich bei dem Mühlenteich um privaten Besitz handele. Auf der anderen Seite gebe es ein öffentliches Interesse der Ortschaft Dauelsen, und deshalb stehe die Untere Naturschutzbehörde beratend zur Verfügung. Allerdings sei es langfristig mit dem Auffüllen des Wassers nicht getan. "Das eigentliche Problem des Sees sind die vielen großen Laubbäume am Ufer und der enorme Nährstoffeintrag durch die Unmengen an Blättern", sagt Silke Brünn. Große Flächen des Sees seien allein schon dadurch verschlammt.

Selbst wenn der See ausgekoffert werden würde, bleibe immer noch das Problem, wo der Schlamm entsorgt werden könnte. Ende der 1980er-Jahre, als dies zum bislang letzten Mal gemacht worden sei, sei dies noch einfach gewesen. "Die Bauern haben den Schlamm als Dünger auf ihren Felder ausgebracht. Das würde heute aber kein Landwirt mehr machen, weil er gar nicht weiß, was er sich alles aufs Feld kippt", betont die Fachdienstleiterin. Eine Idee wäre, den Teich zu verkleinern und den Schlamm im Randbereich zu lagern. Es sei aber nicht klar, ob dies überhaupt technisch machbar wäre. "Unter dem Strich ist es nicht leicht, eine gute Lösung zu finden", sagt Silke Brünn.

Wasser und Sauerstoff

Laut Bärbel Rater habe die Feuerwehr vor zwei Jahren geholfen, indem sie Wasser und Sauerstoff eingeleitet habe. Dies könne auf Dauer aber keine Lösung sein. Die Einleitung von Flusswasser könne als Ausnahme genehmigt werden, sagt Silke Brünn. Allerdings sei nur Allerwasser geeignet. Wasser aus der Weser sei zu salzig und würde den Teich belasten.

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