Bibliothek Die Einzelkämpferin im Lesesaal

Kirchlintelns langjährige Bücherei-Leiterin Heilwig Dyck geht im Sommer in den Ruhestand. Ihre Nachfolgerin wird eine gute alte Bekannte.
24.04.2018, 13:00
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Die Einzelkämpferin im Lesesaal
Von Jörn Dirk Zweibrock

Kirchlinteln. Die Kirchlintler Schul- und Gemeindebücherei hatte zwar am Welttag des Buches (23. April) geschlossen, öffnet dafür aber wieder an diesem Dienstag ihre Pforten. Der Vorteil einer kleinen Landbücherei wie der in Kirchlinteln: „Ich kann hier ganz individuell auf die Wünsche meiner Leser eingehen. Ich kenne sie ja schon seit Jahren und weiß deshalb, welche Lektüre ihnen gefällt“, erzählt die langjährige Bücherei-Leiterin Heilwig Dyck. Ihre Leser seien „traditionelle Leser“, die immer noch gern ein Buch in die Hand nähmen. „Die Anschaffung von E-Books lohnt sich bei uns nicht. Das wäre ja auch ein zusätzlicher Kostenfaktor“, weiß die Bücherei-Leiterin.

Im Sommer geht sie nach 18 Jahren in den Ruhestand. Pünktlich zum Beginn des neuen Schuljahres 2018/2019 übernimmt dann eine gute alte Bekannte das Zepter in der Bibliothek am Kirchlintler Schulzentrum – Ingrid Albrecht. Viele Jahre lang hat sie gemeinsam mit Heilwig Dyck in der kleinen Bücherei gearbeitet. „Wir haben uns immer als Leitungsteam verstanden“, betont die Bücherei-Chefin. Kurz nach dem großen Bücherei-Jubiläum 2014 (50 Jahre) ist die Stelle von Heilwig Dycks langjähriger Mitarbeiterin den politischen Sparanstrengungen zum Opfer gefallen. Seitdem geht Dyck als Einzelkämpferin durch den Lesesaal – unterstützt von ehrenamtlichen Helfern. „Weil meine offizielle Arbeitszeit den Öffnungszeiten der Bücherei entspricht, lassen sich zusätzliche Arbeiten wie die Buch-Anschaffung, das Katalogisieren und Einschlagen neuer Bücher nur durch Überstunden sowie die Hilfe meiner ehrenamtlichen Mitarbeiter bewältigen“, erläutert die dreifache Mutter. Heilwig Dyck ist froh, dass nun mit Ingrid Albrecht ihre Wunsch-Nachfolgerin in den Startlöchern steht. Sie übernimmt dann übrigens auch die Leitung der beiden anderen Schulbüchereien in Bendingbostel und Luttum.

1964 wurde die Kirchlintler Bücherei übrigens von Robert Kienzle ins Leben gerufen – die Kirchlintler Schul- und Gemeindebücherei wohlgemerkt. „Man muss den Menschen immer wieder ins Bewusstsein rufen, dass wir auch eine öffentliche Bücherei sind. Viele vergessen das, weil wir ja direkt an die Schule am Lindhoop angegliedert sind“, weiß Heilwig Dyck. Rund 4000 Euro stehen ihr pro Jahr für Buchanschaffungen zur Verfügung. „Veranstaltungen wie Lesungen müssen sich selbst tragen, dafür gibt es keine zusätzlichen Mittel“, erläutert die Scharnhorsterin. Gerne erinnert sie sich beispielsweise an den Auftritt von Matthias Stührwoldt bei ihr in der Bücherei zurück.

Weil es in der Kirchlintler Bücherei eine umfangreiche Bilderbuch-Abteilung gibt, schauen gerne junge Mütter bei Heilwig Dyck vorbei. „Bei den Jugendlichen stehen gerade Serien wie ,Gregs Tagebuch‘ ganz hoch im Kurs.“ Doch nicht nur bei ihnen. Auch Erwachsene hätten sich inzwischen mit dem Serien-Virus auf dem Buchmarkt infiziert, „wahrscheinlich geprägt durch das Fernsehen“, mutmaßt Heilwig Dyck.

Einige ihrer Leser könnten es kaum erwarten, bis endlich die nächste Folge der „Sieben Schwestern“ von Lucinda Riley erscheine. Anhand ihrer Ausleihzahlen (6000 Bücher pro Jahr) kann sie bestätigen, dass Männer immer noch in der Minderzahl sind, was das Lesen betrifft und Frauen auch schon mal gerne blutrünstige Krimis verschlingen. Zu ihrem großen Bedauern sei allerdings das Lese-Interesse bei den Schülern in den vergangenen Jahren deutlich gesunken.

Heilwig Dyck selbst ist aber nach wie vor eine große Leseratte, ein richtiger Bücherwurm. „Je älter ich werde, desto mehr interessiere ich mich für biografische Romane. Ich finde eben das gelebte Leben wesentlich spannender als das ausgedachte.“

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