Ausgelastete Hundeschulen im Kreis Verden

Auf den Hund gekommen

Die Nachfrage nach Vierbeinern ist während der nun einjährigen Pandemie so stark gestiegen, dass Welpen rar und Kurse in Hundeschulen im Kreis Verden gut gebucht sind. Hundetrainer schildern ihre Eindrücke.
28.03.2021, 16:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Andrea Kreutzer
Auf den Hund gekommen

Hundeschulen und Hundetrainer wie Markus Wolff, hier mit Hündin Jaja, sind derzeit sehr ausgelastet.

Björn Hake

Landkreis Verden. Die bevorzugte Gesellschaft der zwangsläufig isolierten Zweibeiner kommt in Coronazeiten auf vier Pfoten daher – die Nachfrage nach jungen Hunden ist so groß wie nie. Entsprechend ausgelastet sind die Hundeschulen und Hundetrainer im Landkreis Verden.

Julia Dittmers ist die Vorsitzende des Berufsverbandes „zertifizierte Hundetrainer“ und leitet in Posthausen die Hundeschule Pro Canis. Sie hat im Winter üblicherweise eher wenig zu tun, da die Anmeldezahlen erst Richtung Frühling wieder ansteigen. „Frühjahr und Sommer sind besonders beliebt bei Leuten, die sich einen Hund zulegen wollen.“ Nicht so in diesem Jahr. Den gesamten Winter über sei die Nachfrage konstant hoch gewesen, so hoch, dass sie nicht alle Kurswünsche sofort erfüllen konnte, trotz zusätzlicher Kurse und aufgestocktem Personal. Gerade Familien ergänzten derzeit ihren Haushalt um einen Vierbeiner. Besonders beliebt seien dabei nach wie vor Labradore und Golden Retriever, „die typischen Familienhunde“.

Prüfung läuft etwas anders ab

Sei ein Welpe etwa zehn Wochen alt, könne mit der Ausbildung begonnen werden. „Am besten ist es aber, sich einige Monate vorher schon bei uns zu melden.“ Dasselbe gelte für all jene, die vor der erstmaligen Anschaffung eines Hundes einen Sachkundenachweis benötigen. Die aus einem Theorie- und Praxisteil bestehende Prüfung laufe derzeit, unter Coronabedingungen, etwas anders ab als normalerweise. „Zur Vorbereitung empfehle ich entweder eine entsprechende Handy-App oder ein Buch, da wir eine Vorbereitung in Gruppen nicht anbieten dürfen.“ Abgelegt werde die Theorieprüfung anschließend in Einzelterminen.

Weniger Einschränkungen gebe es beim Stundenablauf, kleinere Gruppen von bis zu zehn Personen dürften (unter Beachtung der geltenden Abstandsregeln und mit Maske) zusammenkommen. „Unsere Kurse bestehen aber grundsätzlich nur aus vier bis fünf Personen.“ Seit einigen Woche dürfe man sich sogar wieder im offenen Raum bewegen, also das Gelände der Hundeschule verlassen, um den Hund an alltägliche Situationen beispielsweise im Straßenverkehr zu gewöhnen.

Hohe Anmeldezahlen

Ebenso wie Dittmers freut sich Marcus Wolff, der in Verden die Hundeschule Canis leitet, über hohe Anmeldezahlen, insbesondere für Welpenkurse. Mindestens alle zwei Wochen werde ein weiterer aufgemacht. Dass die jetzt so Hundebegeisterten nach der Home Office-Zeit den Kauf bereuten, damit rechne er eher nicht. „Wir haben bei uns die Erfahrung gemacht, dass die Anschaffungen gut durchdacht wurden.“ Aber er rechne auf einem anderen Gebiet mit Problemen: „Home Office bedeutet natürlich, dass eigentlich immer jemand zuhause ist.“ Der Hund sei nie allein und könne sich daher auch nicht an derlei Situationen gewöhnen. Man müsse nun also gezielt dafür sorgen, dass ein Welpe so früh wie möglich immer mal wieder für kurze Zeit allein gelassen werde, damit er dies später nicht als Stress empfinde und er keine Trennungsängste entwickle.

Um das „Später“, die Zeit nach Corona, macht sich der Hundetrainer Benjamin Günther aus Oyten jetzt schon Gedanken: „Ich rechne damit, dass Hundeschulen und Hundetrainer auch in den nächsten Jahren noch gut zu tun haben werden.“ Nicht nur, weil sich so viele im letzten Jahr einen Hund zugelegt haben oder kurz davor stehen, sich einen anzuschaffen, sondern weil er aufgrund der coronabedingten Zwangspause, in der viele Hundekurse aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen nicht möglich gewesen seien, mit Defiziten im Sozialisierungsprozess etlicher Hunde rechne, die zukünftig aufgearbeitet werden müssten.

An langen Zeitraum denken

Sowohl Dittmers als auch Wolff und Günther betonen Folgendes: Wer derzeit darüber nachdenke, sich einen Vierbeiner ins Haus zu holen, der sollte nicht nur seine jetzige Situation sehen, sondern einen Zeitraum von zwölf bis 15 Jahren überdenken. „So alt wird ein Hund nämlich und so lange muss er versorgt werden“, betont Dittmers. Nicht nur der zeitliche Aspekt sei zu beachten, sondern auch der finanzielle. Günther: „Da sind neben Versicherungs- und Futterkosten auch die für den Tierarzt – von den aktuell extrem hohen Anschaffungskosten ganz zu schweigen.“

Derzeit sei es nämlich schwierig, überhaupt an einen Welpen zu kommen, der Hundemarkt sei „wie leer gefegt“, die Nachfrage einfach zu groß. Entsprechend tief müsse man in die Tasche greifen. Die Preise für einen Welpen seien oftmals mehr als doppelt so hoch wie sonst. „In jedem Fall gilt: Lieber auf den richtigen Hund warten als sich einen zu holen, der nicht zu einem passt!“ Besonders wichtig sei es, sich vor der Anschaffung über die rassespezifischen Eigenschaften eines Hundes zu informieren.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+