Zum Tag des offenen Denkmals wird die Feldbahn auf dem Gelände der historischen Ziegelei Kirchlinteln gezeigt Die spanische Lok macht viel Arbeit

Noch ist viel zu tun bis zum Tag des offenen Denkmals: Die alte Feldbahn auf dem Ziegelei-Gelände in Kirchlinteln wird mit zehn Schienenfahrzeugen der Öffentlichkeit präsentiert.
02.09.2013, 00:00
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Von HERMANN MEYER

Noch ist viel zu tun bis zum Tag des offenen Denkmals: Die alte Feldbahn auf dem Ziegelei-Gelände in Kirchlinteln wird mit zehn Schienenfahrzeugen der Öffentlichkeit präsentiert.

Kirchlinteln. Sie kommen aus Dresden, Aachen, Bad Oeynhausen und Bremen und nehmen teilweise weite Wege in Kauf, um ihrem Hobby in Kirchlinteln nachzugehen: Vier junge Leute wollen am kommenden Sonntag zum Tag des offenen Denkmals das Feldbahnprojekt „Historische Ziegelei Kirchlinteln“ der Öffentlichkeit vorstellen. Holger Ziehm stammt aus Kirchlinteln und studiert in Dresden Geoinformationstechnologie, Jonathan Günther ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität in Aachen und stammt aus Bassum, Lennart Schnewitz ist Auszubildender zum Mechatroniker, und Lokführer Jörg Krohn aus Bremen ist momentan dabei, Gelände und Fahrzeuge in Schuss zu bringen.

Zehn Schienenfahrzeuge – fast alle funktionstüchtig – werden präsentiert, darunter auch ein Schienenfahrrad und eine Draisine. „Die Draisine ist ausgestattet mit dem Sachs-Motor einer NSU-Presto, die in den 1930er-Jahren in Chemnitz produziert wurde“, erzählte Jörg Krohn. Er gehört seit Anfang des Jahres den Kirchlintler Feldbahnfreunden an und brachte eine Lok mit, die zuletzt bei den Hamburger Wasserwerken eingesetzt worden ist und 1935 gebaut wurde. „Sie hat zwölf PS und eine Verdampferkühlung, die ungefähr so funktioniert wie ein Wasserkocher“, erzählte der Lokführer.

Schienenfahrrad für den Steiger

Das Schienenfahrrad wurde meistens unter Tage benutzt, wenn der Steiger schnell Dinge regeln oder klären musste. Etwas aus dem Bestand des Feldbahnprojekts herauszuheben, ist kaum möglich, doch eine Lok, die 1966 gebaut wurde, macht besonders viel Mühe. Sie wurde in Spanien gefertigt und sieht arg ramponiert aus. Jonathan Günther, der sie aufgetrieben hat, wird noch lange daran arbeiten müssen, bis sie läuft. Sie diente den Spaniern als Ersatzteillager.

„Ein Händler aus Mataró bei Barcelona wollte sie verkaufen. Und da ich so fasziniert bin von Orenstein-und-Koppel-Getrieben, habe ich die Lok erworben“, sagte Günther. Allerdings kommt nur das Getriebe aus Deutschland, alles andere wurde auf der Iberischen Halbinsel hergestellt. Rund 200 Exemplare dieser rustikalen Lok, die im Steinkohlebergbau eingesetzt wurde, sind produziert worden. Vorgestellt werden soll auch die Original-Lok der Aller-Ziegelei Cordes. „Mit vier Kipploren wird der komplette Zug gezeigt“, sagte Holger Ziehm. Dieser diente fast 30 Jahre im Märchenpark (heute Magic-Park) als Blickfang. Alle fahrbereiten Loks können auf der fertigen, 650 Meter langen Gleisanlage des rund 7500 Quadratmeter großen idyllischen Geländes eingesetzt werden. Doch auch gestern waren die Spezialisten dabei, Weichenhebel einzusetzen. Dabei mussten der Boden ausgekoffert und Metall angeschweißt werden. „Es sind lauter Einzelanfertigungen, es gibt nichts Doppeltes“, sagte Lennart Schnewitz beim Rundgang über das baumbestandene Gelände.

Teilweise sind die Gleise schon 100 Jahre alt, alle haben eine Spurweite von 600 Millimetern. Eine Menge Gleismaterial ist noch vorhanden für einen Ausbau über das vorhandene Grundstück hinaus. „Wir haben die Möglichkeit, uns noch weiter auszudehnen und könnten bis an die Teiche Gleise verlegen“, sagte Ziehm. In früheren Zeiten wurden die Teiche von den Kirchlintler Kindern und Jugendlichen zum Baden benutzt. Dass es über Jahre hinaus Renovierungs- und Ausbesserungsarbeiten gibt, dafür sorgen weitere museumsreife Stücke. Da sind zum Beispiel Torfwagen mit einem Fassungsvermögen von drei Kubikmetern. „Um diese zu zeigen, müssen wir erst mal eine Schiebebühne errichten, damit wir sie aus dem Schuppen rausbekommen“, berichtete Jonathan Günther.

Ebenso ist eine Ziegelkarre in leidlichem Zustand vorhanden sowie auch eine Frühstücksbude. Diese Buden standen immer am Ende eines Gleises, waren ausgestattet mit Bänken und einem Kanonenofen. Das vorhandene Exemplar ist rund 1,50 mal vier Meter groß und bietet Platz für acht Torfarbeiter.

Auf dem Gelände der ehemaligen Kirchlintler Ziegelei aus dem zu Ende gehenden 19. Jahrhundert gibt es am Tag des offenen Denkmals viel zu sehen. „Beim ersten Mal hatten wir im Jahr 2009 rund 500 Besucher, wir gehen davon aus, dass in diesem Jahr mindestens ebenso viele kommen“, so Holger Ziehm optimistisch.

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