Tag des offenen Denkmals Die Welt der Umbrüche

Zum Tag des offenen Denkmals öffnen im Südkreis wieder viele historische Bauwerke und Stätten für die Besucher. Umbrüche in Kunst und Architektur stehen im Zentrum.
03.09.2019, 16:26
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Die Welt der Umbrüche
Von Jörn Dirk Zweibrock

Wie sagte doch einst Walter Benjamin in seinem Passagen-Werk: „Es hat keine Epoche gegeben, die sich nicht im exzentrischen Sinne modern fühlte.“ In Anlehnung an das 100-jährige Bauhaus-Bestehen steht der diesjährige Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, bundesweit unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Seit 1993 wird dieser Aktionstag nun schon von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordiniert und findet jeweils am zweiten Sonntag im September statt. In der Stadt Verden öffnen gleich mehrere historische Bauwerke und Stätten ihre Pforten für die Sonntagsausflügler, aber auch die Gemeinde Dörverden und der Flecken Langwedel beteiligen sich wieder daran.

1919 von Walter Gropius gegründet, gilt das Bauhaus aufgrund seiner ideellen und ästhetischen Ausrichtung als Paradebeispiel für das „Moderne". "Auch aktuell mussten architektonische Lösungen für wachsende Bedarfe bei der Unterbringung und Betreuung von Kindern entwickelt werden", erläutert Susanne Reinhardt, im Rathaus Verden für die Kulturförderung zuständig. Sie weist in diesem Kontext auf den kürzlich fertiggestellten Container-Anbau an der Kita Hönisch, Heckenweg 19, sowie das integrative Konzept „Kita und Grundschule“ an der Verdener Andreasschule, Jahnstraße 6, hin. Im Laufe des Aktionstages werden am Sonntag in beiden Einrichtungen Führungen angeboten.

Kostenlos besichtigen können Interessierte an diesem Tag auch den Verdener Dom, das Domherrenhaus sowie die Historische Bibliothek des Domgymnasiums. Zwischen 15 und 17 Uhr entführt Reinhard Nitsche dort alle Bücherwürmer und Leseratten ins Reich der alten Schmöker.

Natürlich dürfen beim Tag des offenen Denkmals auch nicht die Verdener Kirchen St. Johannis und St. Andreas fehlen. Etwas versteckt befindet sich dagegen die Kirche der Zionsgemeinde (Selk) am Anita-Augspurg-Platz. Nach gerade einmal einem halben Jahr Bauzeit wurde sie im Jahre 1938 für den Gottesdienst offiziell eingeweiht.

Im vorwiegend protestantisch geprägten Verden befinden sich die Katholiken bekanntlich in der Diaspora. Nichtsdestotrotz verfügen sie über ein prunkvolles Gotteshaus am Andreaswall. Die Verdener Stadtführerin Ursula Schramm führt um 14 Uhr durch die 1894 eingeweihte Propsteikirche St. Josef.

Eine Kopfbedeckung sollten die männlichen Teilnehmer beim Rundgang über den Jüdischen Friedhof (Ahornweg) nicht vergessen. Günter Schmidt-Bollmann übersetzt bei den Führungen (11 und 13 Uhr) auch die Grabinschriften.

Umgangssprachlich wurde das Scharfrichterhaus am Verdener Piepenbrink 1 übrigens auch Bödelei genannt. Die Scharfrichter galten seinerzeit als ehrlos und hatten die Aufgabe, Geständnisse bei einem Delinquenten zu erzwingen und Urteile zu vollstrecken. Im Turm oder im Haus selbst fand die sogenannte „peinliche Befragung“ statt, wobei der Beschuldigte zum Geständnis gezwungen wurde. Recht sprachen damals der Bürgermeister und der Rat. In der Zeit von 12 bis 15 Uhr nimmt Joachim Woock seine Gäste auf einen Rundgang durch das geschichtsträchtige Haus mit.

Im Alten Schulhaus in Dauelsen (10 bis 18 Uhr) wartet hingegen die Ausstellung der Künstlerin Marlies Engel.

Ob Holz, Stein, Stahl, Beton oder Kunststoff – jedes Material bringt aufgrund seiner technischen Fähigkeiten andere bauliche Entwürfe hervor. Die Kirche St. Cosmae et Damiani in Dörverden wurde beispielsweise in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts aus Porta-Sandstein errichtet. Im Inneren besticht das Gotteshaus durch einen prächtigen Barock-Altar sowie eine Kanzel aus dem Rokoko. Dörverdens Gästeführer Fritz Koch führt jeweils um 14.30 und 15.30 Uhr durch den im Kern romanischen Sakralbau. Aus Porta-Sandstein wurde beispielsweise auch der Mindener Dom errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die für die Rüstungsindustrie ausgebauten Stollen schließlich gesprengt und die Produktion eingestellt.

Ein ortsbildprägendes Gebäude im Flecken Langwedel ist das Häuslingshaus am Sandberg 11. Wolfgang Ernst vom Langwedeler Kulturverein führt Interessierte bei Bedarf durch das letzte erhaltene Küchennischenhaus der Region. Ab 14 Uhr werden dort Kaffee und Kuchen im Garten serviert. Kunstinteressierte können zudem einen Blick auf die Werke des Künstlers Franz Radziwill und Bauhausarchitekturen werfen.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+