Tafel

Die Zahl der Bedürftigen steigt

Deutlich mehr Menschen als früher nehmen die Lebensmittelspenden der Verdener Einrichtung in Anspruch. Vor allem Senioren mit kleiner Rente sind zunehmend auf die Unterstützung angewiesen.
10.01.2018, 17:03
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Die Zahl der Bedürftigen steigt
Von Andreas Becker
Die Zahl der Bedürftigen steigt

Im Schnitt 50 Gäste kommen jeden Werktag zur Tafel.

FOCKE STRANGMANN

Eine große Kiste mit Lauch steht auf dem Tisch, weitere Kisten mit Gemüse stapeln sich auf einem Rollwagen. Mitarbeiter kontrollieren die Waren auf ihren Zustand, bevor sie erstmal im Kühlraum eingelagert werden. Das ist die tägliche Routine in der Verdener Tafel. „Wir kontrollieren alles, was wir an Spenden bekommen auf Frische und Zustand“, sagt Reinhard Wadas, Vorsitzender der Tafel.

Jeden Werktag sind zwei Kühlwagen der Tafel morgens unterwegs, um bei allen Supermärkten und Bäckereien im Einzugsgebiet der Tafel Spenden abzuholen. „Mit der Menge der gespendeten Lebensmittel sind wir sehr zufrieden. Da können wir nicht klagen“, sagt Wadas. Das muss auch so sein, denn die Anzahl der Gäste mit einem Tafelausweis, also einer Berechtigung – Lebensmittel zu empfangen – ist seit 2015 deutlich angestiegen. „Früher waren es 1200 Menschen mit Ausweis, heute sind es 1500 bis 1600“, sagt der Vorsitzende, der seit 2014 der Tafel vorsteht. „Damals, als das mit den Geflüchteten losging, sind Gäste dazugekommen. Es gibt aber auch immer mehr Senioren, die mit ihrer kleinen Rente nicht hinkommen und auf Spenden angewiesen sind.“

Gerade der Anteil älterer Menschen sei in den vergangenen Jahren größer geworden, wobei Wadas überzeugt ist, dass die Dunkelziffer gerade bei Rentnern groß ist, die mit ihrer geringen Altersversorgung nicht auskommen und ein Anrecht auf Hilfe von der Tafel hätten. „Viele kommen nicht zur Tafel, weil sie Vorbehalte haben und sich schämen“, so der Vorsitzende. Das sei jedoch grundlos, denn die Tafel sei dafür da, Notleidenden zu helfen.

Die größte Gruppe der Gäste bestehe aus den Empfängern von Hartz-IV-Leistungen. Bedürftig sind laut Reinhard Wadas Einzelpersonen mit weniger als 950 Euro Bruttoeinkommen pro Monat. Bei Ehepaaren ohne Kinder liegt die Grenze bei 1300 Euro, bei Familien mit zwei Kindern bei etwa 1900 Euro brutto. Diese Festlegung sei nicht willkürlich, sondern an den Bundesverband der Tafeln angelehnt. Gute Erfahrungen hätten die Mitarbeiter mit den Geflüchteten gemacht, die als Gäste zur Tafel kommen. „Die verhalten sich einwandfrei und wollen sich integrieren“, hat Wadas erkannt. Beeindruckend sei, wie gut die meisten in so kurzer Zeit die deutsche Sprache gelernt hätten. „Bei uns hat es nie irgendwelchen Stress gegeben. Macht jemand Ärger, fliegt er raus. Freundlicher Umgang muss für alle gelten“, beschreibt der Vorsitzende die klaren Regeln, die für alle Gäste gelten.

Zuständig ist die Verdener Tafel für den gesamten Südkreis sowie das Gebiet bis Cluvenhagen, ab da ist die Achimer Tafel zuständig. 42 Mitarbeiter arbeiten überwiegend ehrenamtlich für die Einrichtung: als Fahrer, an der Ausgabe sowie im Lager. „Manche sind einmal im Monat da, andere mehrmals in der Woche. Wir kommen klar, aber mehr Ehrenamtliche können wir natürlich auch immer gebrauchen“, sagt Wadas. Angestellt seien nur die Köchin sowie eine Bürokraft, die über ein Projekt vom Landkreis Verden bezahlt werde. Die Köchin bereitet werktags ein Mittagsgericht zu, das die Gäste für einen Euro erwerben können. „Das sind richtig leckere Sachen“, schwärmt Wadas. In dieser Woche habe es bereits Hähnchenschnitzel mit Blumenkohl, Kasseler mit Sauerkraut und Suppe gegeben. Alle Gerichte werden ausschließlich mit gespendeten Lebensmitteln gekocht, betont der Vorsitzende.

Der Tag beginnt im Tafelhaus in der Ulanenstraße mit den Vorbereitungen auf die Essensausgabe, die um 12 Uhr beginnt. Geöffnet ist die Tafel ab 11.15 Uhr, ab halb zwölf werden wegen des Andrangs Nummern an die Wartenden ausgegeben. Im Schnitt werden pro Tag etwa 50 Gäste mit Nahrungsmitteln versorgt. „Wir haben fast nur Lebensmittel, Kleidung könnten wir aus Platzgründen gar nicht lagern“, sagt Wadas.

Entscheidend für den Erfolg der Tafel sei der gute Kontakt zu den Supermärkten und Bäckereien. „Wir bekommen zwar keine Finanzmittel, aber mit den Lebensmittelspenden können wir unsere Gäste gut versorgen“, betont Wadas. Insofern gebe es auch keine Einteilung der Gäste für bestimmte Tage. „Jeder kann jeden Tag kommen.“

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