Domfestspiele

Die Gabrieles zieht es hinter die Kulissen

2022 soll es wieder die beliebten Domfestspiele geben. Gabriele Müller und Gabriele Benner werden bei der Planung allerdings nicht mehr die Hüte aufhaben. Sie legen ihre Ämter nieder.
02.11.2020, 16:01
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Marie Lührs
Die Gabrieles zieht es hinter die Kulissen

Wollen etwas kürzer treten: Gabriele Benner (l.) und Gabriele Müller.

Björn Hake

Im vergangenen Jahr haben sie es schon angekündigt, nun machen beide Ernst: Gabriele Müller und Gabriele Benner ziehen sich aus dem Vorstand des Vereins, der die Verdener Domfestspiele organisiert, zurück. Nachfolger seien schon gefunden, erklärt Müller, nun müssen die Mitglieder dem Vorschlag nur noch zustimmen. Die Wahl soll – so ist es zumindest geplant – an diesem Donnerstag, 5. November, stattfinden. Wer zur Wahl steht, das wollen die scheidenden Gabrieles jedoch noch nicht verraten.

Gabriele Müller ist eine „Domi“ der ersten Stunde. Der Zufall brachte sie 1997 zum frisch gegründeten Verein Verdener Domfestspiele. Als freiberufliche Journalistin besuchte sie eine Informationsveranstaltung der Gruppe, die ein großes Freilichttheater auf die Beine stellen wollte. Die Idee begeisterte die damals 34-Jährige und so trug sie sich als freiwillige Helferin für die Organisation in eine Liste ein. Für die ersten Domfestspiele 1998 stellte sie schließlich eine Marketing-Ausstellung zusammen. Das nötige Know-how hatte sie bereits bei der Organisation mehrerer Kunstausstellungen gesammelt. Mit der Zeit kamen weitere Aufgaben hinzu. Müller assistierte dem damaligen Geschäftsführer Jürgen Lindner und wurde 1999 in den Vorstand gewählt, für den sie wenige Monate später, als ein weiterer Posten frei wurde, auch Gunda Redeker begeistern konnte. Damit wurde in kurzer Zeit aus einem zuvor rein männlichen Kreis ein Vorstand mit viel Frauenpower.

Müller übernahm in den folgenden Jahren zunehmend mehr Aufgaben, bis 2005 die Geschäftsführung in Gänze an sie fiel. Die Gesamtplanung, Budgetierung, Marketing, Pressearbeit, Ticketverkauf, Einwerbung von Bühnenprofis für Regie, Bühnenbild, -technik und Schauspiel – ihr Aufgabenbereich war umfangreich. Zusätzlich tauchte sie in Verdens Geschichte ein, um sich für neue Geschichten inspirieren zu lassen. Trotz der ohnehin schon vielen Arbeit übernahm sie schließlich auch noch den frei werdenden Posten des ersten Vorsitzenden. Sowohl den Vorsitz als auch die Geschäftsführung möchte sie nun abgeben – die Aufgaben sollen nun allerdings auf zwei Nachfolger verteilt werden. Sie wolle den Weg frei machen für andere Kreative, sagt Müller. Und noch einen Wunsch hat sie: „Ich möchte endlich einmal hinter den Kulissen dabei sein, mitarbeiten und auch mitfeiern, ohne den Hut auf zu haben.“

Obwohl Gabriele Benner ebenfalls schon lange zum Inventar der Domfestspiele gehört, ist sie kein „Domi“ der ersten Stunde. Als sie vor 20 Jahren von Hamburg nach Verden zog, lernte sie die Domfestspiele als Zuschauerin kennen und lieben. Bei der nächsten Auflage bewarb sie sich als Unterstützerin, wurde so für fünf Theatersaisons zur engagierten Regieassistentin und fand zusätzlich in Gabriele Müller eine gute Freundin. Unter den Spitznamen Müllergab und Bennergab liefen die beiden Frauen fortan. 2004 schloss sich Benner als Beisitzerin dem Domfestspiel-Vorstand an. 2014 wurde sie Schatzmeisterin, vier Jahre später stellvertretende Vorsitzende. Die Regieassistenz legte sie zwischenzeitlich nieder. Nun wollen sich beide gänzlich aus der Arbeit zurückzuziehen. „Neben der Arbeit ist das einfach kaum zu schaffen“, erklärt Müller, die seit 2016 im Domherrenhaus arbeitet. „Mit der mir eigenen Leidenschaft für meine Kulturarbeit sollte ich nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen“, lautet ihr Resümee. Benner indes wünscht sich mehr Zeit für ihre Familie. „Natürlich werde ich die Domfestspiele weiter lieben“, versichert sie.

Bereits zum Jahresanfang hat das Domfestspiel-Team ein weiteres wichtiges Mitglied verloren: Gunda Redeker, die über zwei Jahrzehnte dem Vorstand angehörte und sowohl vor als auch hinter der Bühne aktiv war, hat für immer die Augen geschlossen.

Die nächsten Domfestspiele sollen 2022 steigen. Damit das gelingt, müssen die Planungen spätestens im April 2021 beginnen. Die Entscheidung, ob es das Schauspiel auf dem Domplatz dann tatsächlich geben wird, müsse spätestens im Herbst gefällt werden, erklären die beiden erfahrenen Vorständinnen. Sie wollen ihren Nachfolgern bei der Realisierung mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ob das Projekt Festspiele 2022 umgesetzt werden kann, darüber entscheidet auch die Entwicklung der Corona-Pandemie. Denn der große Aufwand lohnt sich nur für ein großes Publikum. Schließlich soll der Eintrittspreis auch für jene bezahlbar bleiben, die sich normalerweise nicht viel Kultur leisten können, nennt Müller ein wichtiges Anliegen des Vereins.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+