Pilotprojekt soll neue Erkenntnisse bringen

Druck auf Trinkwasserverband wächst

Der Trinkwasserverband Verden fördert seit 2009 ohne gültige Genehmigung und nur mit einer widerruflichen Erlaubnis.
25.11.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Druck auf Trinkwasserverband wächst
Von Andreas D. Becker

Der Trinkwasserverband Verden fördert seit 2009 ohne gültige Genehmigung und nur mit einer widerruflichen Erlaubnis.

Seit März 2015 liegt dem Landkreis Verden als Genehmigungsbehörde ein Antrag des Trinkwasserverbandes (TV) vor, Aussicht auf Genehmigung hätte er zurzeit jedoch nicht, wie aus einem Brief von Landrat Peter Bohlmann an den Verband hervorgeht.

Abgelehnt sei der Antrag damit jedoch nicht, betont Silke Brünn, Leiterin des Fachdienstes für Wasser, Abfall und Naturschutz. „Der Sachverhalt wird jetzt erstmal geprüft“, erklärt sie. Zudem hat das Land Niedersachsen gemeinsam mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), dem Trinkwasserverband und dem Landkreis Verden ein Pilotprojekt aufgelegt, das in den kommenden sieben Monaten untersuchen soll, ob es Alternativen zur bestehenden Trinkwassergewinnung gibt, die „ökologisch und sozio-ökonomisch“ sinnvoll sind, wie es offiziell heißt. „Damit ist gemeint, dass die Wassergewinnung sowohl eine gute Kosten-Nutzen-Relation aufweisen als auch dem Menschen dienen muss“, erklärt Silke Brünn.

Hintergrund ist, dass der Halse-Bach durch die Trinkwassergewinnung und das damit verbundene Absinken des Grundwasserspiegels trockengefallen ist. Aufgrund der EU-Wasserrahmenrichtlinie ist das Land Niedersachsen aber gehalten, bis zum Jahresende alle Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu versetzen. „Da die Halse in einem schlechten Zustand ist, und die Trinkwasserförderung wie gehabt weiterläuft, kann die Vorgabe in diesem Bereich nicht umgesetzt werden“, beschreibt Silke Brünn das Dilemma.

Eine Ausnahmeregelung sei in dem vorliegenden Fall nicht möglich, da die Verschlechterung des Halse-Zustandes nicht vorübergehend sei. Ebenso wenig gebe es einen Bestandsschutz der Wasserentnahme, da das Trockenfallen nicht der Grundwassergewinnung diene, sondern eine Folge dessen sei. Aufgrund ihres Zustandes sei die Halse als ein „erheblich verändertes Gewässer“ eingestuft worden. „Für diese Kategorie gilt, dass die Halse unter Berücksichtigung der vorhandenen Nutzung in den bestmöglichen Zustand versetzt werden muss“.

Wie dieses Ziel für das Gewässer umgesetzt werden kann und welche Folgen das hat, auch dazu soll das Pilotprojekt Aufschluss geben. Im Besonderen werde es auch darum gehen zu untersuchen, ob Bremen seinen Trinkwasserbedarf auch anders als durch die Lieferungen des Trinkwasserverbandes Verden stillen kann. „Es scheint so, dass die Hansestadt dazu keine Alternative hat, das ist aber nie nachgewiesen worden“, sagt Silke Brünn. Auch davon hänge es ab, ob der Förderantrag des Trinkwasserverbandes genehmigt werden könne. Zurzeit fördert der Verband nach eigenen Angaben rund 15,5 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr, davon werden 9,5 Millionen Kubikmeter nach Bremen geliefert.

Verband ist gefordert

Warum der Trinkwasserverband seit 2009 ohne Genehmigung fördert, begründet die Fachdienstleiterin mit geänderten Rechtsvorschriften, die den Verfahrensweg sehr kompliziert gemacht hätten. „Der TV hatte damals halbwegs zeitig einen Antrag gestellt, durch die neue Rechtsprechung musste er aber komplett neu entwickelt werden“, sagt Silke Brünn.

Ob der aktuelle Antrag vom März genehmigungsfähig sei, müssten auch die Ergebnisse des Pilotprojekts zeigen. Jetzt sei der Trinkwasserverband gefordert zu belegen, ob die Voraussetzungen für geänderte Bewirtschaftungsziele vorliegen.

Für die CDU-Fraktionen in Verden und Dörverden ist die Förderpolitik des Trinkwasserverbandes gescheitert und die ablehnende Haltung des Umweltministeriums Hannover „eine schallende Ohrfeige“, wie der CDU-Landtagsabgeordnete Adrian Mohr aus Dörverden mitteilt. Trotz aller Bedenken habe der TV stets an der maximalen Fördermenge festgehalten. Anregungen der CDU und Grünen, das Volumen moderat zu senken, seien stets abgelehnt worden.

Für Jens Richter, Sprecher der CDU-Fraktion im Stadtrat Verden, stellt sich zudem die Frage, ob die Trinkwasserförderung im Bereich Panzenberg in Scharnhorst auch negative Auswirkungen im Stadtgebiet hat. In einer Ratsanfrage bittet er Bürgermeister Lutz Brockmann um Klärung, ob die Straßenschäden im Wischofsweg in Dauelsen und das Trockenfallen des Bullerbachs (Dauelser Bruchgraben) Folgen der Förderung sein könnten.

„Panzenberg ist nicht weit weg“, so Richter. Ihm gehe es auch darum zu klären, wer für die Schäden im Wischofsweg aufkomme. Laut Silke Brünn liegen Straße und Graben zwar im Grundwasserabsenkungsbereich der Förderung. Aus den Unterlagen sei aber zurzeit nicht ohne weiteres zu entnehmen, wie sich die derzeitige Förderung in diesem Gebiet auswirke.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+