Gershwin-Revue Ein Amerikaner in Verden

Christiane Artisi setzt dem amerikanischen Komponisten, Pianisten und Dirigenten mit ihrer Hommage ein musikalisches Denkmal. Der Eintritt für die Konzerte im Verdener Domgymnasium ist kostenfrei.
02.05.2018, 17:06
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Ein Amerikaner in Verden
Von Jörn Dirk Zweibrock

Jacob Gershovitz? Nie gehört. Der ist nie in Verden gewesen. Den kennt keiner in Verden. Anders sieht es dagegen mit George Gershwin aus, der 2018 stolze 120 Jahre alt geworden wäre. Dieses Datum hat die Verdener Gesangspädagogin und Chorleiterin Christiane Artisi nun zum Anlass genommen, den weltberühmten amerikanischen Komponisten, Pianisten und Dirigenten mit einer Revue zu ehren. Die Hommage an den großen Künstler wird an diesem Sonntag, 6. Mai, sowie am Montag, 14. Mai, in der Aula des Verdener Domgymnasiums aufgeführt. Der Jugendchor St. Johannis und der Kammerchor No Wonder stehen dann gemeinsam auf der Bühne. Martin Hohls begleitet die Revue am Flügel, Regie führt Gabriele Benner.

Im Gegensatz zur Operette oder zum Musical vereinigt eine Revue (französisch für Zeitschrift) Musik-, Tanz- und Wortbeiträge zu einer Gesamtdarbietung ohne durchgehenden Handlungsstrang. Für Christiane Artisi ist das Format "die kurzweiligste und beste Darbietungsform, um einen Ein- und Überblick ins Schaffen eines Künstlers zu geben". Vor drei Jahren hat sie schon einmal einem Künstler – damals Kurt Weill – ein musikalisches Denkmal gesetzt. Gershwins Werke bezeichnet die Verdenerin als "sehr, sehr anspruchsvolle jazzige Musik". Eine besondere Herausforderung für die beiden Chöre, die bis dato noch nie eine Revue gesungen hätten, seien die Disharmonien und Dissonanzen in Gershwins Musik. Dass ihre Schüler und Chöre die vielen nicht miteinander harmonierenden Töne dennoch bravourös meistern, hat sich bereits bei der Premiere in Walsrode gezeigt.

Christiane Artisis Kammerchor No Wonder ist seit 2016 sogar ein gemeinnütziger Verein und zählt heute rund 20 Sänger. Chormitglied ist auch Gabriele Benner aus Verden. An ihre neueste Regie-Arbeit ist sie durch einen puren Zufall gekommen: "Weil ich bei den Proben nicht mitsingen konnte, wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, die Gershwin-Revue zu inszenieren", erzählt Gabriele Benner. Klar hatte sie. "Die Arbeit mit dem Jugendchor St. Johannis hat unglaublich viel Spaß gemacht. Die jungen Leute sind alle dermaßen motiviert und sprudeln nur so vor Ideen", schwärmt die erfahrene Regisseurin vom "großartigen" Miteinander bei den Proben. Weil zu einer klassischen Revue nun einmal auch kleine szenische Darstellungen gehören, musste sie sich also auch die passenden Bewegungen zu der oftmals doch so traurigen Musik ausdenken.

Den Gershwin-Klassiker "Summertime" gibt es bei den Aufführungen jedenfalls gleich vier Mal zu hören. Ob als Saxofon-Quartett (Martin Hohls, Justus Wahlers, Sandra Bysäth und Falk Rosenthal) oder gemeinsam von Ben Hohls und Paolo Artisi im Straßenmusiker-Stil mit Gitarre intoniert. Mit Sandra Nobel, Lilly Betzin, Mona Hohls, Annalena Steeneck, Gebke Buchholz und Maite Pesci treten sowohl aktuelle als auch ehemalige Gesangsschüler von Christiane Artisi auf.

Der Evergreen "I Got Rhythm" erklingt in der ersten Maihälfte nun also nicht in weltbekannten Revue-Theatern wie dem Pariser Lido, dem Moulin Rouge oder dem Folies Bergère, sondern eben in der Aula des Verdener Domgymnasiums an der Grünen Straße 32. Christiane Artisi schätzt neben der besonderen Atmosphäre vor allen Dingen auch "die besondere Akustik" an diesem Auftrittsort.

"George Gershwin ist 1937 viel zu jung gestorben. Er ist nur 38 Jahre alt geworden", weiß Gabriele Müller, stellvertretende Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins No Wonder. Neben der Oper "Porgy and Bess" zählen auch die Orchester-Kompositionen "Rhapsody in Blue" und "Ein Amerikaner in Paris" zu seinen bekanntesten Werken. Mit ihrer Revue "Summertime" macht Christiane Artisi Jacob Gershovitz nun also ein ganz besonderes Geschenk zum 120. Geburtstag – sie setzt ihm wie bereits zuvor schon Kurt Weill ein musikalisches Denkmal.

Geht eine Karte für die Revuen in den Pariser Varieté-Theatern ordentlich ins Geld, ist der Eintritt für die Konzerte im Domgymasium (6. Mai ab 18 Uhr sowie 14. Mai ab 20 Uhr) kostenfrei. Die Chöre freuen sich allerdings über Spenden.

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