Wilhelm Timme stellt sich der Kirchengemeinde Wittlohe vor / Offizielle Einführung erst in drei Monaten Ein Pastor, der Landwirtschaft gelernt hat

Kirchlinteln-Wittlohe. Mit Wilhelm Timme bekommt die evangelische St.-Jakobi-Gemeinde Wittlohe einen Pastor mit einer landwirtschaftlichen Ausbildung, der außerdem zehn Jahre seines Berufslebens in Brasilien verbracht hat. Gestern stellte sich der Geistliche den Menschen in seinem neuen Wirkungskreis mit der sogenannten Aufstellungspredigt vor.
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Von Hermann Meyer

Kirchlinteln-Wittlohe. Mit Wilhelm Timme bekommt die evangelische St.-Jakobi-Gemeinde Wittlohe einen Pastor mit einer landwirtschaftlichen Ausbildung, der außerdem zehn Jahre seines Berufslebens in Brasilien verbracht hat. Gestern stellte sich der Geistliche den Menschen in seinem neuen Wirkungskreis mit der sogenannten Aufstellungspredigt vor.

Der 50-Jährige kommt gebürtig aus der Lüneburger Heide und lernte nach der Schulzeit zunächst Landwirt. Seine Ausbildung auf dem Gut Donnerhorst in der Gemeinde Dörverden schloss er 1979 mit der Freisprechung in Verden ab. Inzwischen hatte er allerdings herausgefunden, dass ihm die Landwirtschaft nicht besonders lag.

'In meiner Jugendzeit hatten wir in unserer Kirchengemeinde einen Diakon, der uns jungen Leuten viel geboten hat', erzählt Wilhelm Timme. Er erinnert sich noch gut an Wanderungen in Lappland und andere Fahrten. Diese Erlebnisse hätten ihn so beeindruckt, dass er nun seinerseits mit Jugendlichen arbeiten wollten.

Nach der Landwirtschaftslehre besuchte Timme in Ratzeburg zunächst ein Jahr lang eine Schule für Ehrenamtliche in der Kirchenarbeit. Anschließend begann er in Hermannsburg ein Studium der Theologie. 1987 legte er sein erstes, 1989 sein zweites theologisches Examen ab.

Danach zog es ihn in die weite Welt: Von 1990 bis 1999 war Timme Pastor in Brasilien. Dort gibt es eine selbstständige lutherische Kirche mit über einer Million Mitglieder. Timmes erste Station lag im Bezirk Rio Grande do Sul an der argentinischen Grenze, später arbeitete er in der südlichen Amazonasregion. Hier bekam er hautnah mit, wie der Urwald für die Gewinnung von Mahagoniholz gerodet wurde und was das für die Menschen dort bedeutete. Der bald minderwertig gewordene Boden ließ nur noch eine extensive Viehhaltung zu.

Mit dem Auslaufen des Vertrages kehrte Timme mit seiner Familie nach Deutschland zurück. 'Auch deshalb, weil unsere Söhne Harm und Hinnerk in die Orientierungsstufe kamen.' Er und seine Frau Dörte befürchteten, dass ihre Kinder bei einem längeren Aufenthalt schulische Probleme wegen der Sprache bekommen könnten. In Brasilien hatte sich die Familie noch um die Töchter Fabia und Felicitas vergrößert.

Bis 2002 war Timme Pastor in Rethem und wechselte dann nach Nordholz bei Cuxhaven. Für Wittlohe hat er sich nach dem Weggang von Anke Döding beworben, weil seine Frau in Rethem zurückgeblieben war: Sie ist dort Leiterin des Kindergartens.

Die Hannoversche Landeskirche hat Timme als Pastor für Wittlohe ernannt und der Kirchenvorstand habe zugestimmt, so Wilhelm Manke, Kirchenvorstandsvorsitzender aus Luttum. Nach der gestrigen Aufstellungspredigt in der vollbesetzten St.-Jakobi-Kirche, in der es um die 'Möglichkeiten und Grenzen des Menschseins' ging, können nun auch die Gemeindeglieder ein Wörtchen mitreden: Das Prozedere erlaubt ihnen, bis zum 13. November Einwände gegen die Besetzung der Pfarrstelle mit Timme zu erheben. In Wittlohe ist freilich kein Fall bekannt, dass von dieser Möglichkeit jemals Gebrauch gemacht worden wäre.

Dass bis zur offiziellen Einführung Timmes noch rund drei Monate vergehen - sie ist für Anfang Februar vorgesehen - liegt an seinen Verpflichtungen in Nordholz. 'Es ist verabredet, die dort laufenden Projekte abzuarbeiten, damit ich in Frieden gehen gehen kann', sagt Wilhelm Timme. Ein großes Vorhaben werde er dort allerdings nicht bis zum Ende begleiten können: den geplanten Neubau einer Kirche.

'Wenn ich jetzt nach Wittlohe komme, möchte ich die nächsten 15 Jahre bleiben', so der Geistliche, der sich als Seelsorger versteht. Den Schwerpunkt seiner zukünftigen Arbeit sieht er in Besuchen bei den Kirchenmitgliedern. 'Ich möchte wissen, was Kirche für sie ist.'

Die Familie Timme will möglichst schnell nach Wittlohe umziehen. Zur Kirchengemeinde gehören sieben Dörfer und zwei Nebenorte (Luttum, Hohenaverbergen, Armsen, Neddenaverbergen, Lehringen, Stemmen, Wittlohe, Otersen und Ludwigslust), in denen etwa 3300 Gemeindeglieder leben.

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