Das Interview

Einblicke hinter die Palastmauern

Adelsexpertin Leontine Gräfin von Schmettow ist früher im Verdener Domgymnasium zur Schule gegangen. Nun hat sie eine Dokumentation über das Leben des königlichen Personals erstellt.
28.11.2019, 10:57
Lesedauer: 4 Min
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Von Jörn Zweibrock
Einblicke hinter die Palastmauern

Prunkvoll: Die Krone der britischen Queen ­Elisabeth.

M. Crabtree/DPA

Frau von Schmettow, wie rede ich Sie eigentlich richtig an?

Leontine von Schmettow: In meinem Pass steht zwar Gräfin, das ist normaler Bestandteil des Namens und kein Titel, aber ich nenne mich normalerweise einfach nur Frau von Schmettow. Ein Adelstitel kann auch Hürden aufbauen.

Sie entstammen einem alten schlesischen Adelsgeschlecht. Warum ist Ihre Familie vor über 40 Jahren in den Landkreis Verden gekommen?

Wir sind nach der Pensionierung meines Vaters hergezogen. Mein Vater hatte immer schon einen sehr engen Bezug zu Verden. Er war ja Schirmherr des hiesigen Reitvereins Graf von Schmettow.

Auch am Niederrhein wurde ein Reit- und Fahrverein nach einem Vorfahren benannt, oder?

Das stimmt. Die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt, Isabell Werth, ist übrigens ein Kind des Vereins Graf von Schmettow in Eversael.

Sind Sie gerne auf das Verdener Domgymnasium gegangen?

Aber ja. Leider nur für ein Jahr, von 1978 bis 1979. Danach habe ich das Internat Louisenlund in Schleswig-Holstein besucht. Das Domgymnasium ist eine total schöne Schule. Ich mochte sie immer sehr gerne und habe gerade neulich mit der Tochter einer früheren Mitschülerin darüber geredet.

Bevor Sie zur Adelsexpertin des Norddeutschen Rundfunks wurden, haben Sie 1982 ein Praktikum bei den Verdener Nachrichten gemacht. In Ihrem Praktikumszeugnis wird die Aufgeschlossenheit, gute Auffassungsgabe und fleißige Mitarbeit von Fräulein von Schmettow gelobt …

„Fräulein“ von Schmettow ... das waren noch andere Zeiten. Ich erinnere mich sehr gerne an die sieben spannenden Wochen, einfach eine super Zeit. Die Verdener Nachrichten gehören zu meinen schönsten beruflichen Stationen.

Warum?

Weil ich sofort alles machen durfte und querbeet über alle Themen schreiben konnte. Es tut einfach gut, wenn direkt nach der Schule so ein großes Vertrauen in einen gesetzt wird und einem das Gefühl vermittelt wird: „Die kann man losschicken“.

Nach Studium und Volontariat konnten sie dann den Adelsexperten Rolf Seelmann-Eggebert für ein gemeinsames TV-Projekt über deutsche Fürstenhäuser gewinnen. Wie ist Ihnen das gelungen?

Ich habe ihm einfach meine Idee vorgestellt und er war sofort begeistert. Er kannte mich nicht und ich ihn nur aus dem Fernsehen.

Die Hochzeit von Prinz Edward und Sophie von Wessex haben Sie dann das erste Mal an der Seite von Rolf Seelmann-Eggebert kommentiert. Wie hat sich das angefühlt?

Ich hatte nur ganz wenig Kamera-Erfahrung, aber es ist gut gegangen.

Mittlerweile haben Sie das Erbe des bekannten Adelsexperten übernommen. Wann Sind Sie wieder auf dem Bildschirm zu sehen?

Zum Beispiel heute Nachmittag bei „Mein Nachmittag“ im NDR. Dort berichte ich alle 14 Tage aus den Königshäusern.

Und am Sonnabend, 30. November, läuft im NDR Fernsehen eine große 90-minütige Dokumentation über das Personal der Royals …Genau, es ist ein Blick hinter die Palastfassaden. „Im Dienste ihrer Majestät“ beginnt am Sonnabend um 20.15.

Was erwartet die Zuschauer dann zur besten Sendezeit?

Spannende Porträts von Angestellten am Hof und exklusive Einblicke in das Leben des Palastpersonals. Wir haben überwiegend in Großbritannien gedreht, waren aber auch in Dänemark und Schweden zu Gast.

Erzählen Sie, welche spannenden Menschen arbeiten bei den Windsors?

Sehr beeindruckt hat mich ein älteres Ehepaar aus Sachsen. Sie stellen schon seit Jahrzehnten in Handarbeit die Seidenblumen für die Hüte der Queen her und reisen zwei Mal im Jahr mit 30 Pappkartons voller Seidenblumen nach London.

Und dann suchen sich die weltberühmten Hutmacher Rachel Trevor-Morgan und Philip Treacy vor Ort die besten aus?

Genauso läuft es.

Welche spannenden Jobs gibt es noch im Palast?

Neben dem Hundeflüsterer, der sich um das Wohlbefinden der Corgies kümmert, auch einen Swan Marker, der nur für die königlichen Schwäne da ist. Und dann gibt es dort noch den Clockmaker, der geschlagene 16 Stunden benötigt, um die insgesamt 450 Uhren auf Windsor Castle von Sommer- auf Winterzeit umzustellen.

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen, wenn ich mich online bei Königs bewerbe?

Vor allen Dingen Loyalität und Diskretion. Außerdem müssen Sie eine Verschwiegenheitsklausel unterschreiben und bei Indiskretionen mindestens 290 000 Euro Strafe bezahlen. Viele Angestellte wohnen zwar im Schloss und werden dort auch beköstigt, aber darüber hinaus fällt das Gehalt eher schmal aus. Vielleicht ist das auch ein gewisser Garant für Loyalität, wenn man nicht nur wegen des Geldes arbeitet, sondern aus Faszination für das Königshaus.

Auf welche Adelshochzeiten können wir uns 2020 freuen?

Auf die Hochzeit von Beatrice von York, der Tochter von Prinz Andrew und Fergie. Ansonsten sind die Trauungen in der 1a-Liga der jungen Generation erst einmal durch. Da viele regierende Monarchen schon älter sind, gibt es vermutlich in den nächsten Jahren einige Inthronisierungen. Die Queen ist mittlerweile 93 Jahre alt und auch Königin Margrethe von Dänemark wird nächstes Jahr schon 80.

Was sagen Sie zur jungen Generation, die bereits das Zepter übernommen hat?

König Felipe von Spanien tut zwar viel Gutes, er hat aber mit der instabilen politischen Lage in Spanien zu kämpfen. Für die Abschaffung der Monarchie bedarf es heute keine Revolution mehr, sondern lediglich eines mehrheitlichen Votums. Das belgische Königspaar ist bei uns einfach nicht so präsent wie König Willem-Alexander und seine Maxima. Dass eine Frau wie sie in das Königshaus hineingeschneit ist, hat der niederländischen Monarchie unglaublich gut getan.

Das Interview führte Jörn Dirk Zweibrock.

Info

Zur Person

Leontine Gräfin von Schmettow

hat früher das Domgymnasium besucht und hat anschließend bei den Verdener Nachrichten ein Praktikum gemacht. Sie zählt heute zu den bekanntesten Adelsexpertinnen Deutschlands und ist am Sonnabend, 30. November, zur besten Sendezeit mit einer Dokumentation über das Leben des Palastpersonals im Fernsehen zu sehen.

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