Frauen mit Down-Syndrom fertigen Requisiten für die Domfestspiele im Aller-Atelier an Eine ganz besondere Werkstatt

Verden. Der Geruch von Acrylfarben und Bastelkleber liegt am Sonnabendmittag im Aller-Atelier der Lebenshilfe im Landkreis Verden in der Luft. Auf den Basteltischen befinden sich Farbflaschen, Pinsel, Papier, geschwärzte Holzwäscheklammern und die daraus fast fertig gebastelten Schmetterlinge.
08.05.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ivonne Wüsthoff

Verden. Der Geruch von Acrylfarben und Bastelkleber liegt am Sonnabendmittag im Aller-Atelier der Lebenshilfe im Landkreis Verden in der Luft. Auf den Basteltischen befinden sich Farbflaschen, Pinsel, Papier, geschwärzte Holzwäscheklammern und die daraus fast fertig gebastelten Schmetterlinge. Antje Wehland-Radszuweit, Leiterin des Aller Ateliers der Lebenshilfe, nimmt sich einen der halbfertigen Schmetterlinge und bittet die fleißigen Bastlerinnen kurz um Ruhe, damit sie erklären kann, wie die bunten Flügel richtig an den Wäscheklammern befestigt werden. Denn bei diesen Basteleien handelt es sich schließlich nicht um irgendwelche, sondern um ganz besondere. Die jungen Frauen aus dem Arbeitskreis Down-Syndrom haben derzeit nämlich alle Hände voll mit Basteln zu tun – sie fertigen Kleinrequisiten an, die ab Mitte Juli auf der Bühne der Verdener Domfestspiele zu sehen sind.

Die Frauen, allesamt zwischen Anfang und Mitte 20, haben ihren Arbeitsauftrag gleich verstanden und machen sich an die Arbeit. An ihrer Seite stehen, neben Antje Wehland-Radszuweit und ihren Kolleginnen Sonja Labrenz-Granzow und Jenny Kolwe, auch immer die ehrenamtlichen Leiterinnen des Frauentreffs, Inge Buge, Irmgard Kracht und Gabriele Klütemeyer. Viel Unterstützung braucht die Handvoll der Kreativen aber nicht, denn im Umgang mit Pinsel und Farbe sind sie schon echte Profis.

Die Stimmung im Aller Atelier ist fröhlich. Die Bastlerinnen arbeiten gut gelaunt an ihren Schmetterlingen, oder necken und umarmen eine ihrer Betreuerinnen. Im Mittelpunkt dieser Bastelrunde stehe der Gedanke der Inklusion, weiß Antje Wehland-Radszuweit. „Das Projekt des Aller-Ateliers wird von der Aktion Mensch gefördert und befindet sich nun bereits im dritten Jahr", erläutert sie.

Als die Leiterin der Verdener Domfestspiele, Gabriele Müller, davon erfahren hat, hat sie uns angesprochen, ob wir uns nicht eine Zusammenarbeit mit dem Verein vorstellen könnten. Wir fanden diese Idee sehr gut. Seitdem sind das Aller-Atelier und die Frauen des Arbeitskreises Down-Syndrom Jahr für Jahr in die Vorbereitungen der Domfestspiele involviert", erzählt die Atelier-Leiterin.

Antje Wehland-Radszuweit hat bereits eine Liste mit Kleinrequisiten bekommen, die an den kommenden Sonnabenden von den Frauen mit Down-Syndrom noch gebastelt werden müssen. „Der Schmetterling ist die erste richtige Requisite, die wir herstellen. Es fehlen jedoch zum Beispiel noch der Ablassbrief mit Siegel, die Fläschchen für einen Bauchladen, ein Holzeimer, eine Vogelscheuche und einige eingefärbte und auf alt getrimmte Bücher.“

Neben dem Schmetterling stehen aber auch die ersten Versuche, einigen Büchern ein antiquarisches Aussehen zu verleihen, auf dem Plan. Dafür haben Antje Wehland-Radszuweit und Jenny Kolwe auch schon eine passende Idee entwickelt, die sich mit zwei der jungen Frauen ausprobieren wollen. Alles, was sie dazu benötigen, ist eine Plastikwanne, heißer Kaffee, der dort hineingeschüttet wird und zwei Bücher, welche dann ausgiebig in Kaffee baden dürfen. Erstaunt beobachtet die 20-jährige Martina Krüger, die ein Teil des Arbeitskreises ist, wie die weißen Seiten des von ihr gefärbten Buches langsam die hellbraune Farbe annehmen. Aber auch das Basteln der Schmetterlinge findet sie ganz toll, und sowieso sei Basteln eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. „Es macht mich auch stolz, dass später so viele Menschen sehen, was wir hier gebastelt haben. Und ich mag es, mit den Frauen hier im Aller-Atelier zusammen zu arbeiten“, erzählt sie freudestrahlend.

Auch wenn dort das Basteln im Mittelpunkt steht, versuchen die Betreuerinnen und das Team des Aller-Ateliers gemeinsam mit den jungen Frauen das diesjährige Stück der Festspiele „Der brennende Mönch“ zu erarbeiten. Dabei haben sie sich unter anderem mit dem Mönch Johann Bornemacher, dem Protagonisten des Stücks, und anderen zentralen Figuren sowie dem Thema Reformation auseinandergesetzt.

Nach knapp 90 Minuten sind die ersten Bastelarbeiten für diesen Tag dann auch soweit abgeschlossen. Die bunten Schmetterlinge liegen zum Trocknen auf den Basteltischen und die mit Kaffee gefärbten Bücher müssen nur noch zum Trocknen in den Backofen. Einen Backofen in den Räumen der Verdener Lebenshilfe zu finden, gestaltet sich indes aber gar nicht so leicht, denn im nächstliegenden Ofen wird schon das gemeinsame Mittagessen vorbereitet. Denn viel Basteln macht ja auch schließlich hungrig.

„Es macht mich stolz, dass später so viele sehen, was wir hier gebastelt haben.“ Martina Krüger
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