Domfestspiele

Eine Premiere, die sich gewaschen hat

Frivol fing sie an, die Premiere von „Der brennende Mönch“, dem Stück der diesjährigen Verdener Domfestspiele. Doch beim Verlauf der Tragödie stockte dem Publikum der Atem.
15.07.2017, 09:36
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Eine Premiere, die sich gewaschen hat
Von Anna Zacharias
Eine Premiere, die sich gewaschen hat

Festspiel-Leiterin Gabriele Müller mit ihrem Maskottchen, der Ratte Lady Lenka. Es schien Glück gebracht zu haben, denn der Regen stoppte mit Beginn der Premiere.

Björn Hake

Mit der Spannung ist das so eine Sache. Im Sinne guter Unterhaltung ist sie erwünscht und erfreute die Zuschauer der Premiere der Verdener Domfestspiele am Freitagabend durchaus. Eine andere, weniger gern gesehene Form der Spannung bot im Verlauf des Tages hingegen der Wetterbericht. Erstrahlte Verden noch am Nachmittag im hellsten Sonnenschein, deuteten Blitz-Symbole auf der Wetter-App zunächst auf ein abendliches Gewitter hin. Dazu kam es nicht, und wie auf Kommando endete kurz vor Aufführungsbeginn auch noch der Nieselregen. Aber die Domfestspiele wären ja nicht die Domfestspiele, wenn sie sich von der Witterung überhaupt hätten beeindrucken lassen.

Domfestspiele 2017 in Verden

Die Verdener Bevölkerung zeigt sich zwiegespalten ob der neuen Lehren Martin Luthers.

Foto: Björn Hake

Die Tragödie um den Bremer Pastor Johann Bornemacher (Gabriel Stohler Mauch), dessen trauriges Ende auf dem Scheiterhaufen der Titel bereits preisgab, zog das Publikum in den ausverkauften Reihen in ihren Bann. Doch bevor der Vertreter von Martin Luthers Thesen in „Der brennende Mönch – Eine historische Untat aus dem Jahr 1526“ Verden überhaupt erreichte, ging es in der ersten Hälfte zunächst fröhlich-frivol zu auf der Bühne. Während Bischof Christoph (Bernd Maas) im katholischen Verden mit eiserner Faust regierte, hatten die eigentlich ans Zölibat gebundenen Domherren ihre Familien unverheiratet mit Konkubinen gegründet. Und auch ansonsten ging es hinter dem Rücken des kirchlichen Oberhauptes in Verden offenbar recht zügellos zu, und so vergnügten sich die Diener Christi zur Erheiterung des Publikums mit Bier und Frauen im zum Himmel dampfenden Badezuber, um trällernd ihren „heiligen Schmutz“ abzuwaschen. Doch schließlich musste das Stück seine tragische Wendung nehmen.

Domfestspiele 2017 in Verden

Ablasshandel: Wer für den Bau des Petersdoms spendet, wird von seinen Sünden befreit.

Foto: Björn Hake
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