Schwarzwälder-Sammlung Eine Schatzkiste an der Aller

Herbert Schwarzwälder war ein deutscher Historiker, der viel über die Geschichte Bremens und Norddeutschlands geforscht hat. Ein Teil seiner Sammlung wird in Verden aufbewahrt.
30.07.2019, 12:47
Lesedauer: 2 Min
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Von Lena Mysegades

Er hat in seinem Leben unzählige Dokumente über Bremen und Norddeutschland gesammelt – Herbert Schwarzwälder war ein deutscher Historiker. Bekannt gemacht hat ihn vor allem seine erstmals ab 1975 publizierte fünfbändige Ausgabe zur Bremer Geschichte, sein letztes großes Werk war das Bremen-Lexikon von 2003. Als er starb, hinterließ er schätzungsweise 400 Regalmeter Sammelgut in seinem Haus an der Torgauer Straße im Bremer Stadtteil Findorff. Ein Teil dieser Sammlung ging später an das Bremer Staatsarchiv, die Uni-Bibliothek sowie an die Stadt Bremen. Doch ein weiterer Teil befindet sich in Verden. Genauer gesagt beim Geschichtsforscher Hartmut Bösche und seiner Frau Irene.

Es ist der 1. April 2016 – Jörg Steffens ruft beim ehemaligen Lehrer-Ehepaar Bösche an und möchte den beiden einen Teil der Schwarzwälder-Sammlung übergeben. Steffens ist ein Bekannter von den Bösches und hat eine Firma für Haushaltsauflösungen. Er weiß, dass Hartmut Bösche eine große Schwäche für Bücher hat. „Sitzen Sie gut, hat er mich gefragt, als er mir von dem Fund erzählt hat“, erinnert sich Hartmut Bösche an den besagten Anruf. Zuerst habe er das Ganze noch für einen April-Scherz gehalten. Als er daraufhin den Schatz in Findorff sichtet, weiß Bösche, dass der Anruf seines Bekannten keineswegs ein Scherz war. „Die Sammlung war riesig. Mit sechs Leuten und einem Laster haben wir mehrere Tage lang die Schwarzwälder-Sammlung verladen“, erinnert sich der Verdener. Natürlich konnte also nicht alles bei ihm zu Hause untergestellt werden. Wie gut also, dass einige Geschichtsstücke spontan auf einem Bauernhof in Holtum-Marsch gelagert werden können. „Das Sortieren dauerte Wochen. Sehr wichtig war es zu schauen, welche Bücher für die Dombibliothek in Verden in Frage kommen“, sagt Hartmut Bösche. Doch die wochenlange Arbeit lohnt sich: Hartmut Bösche kann gleich mehrere Museen, Bibliotheken und Archive mit der Schwarzwälder-Sammlung erfreuen. Ein Antiquariat in Osnabrück, das Bauerhaus-Archiv in Syke, das Genossenschaftsmuseum sowie die Universitäts-Bibliothek in Hamburg, das Pferdemuseum sowie das Kreisarchiv in Verden, das Niedersächsische Landesarchiv sowie die Bibliothek in Hannover, das Landesmuseum in Oldenburg und auch das Staatsarchiv in Bremen erhalten historisches Gut. Von Büchern, Urkunden, über Zeitungen bis zu alten Stichen ist alles dabei.

Juli 2019: Mittlerweile sind gute drei Jahre vergangen und Hartmut Bösche wartet sehnsüchtig auf die Abgabe der tausend alten Bücher im Alter von 100 bis 400 Jahren an die Historische Bibliothek des Domgymnasiums.

„Geschichte ist mein Hobby“, sagt Hartmut Bösche mit glänzenden Augen. Und seine Frau Irene ergänzt: „Wir machen nur an den Orten Urlaub, wo Hartmut ins Archiv gehen kann.“ Insofern ähneln sich das Ehepaar Bösche und das Ehepaar Schwarzwälder. Denn auch das Ehepaar Schwarzwälder hat oft in seiner Freizeit an Versteigerungen teilgenommen, war in Auktionshäusern und auf Flohmärkten unterwegs, wie Konrad Elmshäuser vom Staatsarchiv in Bremen weiß. Inge Schwarzwälder sei eine „Mischung aus dienstbarem Geist und treibender Kraft“ gewesen, die aber auch eigene Schwerpunkte gesetzt habe.

Nächster Erbberechtigter des kinderlosen Ehepaares Schwarzwälder wäre übrigens der jüngere Bruder von Herbert Schwarzwälder gewesen, der vor Kurzem verstorbene Harry Schwarzwälder. Dieser war ebenfalls ein leidenschaftlicher Geschichtsforscher. Doch die Schwarzwälder-Brüder hatten sich zerstritten und nie wieder versöhnt. Harry Schwarzwälder und sein Sohn gingen dementsprechend leer aus.

Hartmut Bösche kannte Herbert Schwarzwälder noch persönlich. Der Historiker verstarb 2011, seine Frau Inge jedoch erst im Februar dieses Jahres.

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