Schülerbeförderung Eltern besorgt und frustriert wegen Busausfällen im Landkreis Verden

Täglich hat die Achimer Elternvertreterin Wiebke Klettke mit Ausfällen im Schulbusverkehr zu tun. Der Landkreis hofft, dass sich die Situation nach den Herbstferien verbessert. Klettke erwartet das Gegenteil.
22.09.2022, 16:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Felix Gutschmidt

Die Ausfälle bei Schulbussen stellen Familien im Nordkreis Verden weiter vor Probleme. Nahezu täglich streicht das Unternehmen einzelne Verbindungen für den Folgetag, berichtet Wiebke Klettke, Vorsitzende des Stadtelternrates Achim. Zuletzt wurden die Ausfälle so kurzfristig mitgeteilt, dass kaum noch Zeit blieb, darauf zu reagieren. Eltern müssten davon ausgehen, dass der Bus nicht fährt, sagt Klettke. Nur unter dieser Prämisse sei es möglich, morgens im Ernstfall noch reagieren zu können.

Am Mittwochabend erreichten die letzten Meldungen von gestrichenen Fahrten die Sekretariate der betroffenen Schulen erst nach 23 Uhr. Die ersten Infos trafen gegen 15 Uhr ein. Auch in den Tagen zuvor teilte der Anbieter Weser-Ems-Bus kurzfristig Ausfälle mit: Am 13. September erfuhren die Schulen um 15.40 Uhr, dass die Linie 733 tags drauf am Nachmittag nicht fährt. Am 14. September hieß es um 17.58 Uhr, dass aufgrund von weiteren kurzfristigen Krankmeldungen mehrere Fahrten der Linie 740 von Achim nach Verden sowie von Verden nach Bremen entfallen.

Die nächste E-Mail trudelte am 19. September um 18.49 Uhr ein. Diesmal erwischte es die Linie 733. Deren Fahrt am Morgen von Baden zum Schulzentrum Achim fiel genauso aus wie mehrere Verbindungen am Nachmittag. Fünf Minuten später teilte Weser-Ems-Bus mit, das auch die morgendliche Verbindung der Linie 745 von Oyten nach Achim gestrichen ist. Am Nachmittag war die 703 betroffen. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Kurzfristige Fahrplanänderungen

Das Problem ist: Wenn die E-Mails die Schulen erreichen, sind die Sekretariate in der Regel nicht mehr besetzt. Die betroffenen Schüler erfahren also erst am nächsten Morgen, dass ihr Schulbus nicht fährt. Der Landkreis Verden rät deshalb dringend dazu, sich über die App des Verkehrsverbunds Bremen/Niedersachsen (VBN) zu informieren. Doch auch die wird nach Angaben von Wiebke Klettke oft erst sehr kurzfristig aktualisiert. Denn auch beim VBN müssen die Informationen über Ausfälle von Mitarbeitern verarbeitet werden. Eine Information über die Warn-App Biwapp wäre nach Auskunft des Kreises zwar prinzipiell möglich, in der Praxis jedoch nicht hilfreich, weil auch da nicht sichergestellt werden kann, dass zu jeder Zeit Personal zur Verfügung steht, um kurzfristige Fahrplanänderungen in das System einzupflegen.

Die aktuellen Probleme bei der Schülerbeförderung sind im Kreishaus in Verden bekannt. Eine kurzfristige Lösung hat die Verwaltung allerdings nicht parat. "Weser-Ems-Bus kann Fahrtausfälle erst dann weiterleiten, wenn im Unternehmen bekannt wird, ob Fahrpersonal ausfällt." Weiterhin gibt es zu wenig Busfahrer in dem Unternehmen. Seit Ende der Sommerferien fährt Weser-Ems-Bus mit einem Notfahrplan. Davon erhoffte sich der Anbieter, die Situation zu stabilisieren und sein Angebot auch im Fall kurzfristiger Ausfälle aufrecht erhalten zu können. Das gelang bislang nicht. Der Totalausfall mehrerer Linien zu bestimmten Uhrzeiten sei an der Tagesordnung, sagt Elternvertreterin Klettke. Viele Mütter und Väter reagierten zunehmend mit Unverständnis auf die Situation. Die Beschwerdewelle beim Kreiselternrat reiße nicht ab.

Was passiert nach den  Herbstferien?

Der Landkreis Verden steht nach eigenen Angaben in ständigem Kontakt mit dem Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen und Weser-Ems-Bus. Doch der Plan, für ausfallende Fahrten oder ganze Linien andere Busunternehmen zu beauftragen, funktioniert bislang nicht. Das sei durch den Mangel an Fahrpersonal in der gesamten Branche sehr schwierig, sagte ein Kreissprecher.

Zur Ankündigung von Landrat Peter Bohlmann von Mitte August, den bis 2027 laufenden Vertrag mit Weser-Ems-Bus vorzeitig kündigen zu wollen, hieß es am Donnerstag: "Es gibt keinen neuen Sachstand. Es werden Gespräche geführt, mit dem Ziel, die Situation langfristig zu verbessern." Der Sprecher äußerte die Hoffnung, dass die laufenden Gespräche zu einer Entspannung nach den Herbstferien führen werden.

Klettke erwartet das Gegenteil. Sie rechnet mit einer weiteren Verschärfung der Situation, wenn in der dunklen Jahreszeit auch die Schüler den Bus nehme wollen, die bislang mit dem Rad fahren. Schon jetzt seien die Busse "zumeist mehr als gut ausgefüllt". Schüler würden zu dritt auf den Doppelsitzen Platz nehmen oder die Fahrt über stehen. Zudem gebe es auch Fälle, bei denen Kinder an den Haltestellen stehengelassen würden, weil der Bus bereits überfüllt sei.

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