Internationaler Frauentag

Sie geht ihren Weg

Die heimische Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth (SPD) fordert die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Außerdem verrät sie, wie sie Politik und Familie unter einen Hut bekommen will.
07.03.2021, 16:17
Lesedauer: 4 Min
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Von Jörn Dirk Zweibrock
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Will 2022 wieder für den Landtag kandidieren: Dörte Liebetruth (SPD).

Björn Hake

Der rote Rucksack ist seit ihrem Einzug in den Niedersächsischen Landtag (2017) zu ihrem Markenzeichen geworden. Darin sammelt die 41-jährige Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth (SPD) aus Kirchlinteln nicht nur die Anregungen, sondern natürlich auch die Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge der Bürgerinnen und Bürger aus ihrem Wahlkreis und nimmt sie mit in den Landtag. Im Herbst 2022 stehen zwischen Harz und Küste wieder Wahlen an und Dörte Liebetruth will wieder für das Direktmandat im Wahlkreis 61 (gesamtes Kreisgebiet außer Oyten und Ottersberg) kandidieren. „Wie schafft die werdende Mutter das nur?“, wird sich sicherlich nicht nur am Internationalen Frauentag die ein oder andere Managerin eines sehr erfolgreichen kleinen Familienunternehmens fragen. „Nicht jeder Beruf ist gleich und nicht jede Lebenssituation ist die gleiche“, relativiert die Sozialdemokratin aus dem Landkreis Verden und legt den roten Rucksack für das Gespräch kurz beiseite. Sie habe den großen Vorteil, bei vielen ihrer beruflichen Termine mitbestimmen zu können und den Rückhalt ihrer Familie. „Außerdem würde ich später gerne ein Au-pair engagieren“, erzählt sie.

Wie ist das im Leineschloss? Gibt es im Hohen Haus für eine Parlamentarierin eigentlich die Möglichkeit, in Elternzeit zu gehen – so wie es mittlerweile viele Paare zwischen Achim und Dörverden tun? „Mutterschutz und Elternzeit gibt es für eine Landtagsabgeordnete wie mich leider nicht“, verrät die Berufspolitikerin und ergänzt: „Ich werde mich aber nach der Geburt für einige Wochen von den anderen Fraktionsmitgliedern in den Ausschüssen des Landtages vertreten lassen. Für dieses große Zeichen der Solidarität bin ich meinen Kolleginnen und Kollegen sehr dankbar.“

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Der Frauentag entstand übrigens aus einer Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg heraus. Damals war die Einführung des Frauenwahlrechts das große Thema. Seit 1921 wird der Tag nun also alljährlich am 8. März begangen. „Ich finde es wichtig, dass es diesen Tag gibt, um immer wieder daran zu erinnern, dass es in Sachen Gleichstellung noch viel zu tun gibt“, betont die Landtagsabgeordnete und erinnert in diesem Kontext auch gleich an den Equal Pay Day am 10. März. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, bringt die Kreisverdenerin ihre Kernforderung, die Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern, kurz und knapp auf den Punkt.

Stichwort weibliche Vorbilder: „Ich kenne so viele starke Frauen, ich möchte da niemanden besonders hervorheben“, sagt die Kirchlintlerin und nennt nach kurzem Überlegen dann doch Catjo Bontjes van Beek, die in Hannover geborene Hannah Arendt und Ruth Bader Ginsburg, Richterin am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, als ihre „Vorbilder“.

Gelinge ihr im kommenden Jahr der Wiedereinzug in den Niedersächsischen Landtag, würde sie gerne in ihren bisherigen Fachausschüssen weiterarbeiten. Dörte Liebetruth kümmert sich im Ausschuss für Haushalt und Finanzen schließlich um die „Königsdisziplin“ des Parlaments, den Etat. Darüber hinaus ist sie auch stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung und im Umweltausschuss des Landtages. Für sie als Sozialdemokratin seien das politische Schlüsselthemen. „Durch das Programm ,Zukunftsräume Niedersachsen‘ werden zum Beispiel die Probierstadt Verden mit ihren Pop-up-Stores und der Coworking-Space in Thedinghausen gefördert“, erläutert die SPD-Politikerin. Außerdem wolle sie sich auch künftig weiterhin mit Nachdruck für das Verbot der Erdgasförderung in Wasserschutzgebieten einsetzen.

Dezentrale Impfung in Praxen

Als Mitglied in der Enquetekommission zur Sicherstellung der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung in Niedersachsen liegt der 41-Jährigen natürlich auch die Bekämpfung der Pandemie besonders am Herzen. „Das Impfzentrum am Verdener Kreishaus verfügt derzeit über eine Kapazität von rund 600 Impfungen pro Tag. Um die Anzahl von bisher circa 300 Impfungen zu verdoppeln, muss allerdings erst einmal mehr Impfstoff zur Verfügung stehen. Als Land sind wir in diesem Punkt auf die Lieferungen vom Bund angewiesen“, betont Dörte Liebetruth. Sie sei jedoch zuversichtlich, dass sich die Situation im April merklich entspanne und künftig auch dezentral, also in Arztpraxen geimpft werden könne. „Kurzarbeit, Homeoffice, Home Schooling – Erhebungen haben gezeigt, dass die Pandemie vor allem zulasten der Frauen geht“, erinnert die SPD-Politikerin und wünscht sich eine Verteilung der Aufgaben zwischen Frauen und Männern.

Weil sie mit zwei Geschwistern mit Handicap aufgewachsen ist, hat Dörte Liebetruth Inklusion sowieso von klein auf vorgelebt bekommen. „Ich würde mir wünschen, dass Menschen nicht nur nach ihren Schwächen, sondern nach ihren Stärken beurteilt werden. Wir müssen vielmehr auf das Positive, die Potenziale, auf das, was jemand kann, schauen.“

Nach dem Gespräch steckt Dörte Liebetruth die Zeitung in ihren roten Rucksack und streift kurz einen Artikel über die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), eine Frau mit Handicap, die in den vergangenen Wochen eine „unglaubliche Aufholjagd in den politischen Umfragen“ hingelegt habe. „Da fällt mir gleich noch ein Vorbild ein“, sagt die die Landtagsabgeordnete, schnallt den roten Rucksack um und eilt zum nächsten Termin.

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