Fahrrad-Frühling

Sicher im Sattel

Musik hören beim Fahrradfahren? Betrunken in den Sattel? Anika Wrede von der Polizeiinspektion Verden/Osterholz klärt auf in Sachen Verkehrssicherheit und nennt aktuelle Unfallzahlen.
03.04.2020, 18:04
Lesedauer: 3 Min
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Von Lisa Urlbauer
Sicher im Sattel

Helm ja oder nein: Polizistin Anika Wrede weiß, wie man sicher unterwegs ist, und plädiert eindeutig für den Helm.

Björn Hake

Radfahrer gehören genau wie Fußgänger zu den schwächeren Verkehrsteilnehmern. Fahrräder haben keine Hülle aus Blech, keinen Sicherheitsgurt oder Airbag; es gibt keine Schutzzone, die bei einem Unfall lebensrettend sein könnte. Das gilt für den klassischen Drahtesel genauso wie für die mit elektrischem Hilfsmotor betriebenen Pedelecs. Darum müssen Radler aufpassen – auf andere, aber vor allem auch auf sich selbst. Wie, das erklärt Anika Wrede, Verkehrssicherheitsberaterin bei der Polizeiinspektion Verden/Osterholz.

205 Unfälle, drei tote Radfahrer

„Fahrradfahrer müssen sich an die Regeln anpassen und die Verkehrssicherheit ihres Fahrrads gewährleisten“, sagt Wrede. Helmpflicht gibt es in Deutschland nicht, doch Wrede bemerkt einen positiven Trend. „Ich finde es sehr gut, dass die Zahl der Helmträger auch im Erwachsenenalter zunimmt.“ Unfälle könnten in den scheinbar harmlosesten Situationen passieren – und zu irreparablen Schäden führen. Besonders Pedelecfahrer müssten aufpassen, weil die Räder deutlich mehr Geschwindigkeit hätten. „Die Frisur kann man richten, eine Platzwunde am Kopf nicht.“

Im Jahr 2019 wurden im Landkreis Verden 205 Unfälle mit Fahrrädern oder Pedelecs von der Polizei registriert. Dabei wurden laut Polizei insgesamt 165 Menschen verletzt – davon 117 Fahrradfahrer und 25 Pedelecfahrer leicht sowie 14 Fahrradfahrer und 6 Pedelecfahrer schwer. Außerdem waren die Unfälle für zwei Radfahrer und einen Pedelecfahrer tödlich.

Auf der richtigen Straßenseite zu radeln, ist eine Grundvoraussetzung für sicheres Fahrradfahren: „Immer in Fahrtrichtung rechts. Hält man sich nicht daran, wird man eine entsprechende Mitschuld bekommen, wenn es zu einem Unfall kommt“, weiß Wrede. Dort, wo ein blaues Schild mit einem Fahrrad drauf hängt – mitunter in Kombination mit einem Fußgänger – handelt es sich um einen Radweg, den man benutzen muss. Gibt es dieses Schild nicht und keinen separierten Bereich für Radfahrer, müssen sie auf der Straße fahren. Für Kinder gilt das nicht: Sie müssen auf dem Gehweg oder einem baulich von der Fahrbahn getrennten Radweg fahren, bis sie acht Jahre alt sind. Erwachsene Aufsichtspersonen dürfen sie dabei auf dem Gehweg begleiten. Zwischen acht und zehn Jahren dürfen sich Kinder aussuchen, ob sie auf der Fahrbahn, dem Geh- oder Radweg unterwegs sein wollen. An Zebrastreifen haben nur Fußgänger Vorrang gegenüber dem fließenden Verkehr – Fahrradfahrer nicht. „Fahrradfahrer müssen an einem Zebrastreifen absteigen und dürfen nicht einfach angesaust kommen“, erklärt die Verkehrsexpertin. Schiebt man sein Rad, gilt man verkehrsrechtlich als Fußgänger – und darf damit auch den Vorrang im Straßenverkehr genießen.

„Wir stellen bei Kontrollen an Schulen oft fest, dass die Bremsen nicht richtig funktionieren.“ Doch sicher im Sattel sitze man nur, wenn das Rad auch verkehrstüchtig sei. Eine Klingel gehöre zu einem verkehrssicheren Rad auch dazu. Bei fehlender Beleuchtung könne es im Dunkeln schnell gefährlich werden. „Radfahrer denken, sie könnten auch ohne Licht alles erkennen. Vom Auto aus werden Fahrräder aber schnell übersehen“, sagt Wrede. Reflektoren in den Speichen seien auch Pflicht. Helle Kleidung könne dabei helfen, besser gesehen zu werden, sagt Wrede.

Die Handynutzung ist beim Rad- wie auch beim Autofahren verboten. „Ich darf auf dem Fahrrad keine Nachrichten tippen“, erklärt Wrede. Musik hören auf dem Rad ist erlaubt – wenn das Handy dabei nicht in der Hand gehalten und nicht zu laut gehört wird. „Ein Kopfhörer ist in Ordnung, zwei besser nicht. Man reagiert schneller, wenn man den Straßenverkehr hört.“ Halterungen zur Navigation sind erlaubt – wenn die Strecke vor Fahrtbeginn eingestellt wird. Seine Sinne sollte man immer auf den Straßenverkehr richten, so Wrede. „Man muss aufpassen und nach vorne schauen.“ Mit den Fehlern der anderen müsse man immer rechnen.

Rücksicht nehmen

Die Expertin warnt auch vor Alkohol auf dem Rad. Bei 1,6 Promille sei auf jeden Fall Schluss, „hat man weniger getrunken, aber Ausfallerscheinungen, ist auch das eine Straftat“. Unter Drogeneinfluss dürfe man gar nicht aufs Rad steigen.

Anika Wrede rät Verkehrsteilnehmern, öfter die Perspektive im Straßenverkehr zu wechseln und sich in andere hineinzuversetzen. „In Paragraf eins der Straßenverkehrsordnung steht, dass alle aufeinander Rücksicht nehmen sollen.“ Weil Straßen aber besonders auf den Autoverkehr ausgerichtet seien, müsse man Verständnis für andere Verkehrsteilnehmer haben. „Alle schimpfen immer auf die anderen. Wir sollten uns alle einfach mal weniger aufregen.“

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