Angehende Restaurantfachfrau aus Achim lernt im Bremer Rathaus und in seinen Partnerbetrieben / Jetzt geht’s zum Bundeswettbewerb Felicitas Gätje holt den Azubi-Pokal

Zum dritten Mal hat eine Auszubildende den Pokal ins Bremer Rathaus geholt. Die angehende Restaurantfachfrau Felicitas Gätje aus Achim sicherte sich bei der Bremer Landesjugendmeisterschaft der Hotel- und Restaurantfachkräfte den Titel.
03.08.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Liane Janz

Zum dritten Mal hat eine Auszubildende den Pokal ins Bremer Rathaus geholt. Die angehende Restaurantfachfrau Felicitas Gätje aus Achim sicherte sich bei der Bremer Landesjugendmeisterschaft der Hotel- und Restaurantfachkräfte den Titel.

Achim·Bremen. Wenn es ums Flambieren geht, macht Felicitas Gätje so schnell niemand etwas vor. Die 20-Jährige aus Achim macht eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau im Rathaus und hat bei der Bremer Landesjugendmeisterschaft der Hotel- und Fachkräfte alle anderen Teilnehmer ausgestochen. Sie ist bereits die Dritte, die den Titel ins Rathaus holt und wird im Oktober am Bundeswettbewerb in Bonn teilnehmen.

Eigentlich hatte Felicitas Gätje das Gefühl, dass sie zumindest an einem der beiden Prüfungstage schlecht drauf war, erzählt sie. "Deshalb hab ich gar nicht mit dem Titel gerechnet." Die Ausbildung im Rathaus macht ihr Spaß und das haben ihr die Prüfer wohl angemerkt. "Eine Prüferin sagte zu mir, ich hätte flambiert, als ob ich nie was anderes gemacht hätte." Nun ist es auch gerade das Flambieren, das der Auszubildenden besonderen Spaß macht. Außerdem musste sie in der praktischen Prüfung unter anderem ein Sechs-Gänge-Menü fehlerlos eindecken und eine Seezunge und Riesengarnelen filetieren.

Wer ans Rathaus denkt, wird vermutlich nicht zuerst auf die Idee kommen, dass dort junge Menschen zu Fachkräften der gehobenen Gastronomie ausgebildet werden. Doch letztlich müssen bei Veranstaltungen und Staatsbesuchen Gastgeber und Gäste auf hohem Niveau versorgt werden.

Auch Ratssilber polieren

Felicitas Gätjes Arbeitsplatz ist im Bankettmanagement der Senatskanzlei. Sie lernt aber auch in Partnerbetrieben, wie beispielsweise im Maritim-Hotel, den täglichen Einsatz in der Gastronomie. "Das ist notwendig, weil wir selbst keinen Restaurantbetrieb haben", sagt Rathausmitarbeiterin Gaby Redeker. Im Rathaus lernen die Auszubildenden beispielsweise, das Ratssilber zu polieren. Ein externer Silberschmiedemeister unterrichtet sie in der Pflege der guten Stücke. "Dabei ist Wertschätzung für die Dinge, mit denen man zu tun hat, sehr wichtig", sagt Felicitas Gätje.

Ein wichtiger Baustein der Ausbildung sind neben dem Unterricht in der Berufsschule auch die Kurse des Verbands der Serviermeister, Restaurant- und Hotelfachkräfte (VSR).

"Dort bekommen die Auszubildenden von jemandem, der auch kompetent ist, gewisse Dinge noch mal anders erklärt", sagt Gaby Redeker. Das helfe, bestimmte Sachverhalte zu verstehen. Oftmals seien die Seminare aber so überfüllt, dass praktisches Arbeiten kaum möglich ist, ergänzt die Auszubildende. Dann bekämen sie Dinge gezeigt und würden sie im Rathaus praktisch ausprobieren.

Externe Experten bilden die Rathauskräfte auch in anderen Belangen aus. Die angehende Restaurantfachfrau hat im Ratskeller gerade eine Weiterbildung zum "anerkannten Weinberater deutscher Weine" absolviert und dafür ein Zertifikat bekommen. "Das Rathaus bildet über Bedarf aus. Wir können die Fachkräfte nicht übernehmen", sagt Gaby Redeker. Für die 20-jährige Felicitas Gätje bedeutet das: Bewerbungen schreiben. Sie ist inzwischen im dritten Lehrjahr, will ihre Ausbildungszeit von drei auf zweieinhalb Jahre verkürzen und dann vielleicht im Ausland Arbeit suchen. Sie träumt von Amerika.

Mit einer abgeschlossenen Ausbildung im Rathaus stünden ihr viele Möglichkeiten offen, sagt Gaby Redeker. Die neuerliche Auszeichnung zeige, dass die Ausbildung sehr gut sei. "Ich hatte bislang wahnsinnig viel Spaß und habe viel gelernt", so Felicitas Gätje. Sie bereitet sich nun mit ihren Ausbildern Martina Blass und Heico Geffken auf den Bundeswettbewerb vor. An den drei Prüfungstagen muss sie theoretisches Wissen parat haben und praktisches Können zeigen. Außerdem wird sie zusammen mit einem Nachwuchskoch aus Verden und einer angehenden Hotelfachfrau aus dem Swissôtel zeigen müssen, wie gut sie im Team arbeitet.

Die Rathauscrew geht ohne Erwartungen an den Bundeswettbewerb heran. "Es gibt große Hotels, die ihre Auszubildenden speziell auf solche Prüfungen vorbereiten." Diese Unternehmen nutzten die Titel zur Profilierung und hätten außerdem mehr Geld, das sie in die Ausbildung stecken könnten, meint Gaby Redeker.

Im Rathaus wird weiterhin ausgebildet. In wenigen Wochen beginnt die nächste Runde. Die Plätze dafür sind bereits alle vergeben, sagt die Rathausmitarbeiterin. Ab dem Frühjahr werden aber wieder Auszubildende eingestellt. Bewerbungen sind noch möglich.

Nähere Informationen: www.abig.bremen.de.

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