Amnesty International Verden Fluchtgeschichten im Domherrenhaus

In einer Ausstellung befasst sich die Verdener Gruppe von Amnesty International mit den Schicksalen geflüchteter Menschen. Als Schirmherren konnten sie Henning Scherf gewinnen.
02.06.2019, 15:42
Lesedauer: 2 Min
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Von Marie Lührs

Verden. Mit dem Thema „Menschen auf der Flucht“ wird sich die nächste Sonderausstellung im Verdener Domherrenhaus befassen. Die Initiative dazu geht auf die örtliche Gruppe von Amnesty International, einer Non-Profit-Organisation, die sich für Menschenrechte engagiert, zurück. Die Bilderausstellung mit Fotografien aus den vergangenen 70 Jahren wird mit Lesungen, Führungen für interessierte Gruppen und weiteren Aktionen begleitet. Zur Eröffnung bekommt das Domherrenhaus prominenten Besuch.

Groß ist die Freude der Amnesty-Gruppe, dass sie Bremens ehemaligen Bürgermeister Henning Scherf als Schirmherren für die vierwöchige Ausstellung gewinnen konnten. Er wird an diesem Freitag, 7. Juni, zur Vernissage die Gäste begrüßen. Einer von ihnen ist Ghaith Qudsy. Mit dem aus Syrien geflüchteten Mann werde sich Henning Scherf über dessen Erfahrungen unterhalten, heißt es in der Ankündigung. Qudys ist Mitte 20 und hat in Verden eine neue Heimat und in der Musikschule Con-Takte arbeit gefunden. Die Besucher dürfen an diesem Tag allerdings nicht nur dem Gespräch lauschen, Scherf wird sie auch durch die Ausstellung führen.

„Die ausgewählten Fotografien dieser Ausstellung gestatten einen Einblick in einige der Geschichten von geflüchteten Menschen“, erklärt Axel Sonntag von der Amnesty-Gruppe. Der Betrachter soll so etwas darüber erfahren, was es heißt, auf der Flucht zu sein, Bedrohung, gesellschaftlicher Umwälzung und Tod zu begegnen. Zudem kann er nachvollziehen, wie es ist, gezwungen zu sein, das eigenen Zuhause zu verlassen.

Die Geschichte von Ghaith Qudsy ist nur eines von vielen Beispielen, die den Besuchern der Ausstellung begegnen. Doch der Fokus liegt keineswegs nur auf aktuellen Fluchtbewegungen. Denn die Thematik geht bis zum Zweiten Weltkrieg zurück, der ebenfalls eine Zeit massiver Vertreibung war.

Ein weiterer Gast, der im Domherrenhaus seine Geschichte schildern wird, ist Faisal Hamdo. Am Sonntag, 16. Juni, wird er aus seinem Buch „Fern von Aleppo“ lesen. Der Autor kam dort 1989 zu Welt, arbeitete nach dem Studium der Physiotherapie mit behinderten Kindern sowie ehrenamtlich in provisorischen Krankenhäusern seiner Heimatstadt. Wie viele syrische Studenten nahm er während des Arabischen Frühlings an etlichen Demonstrationen gegen das Regime teil. 2014 musste er fliehen und kam über die Türkei nach Deutschland. Inzwischen arbeitet er am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. In seinem 2018 erschienenen Buch vergleicht er seine Erfahrungen, die er in der deutschen Hansestadt gemacht hat, mit seinem Leben in Syrien.

Musikalisch klingt am 6. Juli die Ausstellung aus. Denn zur Finissage spielt die Sound Company, ein Musik- und Integrationsprojekt der Evangelischen Gemeindemusikschule Con-Takte. Bei gutem Wetter soll das Konzert unter freiem Himmel im Innenhof des Domherrenhauses stattfinden. Andernfalls wird es ins Gebäude verlegt.

Neben den festgelegten Veranstaltungen sind weitere Führungen durch die Ausstellung geplant. Schulklassen und andere interessierte Gruppen können sich hierfür an den Sprecher der Verdener Amnesty-Gruppe richten. Andreas Bortfeldt ist unter der Telefonnummer 01 73/ 2 16 26 89 zu erreichen. Wer ohne Führung durch die Ausstellung wandeln möchte, kann dies zu den Öffnungszeiten des Museums tun: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 13 sowie von 15 bis 17 Uhr.

Bei der Umsetzung der Ausstellung wurden die Organisatoren vom „Dokumentationszentrum Verden im 20. Jahrhundert“ (Doz 20), dem Verein „Verden hilft“ und dem „Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage“ (Wabe) unterstützt.

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